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Hausärztemangel in Vorarlberg

Turnusärzte in Vorarlberg wollen nicht Hausarzt werden.
Turnusärzte in Vorarlberg wollen nicht Hausarzt werden. ©VN/Paulitsch
Dornbirn - Mellau, Krumbach und Frastanz, hier gibt es in Zukunft keine neuen Hausärzte mehr. Die Stellen können nicht nachbesetzt werden. Laut Dr. Harald Schlocker, Sprecher der niedergelassen Ärzte Vorarlbergs, ist bald die medizinische Grundversorgung im Land in Gefahr.
Dr. Harald Schlocker im Interview

In den nächsten fünf bis zehn Jahren werden fast die Hälfte der niedergelassenen Allgemeinärzte in Vorarlberg in Pension gehen. Die Probleme Nachfolger zu finden sieht Dr. Harald Schlocker, Sprecher der niedergelassen Ärzte Vorarlbergs, in der Sichtweise der Dinge: “Das bestätigt eine Umfrage, die wir  in den Vorarlberger Krankenhäuser durchgeführt haben. Dabei ist herausgekommen, dass über 80 Prozent der jungen Kollegen sich nicht vorstellen können, sich in einer allgemeinmedizinischen Kassenpraxis niederzulassen. Als Grund wird die hohe Belastung durch die Nacht- und Wochenenddienste, der hohe Bürokratieaufwand und die teilweise familienfeindlichen Bedingungen genannt.”

Eine einjährige Lehrpraxis könnte helfen

Das Problem ist für Schlocker der fehlende Einblick der Krankenhausärzte in den Arbeitsbereich des Kassenarztes für Allgemeinmedizin. Er wünscht sich daher ein Umdenken in der Ausbildung der Turnusärzte: “Auf jeden Fall sollte darin eine verpflichtende, einjährige Lehrpraxis inkludiert sein. Damit die Jungmediziner auch die schönen Momente des Allgemeinmediziners kennenlernen können.”

Auch die Sicherstellung der Hausapotheken sei ein wichtiger Punkt, hier müssten die rechtlichen Hürden abgebaut werden, findet der Sprecher der niedergelassen Ärzte Vorarlbergs, weil sie für die Interessenten eine wesentliche wirtschaftliche Grundlage bildet: “Gerade auf dem Land ist das ein ausschlaggebender Faktor, denn wenn eine öffentliche Apotheke in der Gemeinde ist, gibt es für den Hausarzt keine Hausapotheke mehr.”

“Wir müssen die Probleme in den Griff bekommen”

Momentan haben drei Gemeinden in Vorarlberg solche Probleme, dass man auf österreichweite Ausschreibungen angewiesen ist, um Nachfolger für die scheidenden Allgemeinmediziner zu finden. In Mellau musste man die Suche sogar auf Deutschland ausweiten. Das ist für Schlocker noch nicht beunruhigend: “Wenn wir die Probleme in den nächsten zehn Jahren aber nicht in den Griff bekommen, wird die medizinische Grundversorgung im Land massiv darunter leiden.”

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