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"Hatte eine Aufgabe, keinen Job"

Schwarzach - "Lehrlingspapst" Egon Blum spricht im "VN"-Interview über den Blum-Bonus und Widerstände aus SPÖ und ÖVP. Vorbericht: Egon Blum geht

VN: Sie waren fünf Jahre lang Regierungs-Sonderbeauftragter für Lehrlingsausbildung. Ihr Vertrag läuft mit Ende 2008 aus.

Blum: SPÖ und ÖVP haben beschlossen, dass sie keinen Regierungsbeauftragen mehr wollen. Auf die Aussagen des Herrn Faymann, er habe noch nie etwas von Regierungsbeauftragen gehalten, ist zu sagen, dass es mit mir auch nur einen gegeben hat. Die anderen Berater waren nicht vom Ministerrat bestätigt.

VN: Sind Sie über das rasche Ende Ihrer Tätigkeit in Wien verärgert?

Blum: Mein Vertrag läuft jetzt ordnungsgemäß aus und das gilt es zu akzeptieren. Ich habe mich nur gewundert, dass ich eine für Österreich und für die Jugend so wichtige Entscheidung über die „VN” erfahren musste. Ich habe im übrigen auch nie gesagt, dass ich unter dieser Regierung weiterarbeiten will. Denn: Diese Funktion kann man nur mit entsprechender Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung wahrnehmen.

VN: Das heißt?

Blum: Ich kann nicht eine Aufgabe ohne Verantwortung ausüben. Und gerade jetzt, wo gewisse Dinge verändert wurden, unter anderem durch die Lehrlingskündigung, haben wir eine neue Situation, die sich durch sinkende Lehrlingszahlen im ersten Lehrjahr widerspiegelt. Und angesichts der wirtschaftlichen Tatsachen, steht uns eine ganz große Herausforderung bevor. Wir müssen schnell reagieren, um das Schlimmste zu verhindern.

VN: Welche konkreten Maßnahmen schlagen Sie vor?

Blum: Ich würde sofort den Blum-Bonus I für jeden zusätzlichen Lehrling im ersten Lehrjahr wieder einführen. Im zweiten Lehrjahr müssen keine Veränderungen vorgenommen werden, weil es gelungen ist, den Blum-Qualitätsbonus zu etablieren. Der Betrieb erhält damit 3000 Euro, sofern er einen Ausbildungs-Qualitätsnachweis vorlegt. Das soll ein Leistungsanreiz für eine gute Ausbildung sein.

VN: Sie sprachen von Kompetenz und Verantwortung. Inwiefern unterschied sich Ihre Arbeit unter einem Kanzler Schüssel bzw. Gusenbauer?

Blum: Unter Schüssel und Gorbach gab es völlige Rückendeckung für meine Arbeit. Ich habe mein Konzept abgeliefert und hatte dann freie Hand. Mit zusehendem Erfolg hatten die Sozialpartner jedoch großes Interesse an meiner Arbeit. Die großen Erfolge des Blum-Bonus wurden vom Bundesarbeitskammer-Präsidenten Tumpel (Anm: FSG) zusehends in Form von Missbrauch und Gießkannenprinzip in Frage gestellt. Aber auch aus ÖVP-Kreisen gab es teilweise Widerstand. Gusenbauer hat mir immerhin sein Vertrauen geschenkt. Aber er hatte natürlich nie die Stärke eines Schüssels.

VN: Es waren vor einigen Wochen aber gerade die roten Gewerkschafter in Vorarlberg, die Ihre Kompetenzen im Zuge eines AK-Antrages ausgeweitet sehen wollten.

Blum: Alle Parteien im Lande haben den Blum-Bonus immer unterstützt. Nur von den Grünen habe ich nie etwas gehört.

VN: Ist der Blum-Bonus fürs Land eine Option?

Blum: Ich muss in dieser Hinsicht einmal eine Rechnung aufstellen, was uns das kosten würde. Es schwebt mir vor, dass man den Zusätzlichkeits-Bonus zumindest für jene heranzieht, welche bereits ein Jahr lang auf eine Lehrstelle warten. In Deutschland hat man den Blum-Bonus in dieser Hinsicht bundesweit übernommen. Und anscheinend funktioniert das sehr gut.

VN: Der neue Arbeitsminister Hundstorfer ließ verlautbaren, dass er auf Ihr Expertenwissen nicht verzichten wolle. Gab es schon Gespräche?

Blum: Es hat ein erstes Gespräch gegeben, ein zweites soll im Jänner folgen. Es kam wenig Konkretes dabei raus. Aber es passt auch nicht zusammen. Faymann erklärt, er wolle keine Regierungsbeauftragen mehr – und Hundstorfer will scheinbar nicht auf mich verzichten. Mir kommt es vor, als ob er nun einen Rückzieher macht.

VN: Und wie sieht Ihre Zukunft aus?

Blum: Grundsätzlich: Ich brauche keinen Wirbel um meine Person. Es geht um die Jugend. Meine Sorge ist es nicht, in Wien einen Job zu bekommen. Ich hatte eine Aufgabe, und keinen Job.

 

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