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Giftiger Fräsasphalt in Gaschurn: Erste Hinweise gab es bereits 2014

Die Gaschurner Kanalarbeiten waren bereits 2014 einigen suspekt.
Die Gaschurner Kanalarbeiten waren bereits 2014 einigen suspekt. ©Heimat/Reimann
Gaschurn - Bereits vor über einem Jahr gab es Hinweise, dass verunreinigter Fräsasphalt bei Kanalarbeiten verbaut wurde. Diese blieben jedoch damals ungehört.

Begonnen habe dürfte es 2012 mit dem Bau des neuen Bauhofs, im Zuge dessen wurde auch das Kanalnetz erneuert und erweitert. Im Sommer gab es dann die ersten Bedenken aus der Bevölkerung. Anrainer wunderten sich über die Art der Arbeiten. Denn solche Leitungen müssen unterlegt werden, um sie vor Druck und Erdbewegungen zu schützen. Dafür nimmt man gewöhnlicherweise Splitt und Sand – in Gaschurn war es jedoch Fräsasphalt.

Fräsasphalt kann giftig sein

Dieser ist, unbehandelt, toxisch. Durch ihn können Dioxin und ähnliche Stoffe ins Erdreich und ins Grundwasser gelangen. Dioxin ist selbst in kleinsten Mengen lebensbedrohlich, wenn es in Lebensmittel gelangt. Tatsächlich gibt es in der Nähe sogar Trinkwasserquellen, die jedoch (noch) nicht für die Trinkwasserversorgung der Gemeinde genutzt werden. Wenn er im Vorfeld behandelt wird, kann er jedoch als sogenannter Sekundärrohstoff im Bau verwendet werden. Auch auffällig: Als ein Gaschurner Bedenken geäußert habe, habe man bei dessen Hausanschluss statt Fräsasphalt gewöhnlichen Sand verwendet.

Fräsasphalt als Kanaleinbettung war bereits 2014 Thema. - Privat
Fräsasphalt als Kanaleinbettung war bereits 2014 Thema. - Privat ©Fräsasphalt als Kanaleinbettung war bereits 2014 Thema. – Privat

2014 keine Verdachtsmomente für Bezirkshauptmannschaft

Mitte 2014 war man bei den zuständigen Behörden noch sorglos. Da die Quelle nicht genutzt wird, handelt es sich um kein Quellschutzgebiet, daher gibt es keine besonderen Auflagen für den Kanalbau. Auch lag den Behörden das –  erst 2014 aktuell ausgestellte – notwendige Gutachten vor, dass die Unbedenklichkeit des Fräsasphalts bescheinigte. Von dem her schien alles seine Ordnung zu haben, es gab vonseiten der Bezirkshauptmannschaft keine Verdachtsmomente.

Vorgehen verwunderte beim Land

Gegenüber VOL.AT zeigten sich jedoch mehrere Landesbedienstete verwundert, dass zu diesen Arbeiten überhaupt Fräsasphalt verwendet wurde. Dieser soll vor allem Bodenunebenheiten ausgleichen und den Druck gleichmäßig verteilen. Es zur Bettung von Kanalrohre zu verwenden, sei zwar denkbar, jedoch zumindest ungewöhnlich. Schließlich dürfe Fräsasphalt nur im unbedingt notwendigen Ausmaß verwendet werden. Die Verwendung von – behandeltem – Fräsasphalt im Straßenbau ist an sich jedoch gang und gäbe.

Gaschurn wollte von Bedenken nichts hören

20150128_MIK_VN106
20150128_MIK_VN106 ©MiK

Über die Bedenken aus der Bevölkerung und den Fragen von VOL.AT war man damals nicht überall glücklich. Vonseiten der Gemeinde als Baubehörde wollte man sich damals nicht äußern. Man stelle hier einfach Behauptungen in den Raum, die er  gegenüber den Medien nicht kommentieren wolle, erklärte Bürgermeister Martin Netzer noch im Herbst 2014 gegenüber VOL.AT. Am Freitag war Netzer aufgrund eines Auslandsaufenthaltes auf Anfrage nicht erreichbar. Auch innerhalb der Gemeinde scheint es Druck gegeben zu haben. Informanten entschieden sich kurzfristig dazu, doch nicht an einer Berichterstattung interessiert zu sein, in Gaschurn schwieg man zu dem Thema.

Bezirkshauptmannschaft untersucht nun

Doch bei den Behörden wurde man inzwischen hellhörig. Wie am Freitag bekannt wurde, läuft nun bald zwei Jahre später ein Verfahren bei der Bezirkshauptmannschaft. Aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung sei man tätig geworden, bestätigt Bezirkshauptmann Johannes Nöbl. Gemeinsam mit dem Land werden nun die Hergänge untersucht. Tatsächlich wurden bei zwei von sechs Proben ein bedenklicher Schadstoffgehalt festgestellt – dieser Fräsasphalt hätte nicht verbaut werden dürfen. Weitere Proben werden noch untersucht, die Ergebnisse stehen noch aus.

Jäger-Bau zeigt sich unwissend

Die mit den Arbeiten betraute Firma Jäger-Bau betonte gegenüber den Vorarlberger Nachrichten darauf, dass man damals auf das Gutachten vertraut habe und keinerlei Bedenken gehabt habe. Man sei an einer Aufklärung interessiert und werde das mit Schadstoffen belastete Material austauschen. Nun stehen weitere Untersuchungen an – warum es dafür jedoch zwei Jahre brauchte und welche Rolle die Gemeinde dabei spielte, bleibt fraglich.

 

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