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Griechischer Klassiker modern

Sarah Viktoria Frick als überzeugende Antigone.
Sarah Viktoria Frick als überzeugende Antigone. ©Veranstalter/TaK

“Antigone” von Sophokles als packende Produktion des “Schauspiel Essen”.

Schaan. Im SAL kam zweimal als Gastspiel des veranstaltenden TaK die packende Produktion (2008) des “Schauspiel Essen” mit “Antigone” von Sophokles (496-406 v. Chr.) zur Aufführung. Regie des griechischen Klassikers in modernem Gewand (Kostüme !) führte der Deutsche David Bösch. Als sensationell expressive Antigone brillierte die junge, aus Balzers stammende und in Zürich ausgebildete Schauspielerin Sarah Viktoria Frick (geb.1982), die derzeit am Wiener Burgtheater engagiert ist.
Auf der kahlen Riesenbühne mit grellrotem Bodenbelag (Dirk Thiele) ereignete sich die blutrünstige, seit Gymnasialzeiten noch allgemein präsente Tragödie mit den Akteuren Antigone, der Tochter von König Ödipus; ihrer Schwester Ismene; mit Kreon, dem König von Theben und Onkel Antigones; Haimon, Antigones Verlobtem und Kreons Sohn, dem blinden Seher Teiresias etc.

Moral kontra Gesetz

Sarah Viktoria Frick als Antigone demonstrierte in der Inszenierung von Bösch mit atemberaubender, beinahe an terroristischen Fanatismus gemahnender Expressivität ihre unbedingte moralische Position, welche sie dem mächtigen Kreon mit seiner Staatsräson entgegenhält. Antigone besteht darauf, dass ihr im Bruderkampf gefallener Bruder Polyneikes ehrenhaft bestattet wird (weil ein unbestatteter Leichnam nicht ins Schattenreich eingehen kann), obwohl es Kreon verbietet – der Tote soll von Tieren gefressen werden, weil er als Verräter gilt. Ein für heute nicht mehr relevanter Konflikt wird zur glänzend zelebrierten Familientragödie mit mehrfach letalem Ausgang.
Antigone unterliegt zwar mit ihrer menschlichen Vorstellung von Moral dem Tyrannen Kreon, doch sie steht als zeitloser, moralischer Imperativ gegen brutale Macht.
Das Werk von Sophokles wurde sprachlich modernisiert, heutige Figuren aus der Zeitgeschichte werden genannt. Neben dem Jungstar Sarah Viktoria, die sich immer wieder mit verbalen Eruptionen, aber auch poetischen Momenten total engagierte, spielte das übrige Ensemble (Barbara Hirt, Holger Kunkel als glatter Kreon, Nicola Mastroberardino, Lukas Graser, Martin Vischer) auch mit pulsierendem Drive (bisweilen mit Tyrannenhass à la Schillers “Räuber”). Bibi Abel steuerte dramaturgisch eindrucksvolle Videos bei.

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