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Gesundheitspersonal hat wichtige Rolle bei Opferschutz

Erkennen von Fremdverletzungen, genaue Dokumentation gehört geschult
Erkennen von Fremdverletzungen, genaue Dokumentation gehört geschult ©APA/EVA MANHART
Das Gesundheitspersonal nimmt eine wichtige Rolle beim Schutz von Gewaltopfern ein. Das Erkennen von Verletzungen im Zuge von Fremdeinwirkung sowie die genaue Dokumentation der Blessuren gehöre geschult, sagte Expertinnen und Experten der Allgemeinen Unfallversicherung (AUVA) bei einer Pressekonferenz am Freitag in Wien. "Opferschutz beginnt oft im Krankenhaus", sagte etwa Medizinerin Irene Tambornino.

Oft seien die Frauen und Mädchen jahrelanger Gewalt ausgesetzt, ehe sie einen medizinischen Kontakt haben, meinte Tambornino, stellvertretende Ärztliche Direktorin bei der AUVA. Dabei seien Schulungen, um Gewalt zu erkennen und anzusprechen, so enorm wichtig, um die Opfer aus dieser Spirale herauszuholen. Neben der physischen und psychischen Versorgung sollte den Betroffenen weitere zusätzliche Hilfsangebote gemacht werden und ihnen gezeigt werden, dass sie nicht allein gelassen werden. "Wir müssen eine Kultur entwickeln, dass das angesprochen wird, dass das kein Tabu mehr ist", so die Medizinerin. Das Ansprechen eines Gewaltverdachts erfordere Einfühlungsvermögen und einen sensiblen Umgang mit den Betroffenen. Dafür arbeitet die AUVA mit Gewaltschutzeinrichtungen in den Ländern und Opferschutzgruppen anderer Träger zusammen, um Betroffenen nach medizinischer Versorgung weitere psychosoziale und rechtliche Unterstützung anbieten zu können.

Die AUVA will eine Führungsrolle in Österreich bei der Umsetzung derartiger Konzepte, um das Thema Gewalt zu enttabuisieren, und in Vorbildfunktion das Wissen auch an andere Einrichtungen weitergeben, meinte Roland Frank, Ärztlicher Direktor der AUVA. "Bei der Bekämpfung häuslicher Gewalt kommt es insbesondere darauf an, bei der Erstellung von Befunden so sorgfältig wie möglich zu arbeiten, Verletzungen bestmöglich zu beschreiben und zu dokumentieren und sich nicht unglaubwürdigen Ausreden über den vermeintlichen Unfallhergang der Verletzungen bei Frauen zufriedenzugeben", so Frank. Jüngere Kollegen, die noch nicht den Fokus auf Folgen - etwa dass eine Krankengeschichte im Bedarfsfall als Beweis für Polizei und Justiz herangezogen werden kann - haben, werden von älteren Medizinern bei der Befunderstellung geschult. Eine Prellmarke mit Fingerabdrücken auf der Wange können etwa nicht von einem Sturz herrühren, betonte Frank. Die Krankenakte ist für 30 Jahre gespeichert. Derzeit gebe es Gespräche mit der Gesellschaft der Gutachterärztinnen und -ärzte sowie dem Justizministerium, um die Art der Dokumentation - Befund, Röntgenbilder oder etwa Fotos der Verletzungen - in ganz Österreich zu etablieren. "Das ist österreichweit zu schärfen", sagte Frank.

Bei Verdacht auf Tod durch Gewaltausübung, schwere Körperverletzungen bzw. Vergewaltigung, bzw. wenn Kinder oder noch nicht handlungsfähige Personen betroffen sind, erstattet das Krankenhaus automatisch Anzeige bei der Polizei. Bei leichten Verletzungen ist das allerdings nicht vorgesehen. Da müsste die betroffene Frau selbst die Behörden einschalten, was oft nicht der Fall ist. "Würgemale werden etwa als leichte Verletzungen gewertet. Aber man darf nicht vergessen, dass das lebensbedrohlich sein kann", machte Tambornino aufmerksam.

Die AUVA, die sich der heute startenden UN-Kampagne "16 Tage gegen Gewalt an Frauen" bzw. "Orange the world" anschließt, sieht sich als Rechtsträger von Unfallspitälern an 365 Tagen im Jahr mit dem Thema konfrontiert. "Wir haben das sieben Mal 24 Stunden", sagte der stellvertretende Generaldirektor der AUVA. "Unfallspitäler sind hier gewissermaßen Kristallisationspunkte."

(S E R V I C E - Informationen zur Kampagne unter , in Österreich finden Frauen, die Gewalt erleben, Hilfe und Informationen bei der Frauen-Helpline unter: 0800-222-555 (kostenlos und rund um die Uhr), ; beim Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) unter ; der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie: und beim 24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien: 01-71719 sowie beim Frauenhaus-Notruf unter 057722)

(APA)

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