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Grazer Oper zeigt "Martha" in der Irrenanstalt

Was ein harmloser Spaß sein sollte, treibt den sensiblen Lyonel in die geistige Umnachtung: Diese Auslegung nahm Regisseur Peter Lund als Grundlage für seine Inszenierung von Friedrich von Flotows Oper "Martha", die so zu einem düsteren Zerrbild einer Komödie geriet. Bei der Premiere am Samstag in Graz überzeugten vor allem einige Sänger, nicht ganz so das Dirigat von Robin Engelen.

Schon während der Ouvertüre wird die Londoner Irrenanstalt Bedlam gezeigt, die im 18. Jahrhunderts, wo das Werk angesiedelt ist, eher kein gemütlicher Ort war. Dort befindet sich Lionel, Lady Harriet und Nancy besuchen ihn. In Rückblenden wird erzählt, wie es so weit kommen konnte – nur funktioniert das nicht wirklich, da die Szenen teilweise tatsächlich in der Anstalt spielen. Ist die ganze Geschichte also nur ein Unterhaltungsprogramm für die Insassen? Die Szene wechselt dann immer wieder nach draußen, auf ein Landgut, oder auch ins Haus der Lady. Das Bühnenbild (Ulrike Reinhard) und die Kostüme (Daria Kornysheva) sind sehr aufwendig gestaltet, was aber über die Schwächen in der Personenführung nicht hinwegtäuscht.

Wenn Lionel über seiner Liebe zur Lady respektive “Martha” den Verstand verliert, müssten wenigstens in Ansätzen Gefühle sichtbar sein. Aber sie wirkt nur zickig und genervt, er steht schon von Beginn an wie ein Einfaltspinsel in der Gegend herum und schaut sie kaum an. Er landet dann in Zwangsjacke in einem düsteren Kerker, aus dem es offenbar auch kein Entkommen gibt. Zuletzt befindet er sich zwar wieder bei den anderen Irren – hach, wie ist das ständige Kopfkratzen, sich wohin-auch-immer-Greifen und Herumhüpfen doch lustig! – hat aber keinen Kontakt mehr zur Umwelt.

Musikalisch war der Abend durchwachsen. Kim-Lillian Strebel ließ als Martha ihren Sopran auf und ab perlen, sie meisterte die Partie stimmlich glänzend. Leider kam gerade der Hit der Oper, “Letzte Rose”, so derart manieriert herüber, dass es wirklich schade war. Aber diffizile musikalische Gestaltung lag Dirigent Robin Engelen sowieso nicht, erdschwer erklang die Musik aus dem Graben, in dem sich die Musiker der Grazer Philharmoniker auch nicht sonderlich um Finesse bemühten. Der gepresste Tenor von Ilker Arcayürek war gewöhnungsbedürftig. Mit kerniger Stimme und lebendigem Spiel erfreute Peter Kellner (Plumkett), und Anna Brull (Nancy) brachte eine Spur von Heiterkeit und eine warmtönende Stimme ein. Wilfrid Zelinka mimte gekonnt einen albernen Verehrer.

Eine gute Komödie balanciert immer am Rande der Tragödie, kippt aber nie ganz in sie hinein. Hier ist das anders, da wird eine düstere Geschichte gezeigt, die von Anfang an unlustig daherkommt. Ohne die Musik wäre es allerdings ein schlüssiger Abend.

(APA)

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