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Herzschwäche: 10.800 Vorarlberger betroffen

Schwarzach – Verbreitet und unterschätzt: Rund 10.800 Vorarlberger/-innen leiden an Herzschwäche – bei weitem nicht alle wissen von ihrer Erkrankung.

Die Sterblichkeit ist höher als bei den meisten Krebsformen. Die Versorgung der Betroffenen ist in Österreich unzureichend, kritisieren Vorarlberger Expert/-innen. Obwohl effiziente Therapien zur Verfügung stehen, werden diese zu wenig genutzt: Denn es fehlen flächendeckende Programme zum optimalen Management von Herzschwäche-Patient/-innen.

„Für Herzinsuffizienz gibt es sehr gute therapeutische Möglichkeiten. Doch sie kommen nicht immer in ausreichendem Maß zur Anwendung“, betonte heute anlässlich des 1. Europäischen Tages der Herzschwäche OA Dr. Hannes Holzmüller, Landeskrankenhaus Feldkirch, Abteilung Innere Medizin-Kardiologie. „Es ist bedauerlich, dass strukturierte Versorgungsmodelle oft an der Finanzierung scheitern. Wir fordern nachdrücklich die flächendeckende Einrichtung solcher Programme, nur so lassen sich die bestehenden Versorgungsdefizite verringern.“

 Schlechte Lebensqualität, kurze Überlebenszeit

„Die Herzinsuffizienz hat sich in den westlichen Industrieländern zu einem massiven Gesundheitsproblem und zu einer regelrechten Volkskrankheit entwickelt. Sie ist die einzige schwere Herzerkrankung, deren Häufigkeit kontinuierlich steigt – und schon aufgrund der demographischen Entwicklung und der verbesserten Möglichkeiten der Akuttherapie müssen wir davon ausgehen, dass die Fallzahlen weiter steigen“, sagt OA Dr. Holzmüller.

Rund ein Prozent der Bevölkerung im Alter von 45 bis 55 Jahren leiden an Herzschwäche, im Alter von 80 Jahren sind bereits 10 Prozent betroffen. „In Österreich müssen wir von etwa 250.000 Menschen mit Herzinsuffizienz ausgehen, hochgerechnet auf Vorarlberg sind das mindestens 10.800 Betroffene. Bei weitem nicht alle von ihnen wissen von ihrer Erkrankung.

„Was häufig unterschätzt wird: Herzschwäche ist für die betroffenen Patient/-innen nicht nur mit einer massiven Einschränkung ihrer Lebensqualität verbunden, sondern auch mit einer besonders hohen Sterblichkeit“, warnt OA Dr. Holzmüller. „Die Sterberate innerhalb von fünf Jahren ist höher als die der meisten Krebsarten, nur bei Lungenkrebs ist die Lebenserwartung noch schlechter.“

Hohe Kosten, aber auch großes Einsparungspotenzial

Herzinsuffizienz ist nicht nur eine medizinische Herausforderung, sondern auch eine gesundheitspolitische, weil sie mit besonders hohen Belastungen für das Gesundheitssystem verbunden ist. Zwischen zwei und vier Prozent der Gesamtausgaben des Gesundheitsbudgets werden allein für die Behandlung von Herzinsuffizienz aufgewendet – das sind in Österreich mehr als 350 Millionen Euro. „Würden die Therapien, die es für die Herzinsuffizienz gibt, effektiv genutzt und die Behandlungsstrukturen optimiert, könnten damit also enorme Kosten im Gesundheitswesen eingespart werden“, sagt OA Dr. Holzmüller.

„Die Früherkennung ist für eine frühzeitige und effektive Behandlung der Herzschwäche von großer Bedeutung – doch heute kommen nach wie vor viele Betroffene erst sehr spät zu ihrer Behandlerin oder ihrem Behandler“, warnt OA Dr. Holzmüller. „Es ist daher wesentlich, ein Bewusstsein für Frühzeichen der Erkrankung wie Kurzatmigkeit bei stärkerer körperlicher Belastung, die Wahrnehmung einer abnehmenden körperlichen Leistungsfähigkeit, oder milde Wassereinlagerungen in den Unterschenkeln zu schärfen“.

Wirksame Therapien werden noch zu wenig genutzt

Zur Behandlung der Herzinsuffizienz stehen heute sehr wirksame medikamentöse Therapieoptionen zur Verfügung. „Durch die heute sehr gute und wissenschaftlich gut belegte differenzierte medikamentöse Behandlung kann die Entwicklung einer Herzschwäche bei rechtzeitiger Diagnose aufgehalten oder erheblich verzögert werden. Patient/-innen, die bereits an Symptomen leiden, erfahren durch die medikamentöse Behandlung eine deutliche Besserung ihrer Beschwerden und ihrer eingeschränkten Leistungsfähigkeit und Lebensqualität. Zusätzlich kann die Prognose der Patient/-innen durch diese leitliniengerechte medikamentöse Kombinationsbehandlung deutlich verbessert werden“, betont OA Dr. Holzmüller.

 Implantierbare Geräte: Zurück ins Leben

„Neben der medikamentösen Therapie stehen zur Behandlung der Herzschwäche heute verschiedene Kategorien implantierbarer Geräte zur Verfügung, die nicht nur eingreifen können, wenn das Herz zu langsam arbeitet, wie die einfachen Herzschrittmacher, sondern auch komplexe Dinge beherrschen“, so OA Dr. Holzmüller. „Die implantierbaren Cardioverter-Defibrillatoren (ICD) sowie die Geräte zur kardialen Resynchronisationstherapie (CRT) eröffnen einem wachsenden Anteil von Patient/-innen mit Herzinsuffizienz die Möglichkeit, ein weitgehend normales Leben zu führen“. Eine besonders gute Versorgung für ausgewählte Patient/-innen mit Herzinsuffizienz sind Geräte, die eine Kombination aus Defibrillation und Resynchronisation bieten (CRT-ICD).

Projekte zum strukturierten Krankheits-Management empfohlen

„Es erfordert viel Erfahrung und große Anstrengungen, diese Palette an therapeutischen Möglichkeiten den individuellen Bedürfnissen von Patient/-innen anzupassen“, weiß OA Dr. Holzmüller. Auch deshalb empfehlen kardiologische Fachgesellschaften ein Netz an intensivierten Strukturen zum optimalen Management der sehr betreuungsintensiven Herzschwäche-Patient/-innen – auch unter Einbeziehung ihres sozialen Umfelds. „Der positive Effekt solcher Management-Programme für Herzinsuffizienz-Patient/-innen ist in vielen Studien klar nachgewiesen. So konnte gezeigt werden, dass Patient/-innen in derartigen Programmen deutlich seltener ins Spital eingewiesen werden, die Sterblichkeit gesenkt wird, und dass die Programme sehr kosteneffektiv sind. Es wäre also erfreulich, wenn Entscheidungsträger/-innen in Politik und Sozialversicherungen sich mit diesen positiven Erfahrungen beschäftigten“, so OA Dr. Holzmüller.

Vorzeigemodell Kardiomobil

Ein Beispiel für ein sehr erfolgreiches Modell optimierter Versorgung von Herzinsuffizienz-Patient/-innen ist das Projekt Kardiomobil in Salzburg, das landesweit installiert ist. Finanziert wird das Projekt vom Land Salzburg und den Sozialversicherungsträgern. Es geht darum, Patient/-innen mit Herzinsuffizienz zu schulen, Verschlechterungen frühzeitig zu erkennen, die Therapie zu optimieren, Auffälligkeiten rasch gegenzusteuern, und alle beteiligten Behandler/-innen zu koordinieren. Zu diesem Zweck werden die Patient/-innen von speziell geschulten Krankenschwestern zu Hause besucht. Eine Auswertung zeigt unter anderem, dass fast ein Drittel der erstmals besuchten Patient/-innen ihre Medikation abgesetzt oder reduziert hatten. In sehr vielen Fällen wurden Patient/-innen zu Hause mit Ödemen angetroffen. Eine frühe Intervention konnte in den meisten Fällen eine stationäre Einweisung verhindern.

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