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Gerhard Blum: Eine Lohnerhöhung muss in die Taschen der Mitarbeiter fließen

Die Vorarlberger Industrie-Betriebe sind Export-Weltmeister, die sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Der Geschäftsführer der Blum Gruppe, Gerhard Blum, forderte in seiner sachlich-direkten Art im Rahmen des VN Top 100-Events entsprechende Reformen und Unterstützung von Kanzler Christian Kern und LH Markus Wallner ein.

Die Wichtigkeit der Industrie als Wirtschaftsmotor, Arbeitgeber und Ausbildungsstätte ist unbestritten. Jeder dritte Vorarlberger arbeitet in einem – vornehmlich vom Export abhängigen – Industriebetrieb. Dabei sticht ein Unternehmen Jahr für Jahr heraus, wenn es um die Zahl der beschäftigten Mitarbeiter in Vorarlberg geht. Die Blum Gruppe rangiert bei den Beschäftigungszahlen – praktisch uneinholbar – einsam an der Spitze. Im Rahmen der VN Top 100 wird die Blum Gruppe daher auch seit Jahren als größter Arbeitgeber des Landes ausgezeichnet. So auch am Mittwochabend in den beeindruckenden Hallen des Liebherr Werks in Nenzing, wo Geschäftsführer Gerhard Blum die Auszeichnung entgegennahm.

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Blum: Größter Lehrlingsausbilder in Vorarlberg

Die Wirtschaftskennzahlen des familiengeführten Unternehmens aus Höchst sind imposant: Rund 5.800 Menschen beschäftigt der “Global Player” aus Höchst in Vorarlberg. Alleine im vergangenen Jahr hat die Blum Gruppe 400 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen und einen Umsatz von rund 1,7 Milliarden Euro erwirtschaftet. Nur die ebenfalls international agierenden Unternehmen Hilti AG (4,6 Mrd.) und die Alpla Werke GmbH & CoKG (3,25 Mrd.) überflügeln beim Umsatz das auf die Herstellung von Möbelfunktionsbeschlägen spezialisierte Unternehmen. Zudem wurden rund 177 Millionen in Entwicklung und Forschung investiert. Doch damit nicht genug:  Blum ist Weltmarktführer im Beschlägebereich und bildet aktuell 306 Jugendliche aus. Somit ist Blum auch der größte Lehrlingsausbilder des Landes – noch vor Spar mit 200 Lehrlingen.

Blum nimmt die Politik in die Verantwortung

Im Beisein von Bundeskanzler Christian Kern und Landeshauptmann Markus Wallner ergriff Gerhard Blum beim Top 100-Event die Gelegenheit um die politischen Akteure in die Verantwortung zu nehmen. Vor Spitzenvertretern der heimischen Industrie und Politik forderte Blum auch dringend notwendige Reformen ein, damit der Wirtschaftsstandort auch in Zukunft gesichert werden kann.

1. Gerhard Blum über die EU, den Brexit und “Populismus”

Ein Plädoyer für Europa: Der Brexit müsse laut Blum als Weckruf verstanden werden um die Union zu stärken und nicht durch leichtfertige Aussagen zu schwächen. Auch der Firma Blum macht die Währungsabwertung zu schaffen und bei den Kunden sei die Unsicherheit spürbar. “Wenn Europa nicht in der Lage ist stärker aufzutreten, dann sind wir niemals ein gleichwertiger Partner gegenüber den USA und China. Jenen, die die EU kleinreden sei offensichtlich nicht bewusst, was sie damit wirklich anrichten. “Mir geht es um die zukünftigen Generationen, es geht nicht um mich. Ich werde das vielleicht nicht mehr erleben.” Wie Blum konstatiert, führe ein Rückschritt in die Nationalstaatlichkeit Europa unweigerlich in die Bedeutungslosigkeit. “Das heißt, dass ein Binnenmarkt wie Österreich keine Bedeutung mehr hat in der Welt. Wir brauchen offen Grenzen für die Wirtschaft. In Vorarlberg hängen mehr als die Hälfte aller Industriearbeitsplätze an der Exportwirtschaft.”

2. Gerhard Blum über die “Kalte Progression”

Beim Thema “Kalte Progression” richtete Blum eine klare Bitte an Bundeskanzler Christian Kern: “Der Mittelstand sollte gestärkt werden. Eine Lohnerhöhung muss in die Taschen der Mitarbeiter gehen und nicht überproportional in der Staatskasse landen.”

Landeshauptmann Markus Wallner stimmt Blum in einer Aussendung zu. “Die ‘Kalte Progression’ gehört beseitigt und zwar für alle Tarifstufen. Damit kann üer Jahre hinweg eine nachhaltige Entlastung sichergestellt werden, die den Arbeitnehmern zugutekommt. Das ist der nächste logische Schritt nach der Steuerreform.”

3. Gerhard Blum zu den Themen Bildung, Lehrlinge und Jugend

Handlungsbedarf ortet Blum – bezugnehmend auf den Plan A von Bundeskanzler Christian Kern – in Sachen Lehrlingsausbildung. “Das ist viel zu wenig. “Es muss uns gelingen die Lehrlingsausbildung als zusätzlichen wertvollen Ausbildungsweg – neben der schulischen und akademischen – zu etablieren.” Das derzeitige Bildungssystem sei eine reine Katastrophe. “Wir haben von den Grundschulabsolventen derzeit 20 Prozent, die nicht sinnerfassend lesen und rechnen können. Diese 20 Prozent fehlen uns. Wenn es in Richtung Bildung geht, haben Sie in Vorarlberg von der Industrie jede Unterstützung.”

4. Gerhard Blum über die Standort-Problematik in Vorarlberg: “Ölz tut mir leid!”

Die Diskussion um Industrie-Standorte in Vorarlberg macht selbst Blum sprachlos: Dass die Natur – nach den Aussagen der Naturschutzanwältin (Katharina Lins, Anm. d. Red.) – wichtiger als Arbeitsplätze seien stößt bei Gerhard Blum auf Unverständnis. “Ich weiß nicht, wo die Leute arbeiten, aber offensichtlich im geschützten Bereich.” Ohne Wirtschaftswachstum könne es laut Blum in Vorarlberg nicht funktionieren. “Hier ist die Landesregierung gefordert – gemeinsam mit den Gemeinden – in Vorarlberg Flächen zur Verfügung zu stellen.” Ohne Planungssicherheit könne die Wirtschaft in Vorarlberg nicht funktionieren. Seine klare Forderung an LH Markus Wallner und die Vorarlberger Landesregierung: “Hier muss schnell und verbindlich gehandelt werden. Das kann es doch einfach nicht sein”, hält Gerhard Blum abschließend fest. (VOL.AT)

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