Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 VNVorarlberger Nachrichten Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

Götzis: Aktiv Fitness-Studio hat eine "Quotenregelung" für Türken

Götzis. - Einem jungen Mann wurde die Mitgliedschaft im Fitnessstudio versagt, weil er türkische Wurzeln hat. Die Begründung: Man wolle kein zweites Lustenau. Rechtlich in Ordnung ist das natürlich nicht. Von VOL.AT auf die schweren Vorwürfe angesprochen, will man sich von Seiten des Fitness-Studios dazu nicht äußern.
Zutritt zum Fitnessstudio verwehrt
NEU
"Kein Zutritt für Türken"
"Werden der Sache nachgehen"

Das Aktiv Fitnesscenter in Götzis scheint eine besondere Mitgliederpolitik zu betreiben. Vergangenen Mittwoch will Atalar T. dort ein Probetraining absolvieren. Als ihn die Chefin nach seiner Herkunft fragt, kommt ihm das zwar seltsam vor, der 21-Jährige antwortet aber wahrheitsgemäß im Vorarlberger Dialekt: „Ich habe die österreichische Staatsbürgerschaft“. Sie hakt nach: Woher er ursprünglich komme? „Ich bin türkischer Abstammung“, entgegnet Atalar. Dann die Bombe: „Tut mir leid, aber bei uns trainieren schon zehn Türken – und wir wollen nicht, dass das hier ein zweites Lustenau wird.“  Als sein guter Freund André M., selbst Kunde in dem Fitnessstudio, zu den beiden stößt, glaubt der zunächst an einen Scherz. Die Frau meint es aber ernst.

Bezahlung ein Jahr im Voraus

Am nächsten Tag kommt André wieder, im Schlepptau einen seiner Freunde, der ebenfalls Türke ist. Sie wollen ihren Vertrag kündigen. Die Chefin willigt der Vertragskündigung ein, überlegt es sich 24 Stunden später aber anders. Ihre ablehnende Haltung gegenüber türkischen Mitbürgern – auch wenn diese die österreichische Staatsbürgerschaft haben – begründest sie damit, dass der Vermieter nicht wolle, dass in dem Gebäude zu viele Türken trainieren. Außerdem würden „die Türken“ ohnehin nicht bezahlen. Sie zeigt den Männern einen Zettel mit Rückbuchungen und deutet mit dem Finger auf die türkischen Namen. Im konkreten Fall signalisiert sie aber Dialogbereitschaft: Für Atalar würde sie eine Ausnahme machen. Allerdings nur, wenn er im Voraus für das ganze Jahr bezahlt. So schildern Atalar und André im VOL.AT-Interview die Vorgänge.

Bis zu 1.000 Euro Schadensersatz

Als VOL.AT die Fitnessstudio-Chefin mit den schweren Vorwürfen konfrontiert, verweigert sie jegliche Auskunft und verweist uns des Feldes. Stimmt die Version von Atalar und André, befindet sich die Studiochefin jedenfalls im Unrecht, wie Florian Panthene von der Gleichbehandlungsanwaltschaft Österreich bestätigt. Das Gleichbehandlungsgesetz verbietet nämlich jegliche Diskriminierung auf Grund der Ethnie – oder auch des Geschlechts -, wenn es um den Zugang zu Gütern und Dienstleistungen geht, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Dazu zählt etwa der Zugang zu Diskos, Bars, Lokalen – und eben Fitnessstudios. Wird gegen diesen Grundsatz verstoßen, kann der Geschädigte auf Schadensersatz klagen. Die Strafen sind jedoch verhältnismäßig moderat: Bei Einlassverweigerung belaufen sich die Summen derzeit nur auf 500 bis 1.000 Euro.

Viele mit Entschuldigung zufrieden

Wer nicht gleich den Weg über die Gerichte gehen will, der kann sich an die Gleichbehandlungsanwaltschaft wenden. Die bemühe sich in einem ersten Schritt um eine außergerichtliche Lösung, erklärt Panthene. Dazu schreibt sie die andere Partei an und ersucht sie um Stellungnahme. In vielen Fällen ergebe sich dann schon eine für beide Seiten akzeptable Lösung. Denn die Geschädigten geben sich oft mit einer Entschuldigung zufrieden, manche fordern auch eine Spende an eine gemeinnützige Einrichtung oder NGO. Erst wenn das nicht gelingt, versucht man es mit einer Zivilklage.

Atalar strebt keine Zivilklage an

So weit will Atalar gar nicht gehen. Ohne Andrés Aufmunterung hätte er die Geschichte einfach auf sich beruhen lassen. Jetzt hofft er, dass sich durch seinen Gang an die Öffentlichkeit “etwas bewegt“. Und meint damit vor allem: In den Köpfen der Menschen. (MST)

Atalar und André im Interview


Hier geht’s zur Stellungnahme des Aktiv Fitness-Studio

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Götzis
  • Götzis: Aktiv Fitness-Studio hat eine "Quotenregelung" für Türken
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen