Heimische Konzerne machen gegen Blutspende-Verbote mobil

Aktuelle Verordnung sei diskriminierend, wird beklagt
Aktuelle Verordnung sei diskriminierend, wird beklagt ©APA/dpa-Zentralbild
Heimische Unternehmen haben gemeinsam eine Initiative gestartet, um gegen die Ausschlussregelungen für homo- und bisexuelle Männer bei der Blutspende mobil zu machen. Die aktuelle Verordnung sei diskriminierend, wird beklagt. Denn die Betroffenen würden aufgrund ihrer sexuellen Orientierung von einer Blutspende ausgeschlossen. Die Initiative wurde von der Raiffeisen Bank International AG (RBI) gestartet - nach dem Tod des Lebensgefährten eines Mitarbeiters.

Die beiden Männer waren an Covid-19 erkrankt, wie RBI-CEO Johann Strobl am Freitag in einer Pressekonferenz berichtete. Der Freund des Mitarbeiters musste intensivmedizinisch betreut werden. Er benötigte unter anderem Blutplasma-Infusionen mit Covid-Antikörpern - die nur eingeschränkt verfügbar sind. Der RBI-Kollege durfte aufgrund der bestehenden Richtlinien diese Spende nicht einmal direkt leisten, hieß es. Sein Lebensgefährte verstarb.

Die Regelung sei diskriminierend, zeigte sich Strobl überzeugt. Die RBI habe sich auch deswegen zum Handeln entschieden, weil man über eine inklusive Unternehmenskultur verfüge, die Chancengleichheit in den Vordergrund stelle.

Kritisiert wird, dass die Rechtslage homo- und bisexuellen Männern oder auch transgender Personen nicht erlaubt, Blut zu spenden, wenn sie zwölf Monate vorher sexuell aktiv waren. Begründet werde dies damit, dass diese Personengruppen ein deutlich höheres Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare Infektionskrankheiten hätten. Das Gesundheitsministerium habe inzwischen die Frist immerhin auf vier Monate reduziert, betonte die Geschäftsführerin der Aids Hilfe Wien, Andrea Brunner.

Dies werde jedoch bei Spendenaktionen oft nicht berücksichtigt, da es nicht in der Verordnung stehe, beklagte sie. Verlangt wird, dass künftig das Risikoverhalten berücksichtigt werden soll und nicht mehr pauschale Fristen. Das sei medizinisch auf jeden Fall vertretbar, wurde heute versichert. Verwiesen wurde auch darauf, dass auch Länder wie Polen oder Ungarn bereits eine derartige Regelung umgesetzt hätten.

An der Aktion haben sich bereits Unternehmen wie die Telekom Austria, Accenture, Ikea, Microsoft oder auch PWC-Österreich beteiligt. Formuliert wurde eine Petition, die in den kommenden Tagen Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) übergeben werden soll.

SPÖ-Gleichbehandlungssprecher Mario Lindner zeigte sich in einer Aussendung erfreut über die Initiative. Aus Sicht von Expertinnen und Experten sei seit Jahren klar, dass das geltende De-Facto-Verbot unhaltbar sei, betonte er. Die Möglichkeit zur Blutspende müsse vom individuellen Risikoverhalten jeder Person abhängen und nicht von deren sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität, befand auch er.

Die NEOS wiesen ebenfalls darauf hin, dass man schon lange ein Ende der Diskriminierung fordere. Man hoffe, dass sich die Bundesregierung von der unternehmensübergreifenden Initiative überzeugen lasse, sagte NEOS-LGBTIQ-Sprecher Yannick Shetty. Die Petition werde man "natürlich" unterstützen, versicherte er.

Ewa Ernst-Dziedzic, LGBTIQ-Sprecherin der Grünen, hob hervor, dass das Ministerium nicht nur die Rückstellfrist verkürzt, sondern auch eine Gesundheitsfolgenabschätzung in Auftrag gegeben habe. Deren Ergebnisse sollen im Laufe des Herbsts vorliegen. Auch im Gesundheitsministerium werde der Ausschluss von schwulen, bisexuellen und auch transidenten Spenderinnen und Spendern "intensiv diskutiert", beteuerte sie: "Mir ist bewusst, dass die LGBTIQ-Community auf konkrete Taten wartet. Diese müssen und werden folgen."

(APA)

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