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Hinschauen als Beruf: Kriegs- und Krisenjournalismus heute

©Carola Knünz
"Bildschärfe": Kriegs- und Krisenjournalismus heute

Tagtäglich ist der moderne Mensch einer schier unüberblickbaren Bild- und Informationsflut ausgesetzt. Nach einem Jahr intensiver Vorbereitungen luden die Mitglieder der “Kulturstraße – von Schillerhand gemacht” am Mittwoch, 22.Juni dazu ein, die Früchte ihrer Arbeit ins Visier zu nehmen.

Das Projekt “Kulturstraße” ist eine durch KulturKontakt Austria geförderte Kooperation des Gymnasiums Schillerstraße mit dem Theater am Saumarkt. Einmal im Jahr wird von den Schülern im Rahmen des Wahlpflichtfachs “Kulturmanagement” eine eigene Veranstaltungsidee konzipiert und im TaS realisiert. Die aktuellen weltpolitischen Ereignisse gaben den Ausschlag, die diesjährige Veranstaltung dem Thema “bildschärfe. Medienberichterstattung in Kriegs- und Krisengebieten” zu widmen.

Hautnah dabei

Den Anfang machte Fotojournalist und Krisenberichterstatter Christoph Püschner, der unter anderem in den Magazinen “Fokus”, “Spiegel” und “Stern” publiziert. Er präsentierte unter dem Motto “Krieg und Krise – ein Blick durch die Kamera” seine Fotoreportagen aus globalen Kriegs- und Krisengebieten, bot einen gelungenen Einblick in seine Arbeiten der letzten 20 Jahre und eröffnete dem Publikum einen Blick hinter das Pressefoto. Nach eigenen Angaben in diesen Beruf “reingerutscht” spannte er mit seinen Bildern einen weiten Bogen. Gezeigt wurden unter anderem Bilder der Balkankriege der 1990er, der bürgerkriegsähnlichen Unruhen in Georgien, des Israel-Palästinakonflikts, der Naturkatastrophen in Puket und Haiti und vom Krieg in Afghanistan.

Zur darauf folgenden Podiumsdiskussion begrüßte ORF-Moderatorin Raphaela Stefandl neben Christoph Püschner ebenfalls den mehrfach ausgezeichneten Journalisten Wolfgang Bauer von der “Zeit” sowie Medienforscher Thomas Hanitzsch von der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Zur Diskussion standen jede Menge Fragen: Wie funktioniert Berichterstattung in Ausnahmesituationen? Welche Macht haben Bilder und Texte? Wie kann das Erlebte verarbeitet werden und wie ist es eigentlich um neutrale Berichterstattung bzw. journalistische Objektivität bestellt?

Tote gehören zum Krieg

“Wie kann man da nicht hinschauen? Ich will mich einmischen, damit die Konflikte aufhören.” So die Meinung Wolfgang Bauers, der sich bis vor wenigen Wochen noch in Libyen aufhielt. Auf die Frage Stefandls, wo denn die persönlichen Grenzen lägen, äußerte sich Püschner wie folgt: “Die Grenzen muss jeder für sich selber ziehen. Tote zu zeigen ist für mich nicht die Grenze, so hart das klingt, das ist Krieg und gehört dazu. Hinschauen ist unser Beruf.” Thomas Hanitzsch wies in diesem Zusammenhang auf die Gefahr hin, welche ein inflationär betriebener Fotojournalismus mit sich bringen kann, “Tote zu zeigen, beraubt diese derer Würde. Ein zuviel an Informationsmaterial führt abgesehen davon zur Abstumpfung der Betrachter. Es muss auch mitgedacht werden, dass eine Identifikation stattfindet, die Menschen stellen sich gewöhnlich immer auf die Seite derer, die als Opfer gezeigt werden.” Man kam zum Schluss, dass in einem idealen Mediensystem Objektivität durch Kumulation vieler Subjektivitäten erreichbar sein könnte. Kritisch beleuchtet wurde weiters der Begriff des “Friedensreporters”, welcher neuerdings den des Kriegsberichterstatters ersetzen soll und laut den Experten mit Vorsicht zu genießen ist. “Der Begriff lässt ein falsches Bild entstehen, im Kern geht es darum, zukünftig anders über Kriege zu berichten – weg von der Technik – hin zur Opferperspektive”, erklärte Hanitzsch.

Damit ging ein gelungener und durchwegs informativer Abend zu Ende. Die OberstufenschülerInnen des Gymnasiums Schillerstraße, die diese Veranstaltungsidee zwar unter kompetenter Begleitung aber dennoch selbständig umgesetzt hatten, dürfen sich freuen, einen würdigen Beitrag zum Feldkircher Kulturleben geleistet zu haben.

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