Gerichtspsychiater Haller schrieb Buch über "Das ganz normale Böse"

Schwarzach - "Die bösesten Taten sind jene, die genau geplant, mit eiskalter Berechnung durchgeführt werden und auf einen qualvollen Tod des Opfers zielen" - Gerichtspsychiater Reinhard Haller, bekannt durch Gutachten über Sexualmörder Jack Unterweger oder Bombenbastler Franz Fuchs, hat seine Erfahrungen mit grausamen Verbrechern in einem Buch zusammengefasst.

219 Seiten lang macht er sich in “Das ganz normale Böse” anhand von mehr als 300 nur schwer begreifbaren Tötungsdelikten auf die Suche nach Hintergründen, die Menschen zu bestialischen Gewalttaten treiben. Eine einfache, alles erklärende Antwort auf diese Frage gibt er freilich nicht. Sein Fazit im letzten von 15 Kapiteln: “Das Böse ändert sein Gesicht und zeigt sich in immer neuer Form, sein Potenzial ist aber unerschöpflich.”

Auf einer wissenschaftlichen Metaebene geht Haller in jedem Abschnitt Grundfragen wie der nach dem “bösen Gefühl”, der “bösen Lust” oder dem “Sitz des Bösen im Gehirn” nach. Eingegangen wird dabei auf biologische sowie theologische Erklärungen, Genforschung und natürlich die Psychiatrie.

Seine Überlegungen zu und Zusammenfassungen von bereits erforschten Erkenntnissen über die “Wurzel des Bösen” spickt der Gutachter mit detailreichen Schilderungen der erschütterndsten Kriminalfälle weltweit. Er nimmt den Leser dabei auch mit ins Gefängnis oder den Gerichtssaal und schildert seine persönlichen Eindrücke: “Fast immer aber war ich erstaunt, wie normal die Begegnung mit Menschen, die man als Mörder bezeichnet, verlaufen.”

Durch seine akribischen Schilderungen der blutigen Vorgangsweise von Verbrechern gibt er vor allem einen Einblick in Geschehnisse am Tatort. In starkem Kontrast zu seinen grundsätzlichen Überlegungen zum “Bösen” steht dabei die von Haller benutzte, teilweise fast blumige Sprache, wenn er zum Beispiel einen brutalen Mord an acht Krankenschwestern mit dem Satz “Ein milder Sommerabend lag am 13. Juli 1966 über Chicago” beginnt.

Die Rede ist in dem Buch auch von historischen Aspekten, wie den Hexenverfolgungen und literarischen Vergleichen, zum Beispiel anhand von Goethes Faust-Erzählungen. Haller erstellt auch ein Psychogramm berüchtigter Figuren der Geschichte wie Josef Stalin, dem er paranoide Charakterzüge attestiert, oder Adolf Hitler, den man nach heutiger Diagnostik als geisteskranken Soziopathen sehen würde.

Im letzten Kapitel “Das Böse geht weiter” gibt Haller einen beunruhigenden Ausblick: Anhand von Pressemeldungen vom August beleuchtet er Fälle von Internet-Mobbing bis zum Bombenterror, die alleine innerhalb eines Monats öffentlich bekanntwurden. Haller: “Das Böse geht weiter, in unverminderter Härte, in vielfältiger Grausamkeit, in nicht enden wollendem Umfang.”

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