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Gestatten, Grabher, nicht "Grab her"

Lorne Grabher steht zu seinem Familiennamen. In seiner Heimat Kanada bekam er damit Probleme.
Lorne Grabher steht zu seinem Familiennamen. In seiner Heimat Kanada bekam er damit Probleme. ©Grabher
Lustenau - "Grab her", auf Deutsch "Pack sie". Ohne in einen entsprechenden Zusammenhang gesetzt eine ganz und gar missverständliche Aufforderung verwerflicher Natur. Aber was, wenn in Kanada einer nur einfach Grabher heißt, stolz auf diesen Namen ist und sich erlaubt, seinen Familiennamen gesetzeskonform als Wunschkennzeichen fürs Auto auszusuchen?
Grabher und sein Kennzeichen


Dann kann er seine blauen Wunder erleben, wie die VN in ihrer Dienstag-Ausgabe berichtet.

Genau das passierte einem gewissen Lorne Grabher aus der 90.000-Einwohner-Stadt Dartmouth in der kanadischen Provinz Nova Scotia an der Ostküste des riesigen Landes. Grabher, dessen Vorfahren aus Lustenau stammen, schaffte sich bereits im Jahre 1991 ein Autowunschkennzeichen an. Dieses lautete „Grabher“. Der heutige Rentner tat dies damals, „weil ich meinem Vater zu seinem 65. Geburtstag damit ein Geschenk machen wollte“. Nach 25 Jahren mit dem Wunschkennzeichen flatterte vergangenen Dezember ins Haus Grabher ein Behördenbrief.

Darin wurde Lorne Grabher mittgeiteilt, dass sein Autokennzeichen ab Jänner nicht mehr gültig sei. Begründung: Man könne von der Öffentichkeit nicht verlangen, dass sie den Namen Grabher mit seinem Familiennamen verbinde. Der Begriff Grabher könne falsch interpretiert und für eine gesellschaftlich untragbare Aufforderung gehalten werden.

Schlag ins Gesicht

„Ich war völlig perplex. Wie kannst du meinen Namen für eine Aufforderung halten, wenn er es nicht ist?“, erklärte der Rentner gegenüber CBC News. Die Geschichte ist seit vergangener Woche Thema in allen wichtigen Medien Kanadas und hat mittlerweile eine politische Diskussion ausgelöst. „Woher nimmt die Provinz von Nova Scotia das Recht, einen Namen zu diskriminieren?“, fragt sich der kanadische Staatsbürger. Noch mehr beleidigt fühlte sich Grabher durch eine vom Sprecher der Verkehrsabteilung an CBC News verschickte Mail. Inhalt: „Es erreichte uns eine Beschwerde mit der Erklärung, wie mehrere Personen den Namen als frauenfeindlich und Ermunterung zur Anwendung von Gewalt gegen Frauen interpretieren.“ Ein Schlag ins Gesicht für die Familie Grabher, die immer stolz auf ihren Namen und ihre Herkunft war.

Ein Interview mit dem Direktor für Straßensicherheit und Autozulassung wurde CBC verweigert. „Noch niemals hat mir irgendjemand gesagt, er fühle sich durch das Autokennzeichen beleidigt. Wenn ich ihnen bestätigte, dass es sich beim Begriff Grabher um meinen Familiennamen handelte, kicherten sie stets“, betont der rüstige Pensionist.

Medien-Hype

Neben CBC berichten unter anderem auch die Huffington Post, der Toronto Star, The Telegraph sowie digitale Medien über die „Causa Grabher“. Im Netz wird das Verbot des Wunschkennzeichens heiß diskutiert. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang: Lornes Sohn Troy hat in der Provinz Alberta dasselbe Kennzeichen an seinem Auto. Er fürchtet, dass dieses auch ihm bald verboten wird.

Grabher bekommt mittlerweile Unterstützung von verschiedenster Seite. Dazu gehört auch der in Kanada prominente Anwalt Walter Thompson. Dieser spricht von einer „dummen Entscheidung, ein Autokennzeichen mit dem Familiennamen eines Bürgers entfernen zu wollen“. Er verlangt von der Regierung „mit dieser Art Verbeugung vor der politischen Korrektheit aufzuhören. Sie haben Rückgrat vermissen lassen“, kritisiert der Advokat, der sich sehr für Bürgerfreiheiten interessiert. Beobachter glauben, dass die strikte Vorgangsweise der Behörden eine kanadische Reaktion auf frauenfeindliche Sprüche von US-Präsident Donald Trump ist.

Dazu Grabher: „Donald Trump ist ein völlig anderer Typ als ich. Er ist ein Ignorant. Ihm sind alle egal, und ich sollte nicht auf dieselbe Stufe mit ihm gestellt werden.“

Bald nach Lustenau?

Einen kommunikativen Nebenaspekt hat die Autokennzeichen-Affäre allemal. Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer (53) nahm mit Lorne Grabher in Kanada Kontakt auf. Dieser zeigte sich begeistert. Der Vorarlberg-Kanadier will den Vorfall zum Anlass nehmen, seine Familiengeschichte exakt zu erforschen. „Wir möchten gern nach Lustenau kommen. Rechnen Sie damit, dass wir eines Tages an Ihre Tür klopfen. Wir würden es sehr zu schätzen wissen, sollten Sie uns bei unserer Ahnenforschung unterstützen.“

Lesen Sie die aktuelle Ausgabe der Vorarlberger Nachrichten online auf VN.AT.

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