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Heftiger Regen ebbt ab - Hochwasser vor allem noch in NÖ

©APA
In manchen Regionen, zum Beispiel in Reichenau a.d. Rax, hat es seit Mittwoch so viel geregnet wie sonst im ganzen Monat September. Freitagnachmittag kündigte sich ein Abebben der Niederschläge an. Am brenzligsten war die Lage bis zuletzt in Niederösterreich.

Am brenzligsten war die Lage bis zuletzt in Niederösterreich. Dort waren noch rund 2.450 Feuerwehrleute im Hochwassereinsatz. Landeshauptmann Erwin Pröll kündigte Hilfe für Betroffene an. In Oberösterreich wackelte die Durchführung der Linzer Klangwolke.

Schwerpunkt waren die NÖ Bezirke St. Pölten, Baden, Melk, Amstetten, Scheibbs und Lilienfeld. In Ybbsitz (Bezirk Amstetten) wurde ein Viertel der Gemeinde überschwemmt, der Bezirk Lilienfeld wurde zum Katastrophengebiet erklärt. Laut ÖAMTC waren landesweit mehr als 50 Straßen gesperrt. Auch vor dem NÖ Regierungsviertel machten die Fluten nicht Halt.

Angespannt blieb die Situation im Bezirk Lilienfeld. Drei Katastrophenhilfsdienstzüge der Feuerwehr aus Zwettl, Gänserndorf und Hollabrunn unterstützten die dortigen Kräfte, ebenso etwa 80 Soldaten für Objekt- und Dammsicherungen sowie Pumparbeiten. 20 Häuser der Wieshofsiedlung wurden bereits überflutet. Im Bezirk Baden kam es zu einem Dammbruch, ebenso in Pottenbrunn bei St. Pölten. Überschwemmt wurden in der Folge landwirtschaftliche Flächen.

Wenn die Meteorologen Recht behalten, dass die Niederschläge nachlassen, seien die Prognosen für die Donau vorsichtig optimistisch, hieß es beim hydrographischen Dienst des Landes. In Ybbs sollte der Scheitel Freitagnachmittag mit 6,50 bis 6,60 Metern erreicht werden. In Kienstock waren gegen 18.00 Uhr 8,70 bis 8,80 Meter zu erwarten, bis 22.00 Uhr sollte der Wasserstand hier auf 8,60 Meter sinken. Stromabwärts in Korneuburg werde die Spitze gegen Mitternacht erreicht (6,80 bis 6,85 Meter), in Wildungsmauer am Samstag in den frühen Morgenstunden (7,65 Meter).

Das Land Salzburg ist insgesamt mit einem blauen Auge davongekommen. Die Regenfälle sind am Freitag abgeklungen. Seit dem Vormittag gingen auch die meisten Pegelstände zurück. Probleme haben vor allem viele Landwirte, deren Tiere auf den Almen eingeschneit sind. Mit Hubschraubern wurde Futter auf die Almen geflogen, das Land übernahm die Kosten. Die Feuerwehren mussten seit der Nacht auf Donnerstag in Summe zu 77 Einsätzen ausrücken. Dabei wurden vor allem überschwemmte Keller ausgepumpt, außerdem gab es mehrere kleinere Murenabgänge. Die meisten Einsätze wurden im Flachgau verzeichnet, auch Hüttau im Pongau war erheblich betroffen.

In Oberösterreich hat sich die Situation entspannt, weil es in den Einzugsgebieten der Flüsse keine intensiven Niederschläge mehr gab. Die Pegel stiegen zwar am Vormittag noch leicht an, am frühen Nachmittag war aber fast überall der Scheitel erreicht. Die Wasserstände der Traun und der Enns gingen zurück, die Donau wies gleichbleibende Tendenz auf, lediglich der Inn dürfte noch leicht steigen.

In Steyr standen nach wie vor der Enns- und der Ortskai unter Wasser, in Schärding trat der Inn stellenweise über die Ufer, kritisch war die Situation auch im Machland. Einige kleinere Straßen waren wegen Überflutungen gesperrt, auch die Eisenstraße (B115) an der Landesgrenze zur Steiermark war unpassierbar, eine Ausweichmöglichkeit bestand nur großräumig. Die Feuerwehr musste zahlreiche Keller auspumpen, am stärksten betroffen waren die Bezirke Linz-Land, Steyr-Land und Schärding.

Durch den hohen Pegelstand der Donau und die starke Strömung war die für morgen, Samstagabend geplante Aufführung der visualisierten Linzer Klangwolke von Folge Tegetthoff „Six Tales of Time“ gefährdet. Das Brucknerhaus Linz kündigte die Entscheidung, ob und wann die Klangwolke stattfindet, für Samstagvormittag an.

Nach Dauerregen haben in Nordtirol am Freitagvormittag erste Sonnenstrahlen durch die Wolken „geblinzelt“. Vor allem im Unterland, wo zahlreiche Keller überflutet wurden, fielen seit Mittwoch nach Angaben der Meteorologen die größten Regenmengen, bis Freitagmittag wurden dort 119 Liter gemessen. Lawinenexperten warnten vor Schneerutschen auf steilen Wiesenhängen. Von Hochwasser betroffen waren vor allem die Bezirke Kitzbühel und Kufstein, aber auch Schwaz.

Seit Montag schneite es entlang des Alpenhauptkammes sowie in den östlichen Regionen Nordtirols mitunter ergiebig. Bis zu ein Meter Schnee fiel entlang des Alpenhauptkammes von den südlichen Ötztaler und Stubaier Alpen ostwärts sowie in den Regionen östlich des Inns mit Ausnahme der südlichen Regionen Osttirols. Kräftiger Wind aus nordwestlichen Richtungen führte in hochalpinen Lagen zu Schneeverfrachtungen.


Niederschlagsrekorde werden reihenweise gebrochen

Regen ohne Ende – auch am Freitag. Der pausenlose Regen ließ vor allem im Osten Österreichs zahlreiche Niederschlagsrekorde purzeln. Spitzenreiter ist Lunz am See (NÖ). Dort sind von 5. September, 8.00 Uhr, bis 7. September, 12.00 Uhr, also innerhalb von 52 Stunden, 264,7 Liter Wasser pro Quadratmeter vom Himmel gefallen. Im August 2002, beim Jahrtausendhochwasser, waren es 290,4 Liter – allerdings in sieben Tagen.

Der Tabellenführer vom Donnerstag, Reichenau an der Rax (NÖ), fiel am Freitag deutlich hinter Lunz auf Platz zwei zurück. 232,8 Liter pro Quadratmeter in den vergangenen 52 Stunden bedeuten aber ebenfalls Rekord. Seit 1865 wird in Reichenau der Niederschlag gemessen: Die durchschnittliche Summe im September von 1977 bis 2006 betrug lediglich 77,9 Liter. Bisheriger Spitzenwert: 248 Liter im Jahr 1899 – im gesamten Monat September.

Auf Rang drei liegt Lilienfeld (NÖ) mit 228,9 Litern pro Quadratmetern innerhalb von 52 Stunden. Das langjährige Monatsmittel beträgt in der Gemeinde im Traisental 107,5 Liter, die Rekordmenge für September lag bei 278 Litern. Auch am westlichen Stadtrand von Wien müssen die meteorologischen Aufzeichnungen neu geschrieben werden: 195,9 Liter in knapp mehr als zwei Tagen schlagen den bisherigen Topwert von 193 Litern im ganzen September 1950 klar.

Enorme Werte wurden am Freitag von der ZAMG in Wien auch aus Mariazell gemeldet: Dort fielen innerhalb von 52 Stunden 159,9 Liter Regen, um 54,6 Liter mehr als in einem Durchschnittsseptember, allerdings um mehr als 100 Liter weniger als im September 1889.

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