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Goldfund auf Alt-Ems: Sagenumwobenes goldenes Kegelspiel endlich gefunden?

Das wäre eine Sensation: Wurden bei Renovierungsarbeiten wirklich Teile des goldenen Kegelspiels gefunden?
Das wäre eine Sensation: Wurden bei Renovierungsarbeiten wirklich Teile des goldenen Kegelspiels gefunden? ©Roland Paulitsch
Hohenems. Sensationsfund auf Ruine Alt-Ems? Bei Renovierungsarbeiten am Pulverturm wurde ein kleines Schmuckstück gefunden, das aus der Zeit des 30-jährigen Krieges stammen soll. Es ist nicht der erste Goldfund auf dem Schlossberg. Form und Alter lassen allerdings Raum für Spekulationen - handelt es sich etwa um einen Teil des sagenumwobenen goldenen Kegelspiels? 

Seit Jahren wird die Burgruine in Hohenems Stück für Stück saniert. Hauptverantwortlich dafür ist Experte Stephan Moosbrugger. Dieses Jahr ist der sogenannte Pulverturm an der Reihe, der im 16. Jahrhundert zur Zeit der Schwedenkriege errichtet wurde.

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pu ©Foto: Roland Paulitsch

Vor wenigen Tagen begannen die Vorbereitungen, ein Gerüst wurde aufgestellt. Moosbrugger schildert: „Plötzlich sah ich etwas glänzen.“ Was er fand: Eine kleine goldene Kugel an einem Stiel.

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2016_a_004311 ©Bei Renovierungsarbeiten am sogenannten Pulverturm fand Stephan Moosbrugger das kleine Schmuckstück. Foto: Roland Paulitsch

Darauf kontaktierte er Anna Waibel, eine Hohenemser Goldschmiedin und Schmuckdesignerin. Nach einem ersten Blick war sie sich sicher: „Es ist Gold. Wahrscheinlich 21 Karat. Es könnte es dem 16. Oder 17. Jahrhundert stammen.“ Materialwert: rund 200 Euro. Sollte es das Kegelspiel sein: Unbezahlbar.

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2016_a_004320 ©Foto: Roland Paulitsch

Schon 2010 freuten sich die Verantwortlichen über einen ähnlichen Fund, erklärt Burgbaumeister Raimund Rhomberg. Er leitete die archäologischen Ausgrabungen vor sechs Jahren. „Damals haben wir einen Teil einer goldenen Gürtelschnalle gefunden, der von einer Ritterrüstung stammen könnte. Es war eine Sensation.“ Nicht nur das: Die Wissenschaftler stießen auch auf Fragmente von Handgranaten aus Ton, die ebenfalls aus dem 16. oder 17. Jahrhundert stammen.

In den 60er-Jahren grassierte in Hohenems schon einmal das Goldfieber. Damals machten sich Laien auf den Schlossberg, um nach Schätzen zu schürfen – schließlich soll das Kegelspiel kein reines Märchen sein. Sie fanden meist Geschirr und Vasen, mit etwas Glück auch Schmuck, aber kein Kegelspiel. Die Nachwirkungen der Schatzsucher sind dennoch enorm, ärgert sich Rhomberg: „Damals wurde alles umgegraben und Mauern freigelegt, ohne sie zu schützen.“ Vieles sei dadurch verwittert und mittlerweile zerstört.

Damit dies nicht mehr geschieht, renoviert der Verkehrsverein seit einigen Jahren mit Experten zusammen das Mauerwerk der Burg. Dieses Jahr ist eben der Pulverturm an der Reihe. Trotz des Fundes sollen die Arbeiten rasch starten. Expertin Anna Waibel will Mittels einer Untersuchung Namens „Strichprobe“ genaueres Herausfinden. Anschließend wird das goldene Fundstück Archäologen des Vorarlbergmuseums in Bregenz übergeben. Für Interessierte stellt Anna Waibel den Fund heute in ihrem Geschäft in der Hohenemser Marktstraße zur Schau.

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grabung ©Stephan Moosbrugger mit der Hohenemser Goldschmiedin Anna Waibel am Fundort. Foto: R. Paulitsch

“Ich zahl dir sehr viel: Mach mir ein Kegelspiel”

Die Sage vom goldenen Kegelspiel ist über das ganze Land bekannt. Jede Ortschaft mit einer Burg nimmt für sich in Anspruch, Heimat des Spiels zu sein. Die Burg Alt-Ems spielte im 30-jährigen Krieg eine besondere Rolle, weshalb es sich zumindest in Hohenems um mehr als ein Märchen handeln könnte.

Die Kurzfassung: Zur Zeit der Schwedenkriege lebten und herrschten in Hohenems sehr reiche Grafen. Sie ließen sich unzähligen Schmuck schmieden. Als immer noch Gold übrig war, ritt der Graf eines Morgens mit einem Goldklumpen bepackt nach Bregenz zum teuersten und besten Goldschmied und sagte:

„Das Glück ist mir gar hold
Da hast du von mir Gold.
Ich zahl dir sehr viel:
Mach mir ein Kegelspiel.“

Der Goldschmied ging an die Arbeit und fertigte neun schöne, verzierte Kegel und eine goldene Kugel an. Die Burgherren in Hohenems hatten große Freude daran, fast jeden Abend sollen sie gespielt haben.

Als im 30-jährigen Krieg die Schweden Richtung Vorarlberg zogen, brachten Vorarlbergs Ritter und Grafen ihre Schätze auf die stärkste Burg, die Burg Hohenbregenz auf dem Gebhardsberg. Auch die Emser Grafen. Nur das Kegelspiel wollte der Graf nicht in fremde Hände geben. Er vergrub es mit einem treuen Diener an einem geheimen Ort. Seitdem gilt das Spiel als verschwunden. Noch heute sollen in bestimmten Nächten, besonders zu hohen Festtagen, Grafen und Ritter aus ihren Gräbern steigen und sich mit dem Spiel vergnügen. Aber nicht immer mit Freude, und der Graf sagt manchmal traurig:

„Das Gold ist uns zerronnen,
der Schwede hat’s gewonnen.
Uns blieb, ach, nicht mehr viel!
Nur noch dies Kegelspiel!“

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April, April! Bei dieser Geschichte handelt es sich natürlich um einen Aprilscherz. Anna Waibel hat das kleine Goldstück extra für diesen kleinen Spaß angefertigt. “Es sind ein paar Leute vorbeigekommen, haben ins Schaufenster geschaut und reingerufen: ‘Ist es das?’“, sagte Waibel am Freitagabend.

Übrigens: Der Rest der Geschichte stimmt wirklich. Also die Tongranate, die Ausgrabungen, die Goldgräber, die Gürtelschnalle usw. Nur die Sage wird wohl Sage bleiben.

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