Großbritannien hält Umfrage zu neuer Befruchtungstechnik ab

Großbritannien lässt seine Bürger über eine neue Befruchtungstechnik abstimmen.
Großbritannien lässt seine Bürger über eine neue Befruchtungstechnik abstimmen. ©DPA
Eine neue Befruchtungstechnik, die drei biologische Eltern einbindet: Diese ethisch brisante Methode wird derzeit in Großbritannien diskutiert. Das neue Verfahren soll verhindern, dass Gendefekte weitervererbt werden. Kritiker warnen vor Designerbabys.

Großbritannien diskutiert über eine neue Technik zur Befruchtung aus der DNS dreier Menschen. Wie das Gesundheitsministerium am Donnerstag mitteilte, soll die Bevölkerung in einer öffentlichen Umfrage ihre Meinung zu der neuen Technik abgeben, mit der die Weitergabe von Gendefekten verhindert werden soll. Sollte das britischen Parlament den Weg frei geben, könnten erste Patientinnen bereits Ende des Jahres mit der Methode behandelt werden, hieß es.

Technik noch in keinem Land erlaubt

Das Gesundheitsministerium stellte den Entwurf für die Regeln ins Internet und forderte Interessierte auf, darauf bis Ende Mai zu reagieren. Ziel sei es nicht, darüber zu diskutieren, ob das britische Parlament das neue Verfahren erlauben solle, hieß es. Vielmehr stehe dabei im Vordergrund, wie diese genutzt werden sollte. Bei einer Genehmigung seitens der Politik wäre Großbritannien das erste Land, das eine solche Technik erlaubt.

Kritiker warnen vor “Designerbabys”

Auch in den USA prüfen derzeit die Behörden, ob sie diese neue Technik genehmigen sollen. Die Methode wirft zahlreiche ethische Fragen auf, beispielsweise, ob die Regierung die Schaffung genveränderter Menschen billigen sollte. Zudem sehen Kritiker in dem Verfahren einen entscheidenden Schritt hin zu “Designerbabys”. Britische Ärzte stellten indes klar, dass der Embryo weniger als ein Prozent der DNS des Eis der gesunden Spenderin enthalte.

Vererbung von Gendefekten ausschließen

Bei der Methode wird die DNS von zwei Frauen und einem Mann in den Fällen kombiniert, in denen die künftige Mutter einen Gendefekt an das Baby vererben könnte. Konkret wird der DNS-Kern des Eis einer gesunden Spenderin entfernt und durch jenen der angehenden Mutter ersetzt, bevor dieses befruchtet wird. “Wenn diese Methode erlaubt wird, bekommen Frauen, die Trägerinnen schwerwiegender mitochondrialer Erkrankungen sind, die Chance, Kinder zu gebären, ohne diesen Defekt zu vererben”, sagte die leitende Ärztin Sally Davies in einer Erklärung.

Methode ist umstritten

In Großbritannien wird etwa jedes 200. Baby pro Jahr mit einem Gendefekt geboren. Die damit verbundenen Krankheiten können von Epilepsie über Herzprobleme bis hin zu mentalen Entwicklungsstörungen reichen.

Vergangenes Jahr teilten die britischen Aufsichtsbehörden mit, sie hätten eine breite Unterstützung für die neue Technologie erfahren. Allerdings gibt es ähnlich wie in den USA auch Bedenken, es könne ein Markt für Designerbabys entstehen, bei denen Eltern etwa über Haar- und Augenfarbe sowie Größe oder Intelligenz entscheiden könnten.

Bisher nur für Forschungszwecke

Experten sagen jedoch, sollte das britische Parlament das neue Verfahren genehmigen, käme pro Jahr etwa nur ein Dutzend Frauen für diese Behandlung in Frage.

Das derzeitige Gesetz verbietet es, ein menschliches Ei oder einen Embryo vor der Einpflanzung in den Uterus zu verändern. Dies ist bisher nur für Forschungszwecke erlaubt. Kritiker des neuen Verfahren verweisen auch darauf, dass es für Frauen mit vererbbaren Gendefekten bereits andere Methoden gebe, etwa jene, ein Spenderei zu nutzen.

(DPA)

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