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Grüne für Übernahme der Kindergärtner in den Landesdienst

"Damit treffen wir zwei Fliegen auf einen Schlag", begründet die Bildungssprecherin der Grünen, LAbg. Katharina Wiesflecker, ihren Vorschlag, dass die KindergartenpädagogInnen in den Landesdienst übernommen werden.

“Wir würden erstens damit die Arbeit der PädagogInnen aufwerten und den Kindergarten als erste Bildungseinrichtung unserer Kinder stärken. Und zweitens könnten wir die Gemeinden bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise unterstützen”, so Wiesflecker. “Die Gemeinden kommen durch die sinkenden Einnahmen zunehmend unter Druck und müssen entlastet werden.”

Bedeutung der Frühpädagogik unbestritten

Die Bedeutung der Frühpädagogik in der Entwicklung der Kinder sei unbestritten und in der Zwischenzeit weitgehend erkannt. Entscheidende Grundlagen für die Lernfähigkeit eines Menschen werden im frühen Kindesalter gelegt, deshalb sei es notwendig, den Kindergarten viel stärker als bisher als erste Bildungseinrichtung zu etablieren.

Bildungs- und Erziehungsaufgaben vermischen sich zunehmend und die Anforderungen im Kindergarten steigen stetig (Aufnahme von Dreijährigen, Schwerpunktsetzung Sprachentwicklung, etc).

Vielfach herrscht noch die “naive Annahme, die Arbeit in Kindergärten verlaufe auf einer pädagogischen Schmalspur, sodass man sie deshalb ruhig schlechter bezahlen könne. Wer so denkt, hat den gesellschaftlichen Wandel der letzten Jahrzehnte nicht verstanden. Durch die heterogenen Herkunftsmilieus der Kinder und durch die wachsenden Anforderungen an deren soziale, sprachliche und mathematische Kompetenzen sind heute Kindergarten- und Volksschulpädagoginnen um nichts weniger gefordert als Lehrerinnen und Lehrer an Höheren Schulen. Ganz im Gegenteil die Anforderungen im Vorschul- und Schuleingangsbereich sind äußerst anspruchsvoll”, so die Grünen.

“Aus diesem Grund treten wir für eine Umkehr der Ressourcenpyramide ein. Derzeit erfolgt die Entlohnung der PädagogInnen nach einer Pyramide, die auf dem Kopf steht. Die PädagogInnen im Vorschul- und Schuleingangsbereich erhalten am wenigsten. Je höher wir hinaufgehen – in Bildungsbereiche in denen die Selektion stattgefunden hat – sind PädagogInnen besser ausgebildet, sozial angesehener, besser bezahlt und – kein Zufall – männlicher. Diese Pyramide soll umgedreht werden, was Landesrat Stemer in Interviews und Gesprächen bestätigte.”

Erste Bildungsrahmenpläne für Kindergärten wurden erarbeitet und kommen zum Einsatz, strukturell und finanziell sei aber noch sehr viel zu tun.

Es brauche eine dringende Aufwertung der pädagogischen Kräfte am Eingang des Bildungssystems: “Aus unserer Sicht müssen sie besser ausgebildet und besser bezahlt werden. Die derzeitigen bundesweiten Proteste der Pädagoginnen was Rahmenbedingungen und Bezahlung betrifft unterstützen wir Grüne zu 100%.”

“Wir knüpfen weiters an der vorgestrigen Aussendung des Städtebund-Generalsekretärs Thomas Weninger anlässlich des Wiener Symposiums ‘Verpflichtendes Vorschul- oder Kindergartenjahr: Rahmenbedingungen und Auswirkungen’ an.”

Sehr deutlich werde die Bedeutung der pädagogischen Frühförderung von Kindern als unbezahlbare Investition in die Zukunft unterstrichen und die strukturellen Voraussetzungen dafür eingefordert, insbesondere die Finanzierung.

Sehr kritisch werde die ‘schweigende’ Delegierung von Bundes- und Landesaufgaben auf die kommunale Ebene benannt, was die finanzielle Situation von Städten und Gemeinden massiv einschränkt. “Der Städtebund fordert deshalb zu Recht, ein klares Bekenntnis des Bundes und der Länder zur vorschulischen Bildung und die entsprechenden finanziellen Mittel dazu.”

Handlungsbedarf in Vorarlberg

In Vorarlberg wurde mit dem neuen Kindergartengesetz 2008 und der Aufnahme der dreijährigen Kinder “ein wichtiger, überfälliger Schritt getan”. Weil diese Umsetzung erst so spät erfolgte und der Bedarf aber enorm ist (+ 40 Gruppen) haben Land und Gemeinden einen erhöhten Investitionsbedarf.

Vergleichszahlen – Personalzuschüsse und Beiträge zur Errichtung neuer KG-Gruppen:

Budget des Landes f. Kindergärten 2008: € 17 Mio.

Budget des Landes f. Kindergärten 2009: € 21,4 Mio.

Budgetentwurf 2010 (+ 30% angekündigt): € 28 Mio.

Die Aufteilung der Personalkosten erfolgt derzeit nach dem Schlüssel 60 Land, 40 Gemeinden.

Finanzsituation der Gemeinden äußerst angespannt

Auf der anderen Seite sei die Finanzsituation der Gemeinden prekär.

Die Gemeinde Rankweil hatte und hat zum Beispiel noch frei verfügbare Mittel (Überschuss der laufenden Gebarung minus Schuldendienst) in folgenden Größenordnungen:

Budget 2008: 3 Mio. Euro

Budget 2009: 2 Mio. Euro

Voranschlag 2010: 0 Mio Euro

Es seien keine frei verfügbaren Mittel mehr ausgewiesen.

Gemeinde Lustenau:

Budget 2009: 6,8 Mio. Euro

Voranschlag 2010: nur noch 3 Mio Euro.

Lustenau habe Aufwendungen für Kindergartenpersonalkosten für das Jahr 2010 mit 2,2 Mio Euro ausgewiesen und erhält dafür vom Land 1,3 Mio Landesanteil (60%).

Forderungen der Grünen zur Weiterentwicklung

“Da auf der einen Seite eine Aufwertung der Kindergartenpädagoginnen in der ersten Bildungseinrichtung erfolgen soll und zum zweiten die Gemeindehaushalte entlastet werden sollen, schlagen wir die Übernahme der Kindergartenpädagoginnen in den Landesdienst vor.”

In einem ersten Schritt sollen die gesamten Personalkosten vom Land übernommen werden, in einem zweiten Schritt die Kindergartenpädagoginnen wie die Pflichtschullehrer und –lehrerinnen generell in den Landesdienst übernommen werden.

“Wie im Pflichtschulbereich wären damit die Gemeinden für die Infrastruktur zuständig, das Land für die PädagogInnen.”

Mit der Umsetzung dieses Vorschlags könnten die Gemeinden zumindest in einem Teilbereich finanziell entlastet werden. Der Mehraufwand des Landes würde etwa 18 Mio. Euro für das nächste Jahr bedeuten.

Die Übernahme der Kindergartenpädagoginnen in den Landesdienst würde einem Paradigmenwechsel entsprechen. Sie werden in ihrer Berufsbezeichnung von Gemeindeangestellten zu Pädagoginnen aufgewertet und können in einen umfassenden Bildungsplan, der vom Kindergarten, über die Schulen bis zu den Hochschulen und in die Erwachsenenbildung hineinreicht, eingebunden werden.

Es sei notwendig, den Kindergarten in seiner Bedeutung als erste Bildungseinrichtung zu stärken. Dort werde hochqualifizierte, mit der Arbeit von PflichtschullehrerInnen vergleichbare und ebenso wichtige pädagogische Arbeit geleistet. Aus diesem Grund sollen die KindergartenpädagogInnen den APS-LehrerInnen gleichgestellt werden. Ein erster Schritt sei die Übernahme der KindergartenpädagogInnen in den Landesdienst.

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