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Haftbefehle nach Entführung von Arzt ausgestellt

Kempten/Bregenz - Nach der Entführung eines in Abwesenheit verurteilten deutschen Arztes ins Elsass hat die Staatsanwaltschaft Kempten Europäische Haftbefehle gegen den Franzosen, der die Entführung angeordnet haben soll, und einen als Mittäter verdächtigten 38-jährigen Kosovaren ausgestellt.
Haft für entführten Arzt
"Habe Frieden gefunden"
Drahtzieher von Arzt-Entführung gestand

Der in Vorarlberg lebende 38-Jährige ist bereits in Auslieferungshaft. Das gab die Staatsanwaltschaft Kempten am Dienstag in einer Aussendung bekannt.

Der 72-jährige Franzose und der staatenlose Kosovare sollen den deutschen Arzt am Abend des 17. Oktober gemeinsam mit unbekannten Mittätern in ihre Gewalt gebracht und nach Frankreich transportiert haben. Das Opfer sei dabei von den Entführern niedergeschlagen und erheblich verletzt worden, so die Staatsanwaltschaft. Es bestehe der Verdacht der gemeinschaftlichen Freiheitsberaubung und der gefährlichen Körperverletzung. Die Erhebungen zu den unbekannten weiteren Tätern dauerten noch an, man könne derzeit dazu keine weiteren Auskünfte erteilen.

Der staatenlose Kosovare war in Vorarlberg im Wege der Amtshilfe einvernommen worden, er befand sich aber zunächst auf freiem Fuß. Inzwischen wurde der Mann durch die österreichischen Behörden festgenommen. Nachdem der Mann einer vereinfachten Auslieferung nach Deutschland nicht zustimmte, sei derzeit der Zeitpunkt der Auslieferung nicht absehbar, so die Staatsanwaltschaft. Den französischen Behörden habe man ein Auslieferungsgesuch für den 72-jährigen Franzosen übermittelt. Die dortige Justiz werde entscheiden, ob dem entsprochen werde oder ob dies wegen des französischen Ermittlungsverfahrens abgelehnt wird.

Der deutsche Arzt war gefesselt und geknebelt vor einem Gerichtsgebäude in Mülhausen (Elsass) aufgefunden worden. Er war 1995 von einem französischen Gericht in Abwesenheit zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er soll seine 14-jährige Stieftochter 1982 in Lindau eine tödliche Spritze verabreicht haben. Der Mann musste seine Strafe aber nie antreten, da Deutschland ihn nicht auslieferte. Der Vater des Mädchens, der 72-jährige Franzose, ist davon überzeugt, dass der Arzt dem Kind eine letztlich tödliche Dosis Betäubungsmittel spritzte, weil er es vergewaltigen wollte. Der Franzose gestand, die Entführung gemeinsam mit einem ihm unbekannten Mann vereinbart zu haben.

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