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Gerulf Lenz - mein Leben in der DDR

Gerulf Lenz erklärt die DDR - Fahne
Gerulf Lenz erklärt die DDR - Fahne ©hpschuler
Dass ein 69jähriger Mann mit den Tränen ring, wenn er von bedeutenden Ereignissen aus seiner Lebensgeschichte erzählt, vermag zu verdeutlichen, wie eindrücklich prägend und  einschneidend die Ereignisse für ihn waren, die er an die Schülerinnen und Schüler der sechsten bis achten ...
Gerulf Lenz - mein Leben in der DDR

Klassen des Gymnasiums Feldkirch weitergab.

Doktor Gerulf Lenz wurde im Jänner 1943 in Dresden geboren, im Mai desselben Jahres ist sein Vater in Russland gefallen – er hat seinen Sohn ein einziges Mal gesehen. Erst im Jahr 2010 konnte die Familie Lenz das Grab des Vaters bei St. Petersburg ausfindig machen und besuchen.

Wenige Wochen vor der katastrophalen Bombardierung Dresdens zog die Familie nach Greiz in Thüringen. Das Wohnhaus in Dresden wurde beim Angriff zerstört. Im Alter von sechs Jahren erlebte er die Gründung der BRD und der DDR sowie später die spannungsgeladene Entwicklung der beiden deutschen Staaten.

In sehr lebendigen Ausführungen schilderte der Referent die Art und Weise, wie er sich mit dem Leben in der DDR abfand, wie es ihm gelang, sich mit dem Mangel im planwirtschaftlich heruntergewirtschafteten Land zu arrangieren, wie es ihn freute, wenn er den Staat wieder einmal “bescheißen” konnte. Dabei ging es unter anderem um politische Witze, den Bau einer Antenne zum Empfang von Fernsehprogrammen aus dem Westen, den Autokauf mit 10 Jahre Wartezeit, das Schmieren mit Westgeld oder das Privileg eines Telefons.

Besonders nahe gegangen ist Gerulf Lenz die Enttäuschung, als sich ein Freund als Stasi-Mitarbeiter outete sowie die permanente Benachteiligung im DDR-System, weil er nie Mitglied der SED war (” …bis heute bin ich deswegen voll bis zum Kragen”) Als erfolgreicher Radsporttrainer durfte er deshalb beispielsweise nicht U18-Nationaltrainer werden.

Fast zu Tränen gerührt war er, als er von den sich überschlagenden Ereignissen rund um den Mauerfall 1989 – er selbst konnte erst 1987 unter Androhung des Arbeitsplatzverlustes für drei Tage Verwandte in Bayern besuchen – die Öffnung der Grenzen und die wiedergewonnene Freiheit erzählte. Tosender Applaus war der verdiente Lohn. Viele Schüler hätten noch gerne mehr als die zwei Stunden zugehört. Wann hat man schon die Möglichkeit, einem solch kompetenten Zeitzeugen zuzuhören?

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