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Hätte er geschwiegen, wäre er Bischof geworden

Monsignore Walter Juen bei der Ausstellungseröffnung.
Monsignore Walter Juen bei der Ausstellungseröffnung. ©Harald Pfarrmaier
Provikar Carl Lampert

Bregenz. Walter Juen erinnerte sich an ein Gespräch über Carl Lampert, das mit dem Satz endete: „Höt er s’ Mul ghalta, wär er Bischof wora!“ Der Leiter des Diözesangerichts und Monsignore brachte damit bei der Eröffnung der Ausstellung und Buchpräsentation „Leben und Zeugnis des Provikar Carl Lampert“ am Mittwoch, 2. November im Landtagsfoyer des Landhauses in Bregenz deutlich die aufrechte Haltung des Provikars Carl Lampert gegen das Nazi-Regime zum Ausdruck.

„Die in dem heute präsentierten Buch abgedruckten Briefe Carl Lamperts aus dem Gefängnis geben ein berührendes Zeugnis eines Menschen, dem sein unerschütterlicher Glaube eine innere Kraft, Sinn und Halt gibt“, so Landtagspräsidentin Bernadette Mennel bei der Ausstellungseröffnung. Provikar Lampert stehe stellvertretend für viele Opfer des Nationalsozialismus, die sich ohne Furcht und mit großer Entschlossenheit dem NS-Regime widersetzt haben und durch ihren Tod zu Märtyrern geworden sind, betonte Mennel. Lamperts Charakterstärke und Mut, sein Festhalten an seinen Überzeugungen, an Menschlichkeit und Solidarität, sei beeindruckend und beispielgebend. „Es geht hier um einen Menschen, der durch seine unbeugsame Treue zum Glauben und zur Humanität für all jene steht, die sich einem unmenschlichen Regime widersetzt haben.“

Pfarrer Elmar Simma und Walter Buder vom Kirchenblatt lasen Passagen aus dem Buch „Hätte ich nicht die innere Kraft“. Auf 128 Seiten und mit 20 Abbildungen versehen werden Lamperts Gedanken von Herausgeberin Susanne Emerich und zehn Autorinnen und Autoren von heute interpretiert. Sie arbeiten die Botschaft des seligen Carl Lampert heraus und versuchen, diese für heutiges Christsein fruchtbar zu machen. Den Betrachtungen vorangestellt ist ein ausführlicher Lebenslauf Lamperts.

In knapper Form informieren Roll ups in der Ausstellung im Landtagsfoyer des Landhauses über Provikar Lampert, seinen Konflikt mit dem Nazi-Regime, die Urteile gegen ihn und einen Auszug aus seinem letzten Brief vor dem Gang zum Schafott. Zu sehen ist auch der Film „Lampert erinnert“ des Dornbirner Künstlers Georg Vith, der sich zeichnerisch und minimalistisch mit dem Widerstand und Provikar Lampert auseinandersetzt. Vith schuf diese Animation im Rahmen seines „Baucontainers“, der an Lampert erinnern soll, die Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit seiner unbeugsamen Haltung gibt.

Die Ausstellung im Landtagsfoyer des Landhauses in Bregenz ist noch bis 24. November 2011 zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 08.00 bis 18.00 Uhr.

Provikar Carl Lampert (1894-1944)

Geboren wurde Carl Lampert 1894 in Göfis. Im Jahr 1918 erfolgte die Weihe zum Priester. Die ersten Jahre als Geistlicher verbrachte er als Kaplan in Dornbirn (bis 1930). Nach Studienjahren in Rom wurde Lampert 1939 zum Provikar der damaligen Apostolischen Administratur Innsbruck-Feldkirch ernannt. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten geriet Carl Lampert als mutiger Kämpfer für die Rechte der Katholiken rasch ins Fadenkreuz der Gestapo. Mehrmals wurde er in Innsbruck in “Schutzhaft” genommen und 1940 bis 1941 für Monate im KZ Dachau und Sachsenhausen inhaftiert. Nach seiner Entlassung wurde er bespitzelt und beschattet. Es folgte die Verbannung nach Stettin. Im Februar 1943 wird Lampert neuerlich verhaftet und zum Tode verurteilt. Lampert starb am 13. November 1944 in Halle an der Saale durch das Fallbeil.
HAPF

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