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Gestatten, Großvater Sausgruber

Alt-Landeshauptmann Herbert Sausgruber im Gespräch.
Alt-Landeshauptmann Herbert Sausgruber im Gespräch. ©MiK
WANN & WO traf den Alt-Landeshauptmann Herbert Sausgruber und sprach mit ihm über Lebensmottos, den Rückzug aus der Politik und die Relevanz der Familie in seinem bewegten Leben.

WANN & WO: Was macht Herbert Sausgruber momentan?

Herbert Sausgruber: Ich habe weder politische Funktionen, noch bin ich als Aufsichtsrat tätig. Meine Hauptaufgabe liegt im Moment im Rahmen der Familie – Opa, hauptsächlich. Außerdem bin ich Obmann des Unterstützer-Vereins von Pater Georg Sporschill, der in Siebenbürgen (Rumänien) in drei Dörfern versucht, für Roma-Familien menschenwürdige Lebensverhältnisse zu schaffen.

WANN & WO: Wo ist Ihr Rückzugsort? Wo tanken Sie Kraft?

Herbert Sausgruber: Definitiv bei der Familie. Hier hat man die Möglichkeit aufzutanken. In einem gewissen Umfang auch in der Natur, am See oder in den Bergen, auf Reisen oder in der Kunst.

WANN & WO: Inwiefern trifft die Redensart „Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau“ auf Sie zu?

Herbert Sausgruber: In dieser Form habe ich das zwar noch nie gehört (lacht), aber sie trifft auf jeden Fall zu. Meine Frau Ilga hat mich immer unterstützt, durch sie kann ich immer neue Kraft gewinnen.

Wann & Wo: Die Familie scheint Ihnen sehr wichtig zu sein. Haben Sie viel Kontakt zu Ihren Kindern und auch Enkelkindern?

Herbert Sausgruber: Zwei meiner Kinder wohnen in Höchst, einer in der direkten Nachbarschaft, der Jüngste in Rankweil. Alle fünf Enkel leben hier in Höchst. Das ist ein Glücksfall, den man nicht selbst beeinflussen kann – ich bin aber sehr dankbar dafür.

WANN & WO: Wie haben Sie ­Politik-Karriere und Familie unter einen Hut gebracht?

Herbert Sausgruber: Als Politiker ist man tagsüber im Büro und auf Pressekonferenzen, abends sowie am Wochenende auf Veranstaltungen. Das stellt natürlich die Partnerschaft selbst auf eine harte Probe. Hinzu kommt, dass die Kindererziehung zum größten Teil die Leistung meiner Frau war. In dieser Hinsicht kam ihr die „Hauptlast“ zu.

WANN & WO: Hat ihre Frau zu Hause also das Sagen?

Herbert Sausgruber: Absolut! Und das ist auch in Ordnung so (lacht).

WANN & WO: Im Jahr 1970 wurden Sie in Innsbruck zum Doktor der Rechte promoviert. Kam eine juristische Laufbahn für Sie nicht in Frage?

Herbert Sausgruber: Natürlich habe ich daran gedacht, Rechtsanwalt zu werden. Ich war auch in der Landesverwaltung als Jurist tätig. Außerdem habe ich zuerst Theologie studiert. Es wäre also einiges in Frage gekommen.

WANN & WO: War es ihr Traum, einmal Landeshautpmann zu ­werden?

Herbert Sausgruber: Nein, als Kind wollte ich Lokomotivführer werden.

WANN & WO: Sahen Sie Ihren Traumberuf also nicht in der Politik?

Herbert Sausgruber: Nein, nicht wirklich. Ich habe mich zwar schon im Jugendalter für die ­Politik interessiert, war auch Mitglied bei der JVP und der Mittelschul-­Studentenverbindung, aber ich hatte nicht direkt das Ansinnen, politisch aktiv zu werden. Zur Politik bin ich gekommen, weil der frühere Höchster Bürgermeister Franz Grabherr in den 70er-Jahren zu uns in die Küche kam und sagte, er bräuchte einen Juristen auf der Liste. Und zudem könne ich so der Gemeinschaft etwas Gutes tun. Ich habe mir gedacht, das ist zeitlich befristet – so hat das seinen Weg genommen. Und das zeitlich befris­tet war gestorben (lacht).

WANN & WO: Sie waren mehr als 30 Jahre in der Politik. Welche Eigenschaften braucht ein guter ­Politiker Ihrer Meinung nach?

Herbert Sausgruber: Die beiden Hauptkomponenten sind Menschenfreundlichkeit und Kompetenz. Ein integrer Charakter sollte vorauszusetzen sein.

WANN & WO: Ihr Ziel war es, jedem Vorarlberger die Hand zu schütteln. Haben Sie das erreicht?

Herbert Sausgruber: Ich mache jeden Tag Fortschritte (lacht). Mir begegnen immer wieder Personen, die zu mir kommen und sagen: ‚Ich war schon bei Ihnen im Büro. Wissen Sie das noch?

WANN & WO: Was waren prägende Erlebnisse während ihrer politischen Karriere?

Herbert Sausgruber: Eindrucksvolle Erlebnisse waren speziell die, in denen man Menschen in Ausnahmesituationen begegnet ist. In einem Bergland wie Vorarlberg kommt es hin und wieder zu Naturkatastrophen, wie das vor zehn Jahren der Fall war. In Au ist ein Unternehmer zu mir gekommen und hat gemeint, er müsse zusperren, weil er nicht einmal mehr die Maschinen zum Laufen gebracht hat. Oder in Lech bin ich nach dem Hochwasser zu einem Hotelier gekommen – es sah aus, wie nach einem Bombenanschlag. Er hatte groß investiert – mehrere Millionen. Männer trugen gerade die Trümmer eines Tisches aus der Gaststube, er sagte zu mir: „Die Rechnung für diesen Tisch habe ich noch nicht bezahlt.“ Diese Menschen wussten nicht, wie es weitergehen soll. In diesen Situationen hat man gespürt, wenn man sich engagiert und das Land intakt ist, kann man Menschen in Extrem-Situationen helfen.

WANN & WO: Sie erklärten nach der Wahl 2009 stets, die ganze Legislaturperiode durch zu dienen – vorbehaltlich der Gesundheit. War das der Grund für den Rücktritt 2011?

Herbert Sausgruber: Ich wusste natürlich schon bei Antritt der Periode um mein Alter Bescheid und dass man nicht jünger wird, ist auch klar. Meine Probleme mit dem Gehör schritten schneller voran, als ursprünglich gedacht. Zudem dauert ein „Landeshautpmann-Tag“ oft 16 Stunden. Diese sollte man nicht nur durchstehen, sondern bis zum letzten Anliegen voll konzentriert durch arbeiten. Das hat gegen Ende beachtlich nachgelassen. Die Tatsache, dass ich schon einen Nachfolger im Auge hatte, hat die Entscheidung erleichtert.

WANN & WO: Wenn Sie Markus Wallner treffen, worüber reden Sie? Über Familie oder Politik?

Herbert Sausgruber: Beides. Aber über Politik nur dann, wenn er eine Frage stellt. Außer ich habe ein sehr dringendes Anliegen (lacht).

WANN & WO: Geben Sie ihm Tipps?

Herbert Sausgruber: Nur, wenn ich gefragt werde – mit ganz wenigen Ausnahmen. Ich halte mich mit gutem Grund aus der aktuellen Tagespolitik zurück.

WANN & WO: Welche Ursache hat das?

Herbert Sausgruber: Eine Führungskraft muss die Entscheidungen treffen. Ich halte nichts davon, wenn Vorgänger aus dem Hintergrund öffentliche Ratschläge erteilen. Das ist meiner Meinung nach nicht konstruktiv. Nicht nur auf Vorarlberg bezogen, auch in der großräumigen Politik und in Unternehmen. Wer die Führung hat, dem ist die Verantwortung übergeben.

WANN & WO: Gibt es etwas aus Ihrer politischen Karriere, auf das Sie besonders stolz sind?

Herbert Sausgruber: Ja. Die Verankerung der Familie sowie der Behindertenhilfe in der Verfassung. Zudem ist es uns gelungen, bei der Wirtschaftskrise die Jugendarbeitslosigkeit sehr gering zu halten. Auch auf die Lehrlingsförderung sowie den Illwerke Erwerb bin ich stolz.

WANN & WO: Haben Sie den Gang in die Politik nie bereut?

Herbert Sausgruber: Überhaupt nicht. Man braucht klare Vorstellungen und muss wissen was man will – auch langfristig gesehen.

WANN & WO: Ihre Reden wurden oft als trocken und emotionslos kritisiert. Bringt Sie auch etwas zur Weißglut?

Herbert Sausgruber: Natürlich gibt es das, in der Politik und auch außerhalb. Was ich nicht mag, sind „Gschiedele, die dumm sind“. Das gibt es immer wieder, Leute die meinen, sie sind schlau und in Wahrheit egoistisch – der Typ von Mensch macht mich „butzvarruckt“. Gerade auch, wenn er höhere Ämter inne hat. Dort bin ich gelegentlich auch ‚ausgezuckt‘.

WANN & WO: Sind Sie ein Gipfelstürmer oder leben Sie nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“?

Herbert Sausgruber: Ich gehe zielstrebig meinen Weg.

 

Herbert Sausgruber

Alter: 68
Familie: Ehe mit Ilga Sausgruber, drei Kinder, fünf Enkel
Wohnort: Höchst

Politische Laufbahn:

• 1975 Gemeindevertretung Höchst
• 1981 bis 1989 Klubobmann der ÖVP Vorarlberg
• 1989: Landesrat für Inneres, später für Verkehr, Wohnbauförderung und Finanzen
• 1997 bis 2011 Landeshauptmann

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