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Handelsketten wollen Milchpreise senken

Schwarzach - Am Montag hat der Sutterlüty Ländlemarkt seine Milch- und weitere Milchproduktpreise der Marke „Clever“, also jene Marke, die Sutterlüty von seinem Großlieferanten, dem deutschen Rewe-Konzern bezieht, gesenkt.

Der Preisdruck scheint bereits Wirkung zu zeigen, denn auch andere Handelsketten wie Adeg und Spar verhandeln bereits mit der Vorarlberg-Milch über eine Senkung des Milchpreises. Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger sieht diese Entwicklung in einem „sehr kritischen Licht und spricht von einer unerfreulichen Situation für die Landwirtschaft.

Warum können Sie jetzt den Milchpreis senken?

Alexander Kappaurer, Sutterlüty: Wir nützen jede Entspannung auf der Rohstoff- und Beschaffungsseite, um die Preise für unsere Kunden zu senken. Insgesamt hat es bei der Milch in Deutschland Preissenkungen gegeben, die unser Lieferant Rewe an uns weiter gegeben hat und die auch wir wieder an unsere Kunden weitergeben. Auch die Fördermengen für Milch wurden erhöht, das regt den Markt an.

Ist daran gedacht, außer den Clever-Produkten auch den Preis für regionale Produkte zu senken?

Alexander Kappaurer, Sutterlüty: Wir führen mit der Vorarlberg Milch derzeit keine Verhandlungen über eine Preissenkung, weil wir regionale Produkte nicht unter einen fairen Preis drücken wollen.

Wieviel bekommt ein Landwirt derzeit für einen Liter Milch?

Josef Moosbrugger, Landwirtschaftskammer-Präsident: Von der Vorarlberg Milch bekommt ein Landwirt 40 Cent pro Liter incl. Steuern.

Wie sieht die Landwirtschaft die wieder sinkenden Milchpreise?

Josef Moosbrugger: In einem sehr kritischen Licht. Das ist für die Landwirtschaft eine unerfreuliche Situation. Während der letzten sechs Monate, als es einen guten Milchpreis gab, wurden drei Prozent mehr Milch produziert. Die immer wieder aufgezeigte Lebensmittelknappheit rührt ja auch davon, dass sich die Preise negativ entwickelt haben, die Landwirte kein Geld mehr verdienen und daher weniger produzieren. Auf dem Markt wird immer nur der Preis für einen Liter Milch verglichen, ohne dabei zu berücksichtigen, dass die Herstellungsbedingungen etwa in Vorarlberg und Deutschland völlig verschieden sind. Wobei wir die industriellen Strukturen, wie sie in Deutschland herrschen, gar nicht wollen.

Die Grundsatzfrage ist, welchen Wert wir den Lebensmitteln und damit auch der Milch beimessen wollen.

In Deutschland gibt es bereits Proteste wütender Milchbauern. Wo liegt für Sie die Schmerzgrenze?

Moosbrugger: Ich will in diesem Zusammenhang keine Zahlen nennen, aber ich appelliere an die Vernunft auf beiden Seiten.

Welche Auswirkungen wird die Milchpreissenkung auf die Konsumenten und auf die bäuerlichen Einkommen haben?

Die nunmehrige Milchpreissenkung wird nicht allzu große Auswirkungen auf das Haushaltseinkommen der Konsumenten haben. Allerdings könnten die Bauerneinkommen in der Folge stark unter Druck kommen. Der Verbraucherpreis für Milch stieg seit 1986, also in den vergangenen 22 Jahren, nur um 20 Prozent. Der Verbraucherpreisindex erhöhte sich in diesem Zeitraum aber um das Dreifache.

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