Handy ins WC geworfen: Gewalt nach Provokation

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48-jähriger Angeklagter stieß Freundin zu Boden, die sich dabei schwer verletzte. Sie hatte zuvor im Streit sein Smartphone in die Toilette geschmissen.

Aus dem Gerichtssaal - Von Seff Dünser 

Richter Richard Gschwenter wollte dem unbescholtenen Angeklagten, der Verantwortung für sein Fehlverhalten übernahm, eine Vorstrafe ersparen. Deshalb gewährte der Strafrichter des Landesgerichts Feldkirch beim Strafprozess um häusliche Gewalt dem 48-jährigen Unterländer eine Diversion. Wenn der Freiberufler mit dem monatlichen Nettoeinkommen von 2500 Euro dem Gericht als Geldbuße 2000 Euro überweist und seiner Ex-Freundin als Teilschadenersatz 3500 Euro, soll das Strafverfahren gegen ihn eingestellt werden.

Der Beschluss zur diversio­nellen Erledigung ist nicht rechtskräftig, weil der Staatsanwalt Bedenkzeit in Anspruch nahm.

Stoß versetzt

Für die mildeste Sanktionsform entschied sich der Richter, weil seiner Ansicht nach der Angeklagte vom Opfer zur Tat provoziert worden war. Denn die damalige Freundin des Beschuldigten hatte während eines Streits im Zorn sein Smartphone in die WC-Muschel geworfen. Daraufhin hat er ihr einen Stoß gegen den Oberkörper versetzt, der sie unglücklich zu Boden stürzen ließ. Die Frau brach sich dabei die linke Hand und einen Brustwirbel.

Die Staatsanwaltschaft Feldkirch wertete den Vorfall als Verbrechen der schweren Körperverletzung mit einem Strafrahmen von sechs Monaten bis fünf Jahren Haft. Denn laut Strafantrag soll der Angeklagte seine damalige Freundin mit beiden Händen derart wuchtig gestoßen haben, dass sie in der Wohnung zwei Meter weit nach hinten gefallen sei.

Richter Gschwenter folgte aber im Zweifel der Argumentation von Verteidiger Clemens Haller, der nur von einer Misshandlung sprach und von keinem Verletzungsvorsatz. Für eine schwere Körperverletzung durch Misshandlung beträgt die Strafdrohung nur null bis drei Jahre Gefängnis.

Autoschlüssel versteckt

Der Angeklagte schilderte vor Gericht ausführlich, wie es aus seiner Sicht zu dem angeklagten Vorfall gekommen war. Demnach habe sie zu viel Alkohol getrunken. Deshalb habe er ihren Autoschlüssel versteckt, um zu verhindern, dass sie mit ihrem Pkw nach Hause fährt. Sie habe ihn geweckt und den Fahrzeugschlüssel von ihm verlangt. Weil er die Herausgabe des Schlüssels verweigert habe, habe sie sein Handy ins Klo geworfen. Er habe sein Smartphone aus dem WC-Wasser herausgefischt und in der Küche getrocknet. Sie habe weiterhin in aggressivem Ton ihren Autoschlüssel haben wollen. Dann habe er sie gestoßen, aber nicht mit voller Wucht.

Der Mann und die Frau sind inzwischen kein Paar mehr.

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