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"Halloween" hat nicht nur Fans

Der Vorläufer von Halloween wurde auf Irland schon vor 5000 Jahren gefeiert. Somit zählt das Fest am Vorabend von Allerheiligen zu den ältesten Brauchtümern der Menschheit. Der Anlass war das Ende des Jahres.

Gemäß Überlieferungen glaubten die Menschen, dass die Toten an diesem Abend die Erlaubnis hätten, an den Ort ihres früheren Lebens zurückzukehren. Soweit der geschichtliche Hintergrund. Ideologisch scheiden sich bei dem mit großen Schritten heranrückenden Fest die Geister: Befürworter streichen den „multikulturellen Aspekt“ hervor, Kritiker sprechen vom „Verlust der regionalen Authentizität“.

Gegen „Plastikkürbis“

„Global gesehen greife ich gerne auf Bräuche aus anderen Kulturkreisen zurück“, meint Oliver Mössinger. Skeptisch sieht der Jugendkoordinator der Stadt Bludenz die große Vermarktung des Festes mit Kürbisköpfen aus Plastik, Kostümen aus dem Supermarkt oder mit geschmacklosen Geisterdekorationen. „Gegen Kürbisse aushöhlen und sie abends zu beleuchten, ist nichts einzuwenden“, so Mössinger. „Ganz im Gegenteil, ich verbinde damit das Ende des Herbstes, einen Wechsel der Jahreszeiten.“ Auch wenn eine Party steigt, ist er gerne dabei. „Gemeinsam ausgelassen zu sein und Spaß zu haben. Was spricht dagegen?“

Zaubertrank mixen

„Ich zähle mich zu dem Personenkreis, der mit Halloween nichts assoziieren kann“, bekennt Inge Naier. „Im Grunde meines Herzens habe ich sogar eine Menge Einwände, warum ein Kürbisfest in ein Halloweenfest umgemodelt werden muss.“ Ihre Kinder belehrten sie eines Besseren und so musste sich die Wige-Obfrau den Wünschen beugen. „Was die Jugendlichen an dem Fest so liebten, fand ich bald heraus“, fährt sie fort. „Sie konnten zu diesem Anlass noch einmal so richtig Kind sein, die Räume mit Spinnennetzen dekorieren und einen Zaubertrank mixen.“ Seit dieser Erkenntnis übt sich Naier in Sachen „Halloween“ in zurückhaltender Toleranz.

Vehementer Gegner

Vehement spricht sich indessen Anton Kuthan gegen den Brauchtumsimport aus den USA aus. „Im Unterland artete das Fest bereits aus“, klärt er auf. „Jugendliche randalieren und beschimpfen in ihrem Fanatismus“, weiß er. Solange Kinder nur um Süßigkeiten betteln, kann er noch ein Auge zudrücken. „Auswüchse bekommt die Sache, wenn sie um Bargeld fragen.“

Nichts als Kommerz?

Der Obmann der Bludenzer Funkenzunft legt ihnen ans Herz, sich auf die eigene Kultur zu besinnen. Und tritt entschieden für die Pflege dieses Brauchtums ein. „Es gäbe jede Menge regionaler Hexen- und Geisterbräuche. Die Auswahl wäre vorhanden“, meint Kuthan. Dieser Meinung schließt sich auch Maria Müller von Kultur.LEBEN an. Sie ärgert sich über das für sie rein auf Kommerz aufgebaute Fest. „Wer mitmacht, macht sicher den Gewerbetreibenden die größte Freude“, schätzt Müller. Selbst wenn befreundete Kinder aus der Nachbarschaft an diesem Abend anklopfen, hält sie an ihrem Standpunkt fest, indem sie die Türe erst gar nicht öffnet. „Wir haben so viel Brauchtum, mit dem wir verwurzelt sind und das auch bodenständig ist. Deshalb können wir ohne schweren Verlust auf Halloween verzichten. Dieses Fest soll den Amerikanern vorbehalten bleiben“, verleiht sie dem voran Gesagten den nötigen Nachdruck.

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