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Großhandel und Tourismus bremsen Billa-Konzern im Coronajahr

Billa-Konzern Rewe setzte in Österreich über 9 Mrd. Euro um
Billa-Konzern Rewe setzte in Österreich über 9 Mrd. Euro um ©APA/THEMENBILD
Der Handelskonzern Rewe, der in Österreich mit den Supermarktketten Billa, Billa Plus (früher Merkur), Penny und Adeg sowie der Drogeriekette Bipa vertreten ist, wurde im Coronajahr durch massive Umsatzrückgänge in den Geschäftsfeldern Großhandel und Touristik gebremst. Auch im Supermarkt-Geschäft lief es nicht ganz so gut wie anderswo. Während Rewe in Deutschland im Lebensmittelhandel zweistellige Zuwachsraten erzielte, stiegen die Umsätze hierzulande um 6,7 Prozent.

Auch Konkurrent Spar profitierte stärker von geschlossenen Restaurants und Kantinen und legte zweistellig zu. Rewe-Österreich-Chef Marcel Haraszti verwies im APA-Interview auf einen geringeren Non-Food-Anteil. "Wir haben uns an die Verordnungen gehalten. Das hat uns Wettbewerbsnachteile gebracht."

Supermärkte durften während der Lockdowns nur Produkte anbieten, die dem "typischen Warensortiment" entsprechen. Die entsprechende Regel hatte immer wieder für Probleme gesorgt, da einzelne Unternehmen sich weigerten sie umzusetzen. Hofer, Spar und Lidl etwa haben für sie typische Non-Food-Produkte verkauft, sanktioniert wurde das nicht.

Rewe musste im vergangenen Jahr gegenüber Spar klein beigeben und hat die Marktführerschaft erstmals nach Jahrzehnten an der Spitze an seinen Erzrivalen verloren. Während Spar auf einen Marktanteil von 34,6 Prozent kam, waren es bei Rewe 33,3 Prozent. "In der Kundenwahrnehmung wollen wir die Nummer 1 sein. Wir haben immer gesagt, wir kaufen nicht jeden billigen Marktanteil. Wir wollen auf opportunistische Aktionen verzichten", sagte Haraszti.

Der Gesamtbruttoumsatz von Rewe in Österreich (Handel und Touristik) stieg 2020 um 3,76 Prozent auf 9,07 Mrd. Euro. Billa legte mit 6,89 Prozent am stärksten zu, auch Merkur (jetzt Billa Plus) erzielte Umsatzzuwächse von 6,40 Prozent. Seit April flaggt Rewe seine Premium-Supermarktkette Merkur in Billa Plus um. Doppelgleisigkeiten bei den Marken Billa und Merkur sorgten früher für hohe Kosten, zudem haben sich die Linien gegenseitig kannibalisiert.

Bei Penny zogen die Erlöse 2020 um 6,76 Prozent an, die selbstständigen Adeg-Kaufleute verzeichneten ein Umsatzplus von 4,18 Prozent. Auch die Drogeriekette Bipa erzielte trotz Frequenzrückgängen ein Umsatzplus von 2,28 Prozent. Vergangenes Jahr sei das Ergebnis noch leicht negativ gewesen, 2021 soll Bipa wieder positive Erträge bringen. "Als Sorgenkind würde ich Bipa nicht mehr bezeichnen. Wir konnten den Sanierungskurs positiv abschließen", sagte Haraszti.

Einen Schub hat auch das Onlinegeschäft bekommen. Die Umsätze im Billa-Onlineshop haben im Coronajahr kräftig von 30 auf 50 Mio. Euro zugelegt. Die letzte Meile rentiere sich aber noch nicht, räumte Haraszti ein. Außerdem gibt es inzwischen fast 600 Click & Collect-Standorte (online bestellen, vor Ort abholen).

Im Gegensatz zum Einzelhandel hat der Großhandel im Vorjahr massiv unter dem coronabedingten Ausfall von Gastronomie und Hotellerie gelitten. "Allein bei AGM (Adeg Großmarkt, Anm.) mussten wir einen Umsatzrückgang von mehr als 25 Prozent gegenüber 2019 hinnehmen", so Haraszti. In der Touristik brach der Umsatz gegenüber 2019 um 73 Prozent ein. "Das alles ist natürlich nicht mehr aufzuholen. Aber wir sind - sehr vorsichtig - optimistisch, dass sich die Bereiche je nach der weiteren Entwicklung der Coronasituation Schritt für Schritt erholen werden", sagte Vorstandskollege Christoph Matschke. Seit März verzeichne Billa Reisen wieder steigende Zugriffszahlen.

Zu schaffen machten Rewe auch hohe Kosten. Ein zweistelliger Millionenbetrag sei allein in Österreich für den Schutz der Beschäftigten sowie in die coronabedingt aufwändige Logistik investiert worden. Der Handelskonzern beschäftigt hierzulande fast 47.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Coronajahr sei die Beschäftigtenzahl um mehr als 1.800 erhöht worden, aktuell gebe es fast 2.000 offene Stellen und es würden 800 Lehrlinge gesucht.

Die Gewerkschaft drängt derzeit auf einen befristeten Zusatz-Kollektivvertrag für den Lebensmitteleinzelhandel in Zeiten der Coronapandemie, um die stark gestiegene Mehrarbeit von Teilzeitkräften finanziell abzugelten. Durch die Coronakrise würden die Supermarktketten Rekordumsätze verzeichnen und könnten sich dies durchaus leisten, finden die Arbeitnehmervertreter. Die Gewerkschaft will nun die Betriebsräte in den Firmen informieren und diese Woche den Druck auf die Arbeitgeber mit einer Kampagne erhöhen.

"Wir können nicht immer, wenn die Gewerkschaft ruft, neue KV-Anpassungen machen. Wir haben einen etablierten Sozialpartnerprozess", sagte der Rewe-Boss. "Wir wollen, dass die Mitarbeiter fair und gerecht bezahlt werden." Ansprechpartner sei der Betriebsrat, mit dem finde ein offener Austausch statt und es werde auch diskutiert, wie man Belastungen reduzieren könnte, so Haraszti.

Ab nächstem Jahr wendet Rewe den neuen Kollektivvertrag an, also ein neues Gehaltsschema. Berufseinsteiger verdienen künftig mehr, dafür wird die Einkommenskurve insgesamt flacher. Der Umstieg kostet den Handelskonzern nach eigenen Angaben 20 Mio. Euro.

Für 2021 hat der Konzern im In- und Ausland ein Investitionsvolumen von rund 900 Mio. Euro veranschlagt, 310 Mio. Euro davon in Österreich. 2020 waren es insgesamt 550 Mio. Euro, 244 Mio. Euro hierzulande.

Vom Firmensitz in Wiener Neudorf aus wird nicht nur das Geschäft in Österreich, sondern auch das internationale Geschäft der Rewe Group ("Handel International") gesteuert. Mit Billa ist das Unternehmen in Bulgarien, Russland, der Slowakei und der Tschechischen Republik, mit dem Diskonter Penny in Italien, Rumänien, Tschechien und Ungarn und mit der Supermarktkette Iki in Litauen vertreten. 2020 beschäftigte der Rewe-Geschäftsbereich "Handel International" in zehn Ländern rund 95.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Der Bruttoumsatz stieg im internationalen Handelsgeschäft um 5,47 Prozent (wechselkursbereinigt) auf 18,75 Mrd. Euro.

(APA)

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