"Hatte beide Beine aufgegeben"

Jeden Morgen sieht sich Januel auf dem Tablet die Videobotschaft von Jan Ullrich an.
Jeden Morgen sieht sich Januel auf dem Tablet die Videobotschaft von Jan Ullrich an.
Januel (37) aus Bregenz verlor Anfang Jänner bei einem schweren Arbeitsunfall ein Bein. WANN & WO hat im LKH Feldkirch mit ihm gesprochen.

„Ich kann mich noch sehr gut an den Unfall erinnern“, erzählt Januel, der am 10. Jänner, seinem erst vierten Arbeitstag im neuen Job, zwischen einem Müllwagen und einer Hauswand eingeklemmt wurde. „Als ich meine Beine – oder eigentlich eher was davon übrig war – gesehen habe, war ich mir sicher, dass ich beide verlieren würde. Was Gefühle angeht, kann ich mich nur an die extremen Schmerzen erinnern. Ich habe noch mein Handy gezückt und gesagt, dass man meine Mutter anrufen und ihr sagen soll, dass ich einen Unfall hatte. Dann hat bald die Narkose eingesetzt“, erinnert sich der 37-Jährige. Dem 23-jährigen Fahrer des Müllwagens mache Januel aber keine Vorwürfe: „Wer oder was genau an dem Unfall schuld ist, ist noch unklar. Das Resultat bleibt aber das gleiche. Ich habe ihm ausrichten lassen, dass er sich deswegen nicht verrückt machen soll.“ Nach neun Tagen im künstlichen Tiefschlaf mit mehreren Operationen ist Januel im LKH Feldkirch aufgewacht. „Meine ganze Familie war da, was mir viel Kraft gegeben hat. Die größte Überraschung gab es aber, als ich an mir runter gesehen habe: Mein rechtes Bein war noch da!“

„Großes Lob an die Ärzte“

„Wie gesagt, hatte ich beide Beine schon aufgegeben. Das linke musste mir auch in einer Notoperation abgenommen werden. Die Ärzte haben es aber geschafft, mein anderes Bein zu retten und mit einem Knochen aus meinem Becken und einem Teil meines großen Rückenmuskels wieder aufzubauen. Dafür möchte ich ihnen ein großes Lob aussprechen!“

Lebensrettender Sprung

Einen Sekundenbruchteil, bevor er von dem Müllwagen eingeklemmt wurde, sei Januel noch hochgesprungen. „Dieser Sprung hat mir das Leben gerettet. Der Arzt hat mir gesagt, wenn mich der Lkw im Bauchraum erwischt hätte, wären die Überlebenschancen sehr klein gewesen.“

„Ich sehe den Weg jetzt“

Januels Freunde haben die Charity-Aktion „Running for Januel“ ins Leben gerufen. Im Rahmen von Wings for Life Run laufen sie am 3. Mai in Deutschland, Norwegen, Österreich und der Schweiz für den Bregenzer. „Sie haben auch geschafft, dass mir Radstar Jan Ullrich eine Videobotschaft geschickt hat. Darin spricht er mir auf sehr persönliche Art Mut zu und sagt: ,Es gibt einen Weg, auch wenn du ihn jetzt noch nicht siehst.‘ Anfangs war es schwierig, aber ich habe mich ziemlich schnell mit meinem Schicksal arrangiert und möchte nach vorne blicken. Ich sehe diesen Weg jetzt und lege meine ganze Energie in das Erreichen meiner Ziele.

 

Morgendliches Ritual und klar gesteckte Ziele

Das Video von Jan Ullrich sieht sich Januel jeden Morgen an: „Das ist eine Art Ritual von mir geworden. Wenn ich aufwache, sehe ich mir auf meinem Tablet immer das Video an, das mir viel Kraft gibt. Anschließend höre ich mir auch jedes Mal noch den Song ,Dieser Weg‘ von Xavier Naidoo an.“  Für seine Reha hat sich Januel klare Ziele und auch einen straffen Zeitplan gesetzt. „Am schlimmsten ist das langweilige Herumliegen. Mitte Mai sollte ich den Fuß wieder belasten können. Am 13. hat meine Nichte Geburtstag und es wäre schön, wenn ich bis dahin schon entsprechende Fortschritte gemacht habe. Mit etwas Glück kann ich sogar beim ,Wings for Life Run‘ in München als Zuseher dabei sein. Mein großes Ziel ist es aber, nächstes Jahr mit Prothese selbst beim Run mitzulaufen. Ich möchte auch unbedingt wieder Fußball spielen, was eine meiner großen Leidenschaften ist. Für den kommenden August haben meine Freunde aber erst mal ein Fest geplant. Darauf freue ich mich sehr und möchte an diesem Tag unbedingt wieder auf meinen eigenen Beinen stehen!“

„2015 laufen wir für ihn, 2016 wollen wir mit ihm laufen!“

Wolfgang Beichler (35), Mitinitiator „Running for Januel“: „Wir hatten die Idee, dass wir die tolle Charity-Aktion ,Wings for Life‘ auch für unsere Aktion nutzen könnten. Mit Patrick Pircher, Marcel Pfeifer und Harry Unverdorben haben wir ,Running for Januel‘ ins Leben gerufen. Mittlerweile sind wir 25 Leute, die Sponsoren gesucht haben und beim ,Wings for Life Run‘ am 3. Mai für ihn laufen. 2015 gehen wir für ihn an den Start, 2016 wollen wir mit ihm laufen! Wer als Sponsor oder Läufer mitmachen möchte, findet Infos in der ,Running for Januel‘-Facebook-Gruppe.“

Hier die gesamte Ausgabe der WANN & WO online lesen!

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