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"Haben Angst vor der Zukunft"

Blick über Edinburgh: Larissa (21) aus Hittisau studiert in der schottischen Hauptstadt Sozialpolitik und Politikwissenschaften.
Blick über Edinburgh: Larissa (21) aus Hittisau studiert in der schottischen Hauptstadt Sozialpolitik und Politikwissenschaften. ©privat
Larissa (21) aus Hittisau studiert in Edinburgh. Den Brexit hätte sie nicht erwartet – umso größer der Schock.

WANN & WO: Wie ist die Stimmung im Moment?

Larissa Nenning: Schock über das Resultat der Abstimmung und Angst vor der Zukunft Großbritanniens sind derzeit die stärksten Gefühle. Auch wenn im Vorfeld öfters prognostiziert wurde, dass es zu einem Brexit kommen könnte, war die Hoffnung groß, dass die Stimmung sich doch noch ändert. Besonders in Schottland sind die Leute aber auch wütend, dass sie jetzt etwas mittragen müssen, gegen das eine klare Mehrheit gestimmt hat. Unsicherheit und Angst sind besonders bei jungen Leuten stark zu spüren, die ja im ganzen Land mehrheitlich für den EU-Verbleib gestimmt haben. Ich habe auch in meinem Umfeld von vielen internationalen Studierenden gehört, dass sie sich nicht mehr willkommen fühlen.

WANN & WO: Wie beurteilst du persönlich den Ausgang des Referendums?

Larissa Nenning: Ich bin sehr bestürzt über die Tatsache, dass eine rassistische Anti-EU-Kampagne die Mehrheit bekommen hat. Ich bin sehr verärgert über die politischen Verantwortlichen, allen voran Noch-Premier Cameron, von dessen politischem Spiel dieses Referendum ausgegangen ist. Die konservative Partei hätte ihre EU-Unstimmigkeiten auch innerhalb lösen können, anstatt sie auf die Bevölkerung zu übertragen und dann plötzlich selbst überrascht zu sein, wie es von der politischen Rechten zu einem rassistischen Anti-Migrationsreferendum gemacht wird. Dass die Labour-Politikerin Jo Cox ermordet wurde, war ein klares Resultat dieser Hetzkampagne. Es ist jedoch wichtig, nicht alle Brexit-Wähler als Rassisten abzustempeln. Viele haben aufgrund ihrer schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Situation für den Brexit gestimmt. Dass die eigene, konservative Regierung an dieser Situation viel Mitschuld trägt, wurde vergessen. Natürlich hat die EU mit ihrer neoliberalen Kürzungspolitik auch dazu beigetragen, ich glaube aber schon daran dass die EU-Politik politisch veränderbar ist. Großbritannien kann an dieser Veränderung jetzt nicht mehr direkt mitwirken.

WANN & WO: Schottland stimmte mehrheitlich für den EU-Verbleib. Denkst du, dass sich die Schotten von Großbritannien loslösen wollen?

Larissa Nenning: In Schottland sind die Rufe nach einer Unabhängigkeit jetzt sicherlich mehr geworden. Das wird von der Regierung aber auch als Druckmittel verwendet, um sich die besten Vorteile in den EU-Brexit-Verhandlungen herauszuholen.

WANN & WO: Nigel Farage, Chef der Unabhängigkeitspartei, sprach von einem „Sieg für wirkliche Menschen, für normale Menschen, für anständige Menschen“. Was sagst du zu dieser Aussage?

Larissa Nenning: Meiner Meinung nach ist der Brexit ist ein Sieg der verunsicherten Menschen. Es ist ein Resultat der Kürzungspolitik der letzten Regierungen.

WANN & WO: Wie beurteilst du die Wahlbeteiligung – gerade bei jungen Leuten?

Larissa Nenning: Die Wahlbeteiligung von 71,8 Prozent ist allgemein recht hoch, die höchste in Großbritannien seit 1992. Jedoch haben vor allem zu wenig junge Leute abgestimmt. Nur 36 Prozent gingen zur Urne und stimmten klar für den EU-Verbleib. Das war zu wenig für eine Mehrheit, es hätte mehr Pro-EU-Wähler gebraucht. Interessant ist auch, dass bei rund 70 Prozent Wahlbeteiligung die 52 Prozent Brexit-Stimmen nur von etwa 36 Prozent der gesamten britischen Bevölkerung im Wahlalter kommen. Das hat viel Kritik ausgelöst, die besagt, dass für so eine wichtige Entscheidung mehr als nur eine 50 Prozent-Mehrheit gebraucht werden müsse. Das sehe ich auch so. (WANN & WO)

Hier die ganze WANN & WO-Ausgabe online lesen.

 

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