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Grotesk: Vergewaltiger klagt Opfer

Bregenz - Der Prozess im Fall des flüchtigen Vergewaltigers, der sein Opfer verklagt, wurde vertagt. Nun muss ein medizinisches Gutachten eingeholt werden.

Ein Sachverständiger muss klären, wie es zum Tod des Kindes kam, da die Frau bei ihren Vorwürfen bleibt.

Vorbericht

Der Fall des flüchtigen Vergewaltigers Ralf Linder wird immer skurriler: Der Bregenzer narrt seit Monaten die Justiz, bedient sich ihrer nun jedoch das Opfer  zu verklagen.

Für den Anwalt des Opfers, Nicolas Stieger, eine Ungeheuerlichkeit: „Der Mann ist seit Monaten auf der Flucht, zwingt aber meine Mandantin vor Gericht. Sie fürchtet nach wie vor um ihr Leben“, ist Stieger fassungslos.

Der Grund für die Klage: Linders Meinung nach hat seine ehemalige Lebensgefährtin, die er misshandelt und brutal vergewaltigt hat, falsche Behauptungen über ihn aufgestellt. „Es geht um die Äußerung, dass die Ex-Lebensgefährtin wegen der Misshandlungen angeblich das Kind verloren habe, das ist nicht haltbar“, so Anwalt Martin Mennel, Rechtsvertreter von Ralf Linder.

Der zu fünf Jahren Gefängnis verurteilte Vergewaltiger ist seit vier Monaten untergetaucht, hat sich seinem Haftantritt am 11. Jänner entzogen. Linder war seit seiner Verurteilung auf freiem Fuß, weil das Gericht Haftgründe verneint hatte und eine Untersuchungshaft nicht für nötig hielt – die „VN“ berichteten. Die europaweite Fahndung nach dem verurteilten Straftäter begann erst 50 Tage nach seinem Verschwinden.

Seit Mitte Jänner weiß offiziell niemand, wo sich der Gesuchte aufhält. Offenbar aber nah genug, um die Diskussion über ihn zu verfolgen und sein Opfer zu verklagen. Verteidiger Martin Mennel möchte zum Aufenthaltsort seines Mandanten nichts sagen. „Ich werde als Anwalt meinen Mandanten nicht verraten“, so Mennel.

Die Aussage des Opfers, die ihn ins Gefängnis brachte, nutzt Linder nun, um rechtlich zurückzuschlagen: Die Frau sagte im Prozess und in einem Interview, dass sie zum Zeitpunkt massiver Misshandlungen durch Ralf Linder schwanger gewesen sei. Als sie sich an einem Abend geweigert habe, für den ständig Betrunkenen zu kochen, habe er ihr das Knie in den Bauch gerammt, woraufhin die Wehen eingesetzt hätten. Der gemeinsame Sohn Kevin kam als Frühchen zur Welt, starb einige Tage nach der Geburt. Der Tod des Kindes war damals jedoch nicht Gegenstand im Prozess gegen Ralf Linder.

Nach all den Jahren ist es äußerst schwierig zu belegen, dass das Kind tatsächlich an den Folgen der Misshandlungen starb. Eine Tatsache, die sich der Vergewaltiger, der selbst nicht zum Prozess erscheinen muss, zunutze machen könnte. Die „VN“ werden über den Ausgang des Verfahrens berichten.

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