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"Gerechte Welt braucht Regeln" - Club of Rome-Mitglied Radermacher in Feldkirch

©Prof. Dr. Dr. Radermacher sprach über den Plan für eine gerechtere Welt- Arbeiterkammer Vorarlberg
Eine zukunftsfähige menschliche Gesellschaft brauche weltweite Regeln, einen regulierten Finanzsektor, soziale Ausgeglichenheit und Umweltschutz. Das wollen die ökosoziale Marktwirtschaft und Professor Franz Josef Radermacher erreichen. Der Ökonom sprach Dienstagabend in der Arbeiterkammer Feldkirch über die Vermögensverteilung, Rinder und unfreie freie Märkte.

Franz Josef Radermacher ist Professor für Informatik an der Universität Ulm, befasst sich mit künstlicher Intelligenz, ist promovierter Mathematiker und Mitglied des Club of Rome, der durch seine Studie “die Grenzen des Wachstums” bekannt wurde. Radermacher präsentierte in der Arbeiterkammer in Feldkirch seine Handlungsanleitung für eine gerechtere und zukunftsfähige Welt. Der mitgeschnittene Vortrag wird in einigen Tagen auf dem Youtube-Kanal der Arbeiterkammer zu sehen sein.

Der Mensch und die Natur

Auf der Erde leben heute 1,4 Milliarden Rinder, deren Masse doppelt so groß sei wie die aller Menschen. Nach dieser Feststellung fragt Radermacher: “Wie groß ist die Masse aller Säugetiere, die nicht Menschen sind oder vom Menschen genutzt – also gegessen, verarbeitet oder als Haustiere gehalten werden?” Die Antwort: Fünf Prozent. 95 Prozent aller Säugetiere würden existieren, weil sie dem Menschen dienen. Es gebe eigentlich nur noch vom Menschen gestaltete Natur auf der Erde.

Ist die Erde voll?

“Heute leben sieben Milliarden Menschen auf der Erde und wir sagen, die Erde ist voll”, sagte Professor Radermacher, und verwies dann in die Vorgeschichte. Man müsse sich vor Augen halten, wie die Situation vor 10.000 Jahren gewesen ist.

Damals lebten 20 Millionen Menschen auf der Erde. Viel weniger als heute, trotzdem war die Erde voll. Denn es gab nur Platz für 20 Millionen Jäger und Sammler. Dank unserer modernen Landwirtschaft produzieren wir heutzutage Lebensmittel, die 13 Milliarden Menschen ernähren könnten. Doch die Hälfte davon wird laut Radermacher von Turbokühen verspeist, die jeweils 14.000 Liter Milch im Jahr produzieren sollen. Vor allem für den Menschen genießbares Mais und Soja werde verfüttert. “Wieso nehmen wir den Umweg über die Milch und haben so viele Hungernde?

Der Mensch hat die Kuh zum erfolgreichsten Säugetier gemacht - DPA
Der Mensch hat die Kuh zum erfolgreichsten Säugetier gemacht - DPA ©Der Mensch hat das Rind zum erfolgreichsten Säugetier gemacht – DPA

Problem: ungleiche Kaufkraftverteilung

“Rund drei Milliarden Menschen stehen weniger als 2 Dollar pro Tag zu Verfügung. Sie können sich keine Nahrungsmittel leisten. Andere Menschen in den reichen Ländern haben hingegen so viel Geld, dass sie die paar Dollar mehr, welche die Milch kostet, ganz leicht bezahlen können“, referiert Radermacher über ein Problem, das er die ungleiche Kaufkraftverteilung nannte.

Dafür hat er eine Lösung, den Global Marshall-Plan. Der sieht 100 Milliarden zusätzliche Entwicklungshilfe vor. Der Mathematiker hat errechnet, dass mit dieser Summe die Schulbildung jedes Kindes gewährleistet werden könnte. Als Gegenleistung sollen die Entwicklungsländer sich zur Einhaltung von sozialen und ökologischen Mindeststandards verpflichten.

Gerechte Welt oder Zwei-Klassen-Gesellschaft

„Aber das ist ja Umverteilung“, meckert Radermacher. Dann klärt er auf, dass dies die Position von “neoliberalen Marktfundamentalisten” sei, er selber sehe Entwicklungshilfe als Zurückverteilung. Aus seiner Sicht hat sich der Westen lange auf Kosten der armen Länder bereichert. Doch selbst mit dieser Verteilung würde der Reichtum im Westen zunehmen, nur nicht um den gleichen Faktor wie in den armen Ländern.

“Eine gerechtere Welt ist möglich, doch dafür müssen wir der Globalisierung Regeln geben”, stellt Radermacher fest. Er meint, dass im Moment nicht wir als Gesellschaft die Regeln vorgeben, sondern einige Eliten. Die Chance auf eine gerechte Welt im Jahr 2050 schätzt er auf 35 Prozent, viel wahrscheinlicher sei eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in der wenige Reiche alles und viele Arme gar nichts hätten.

Die doppelte Lüge des freien Markts

Der freie Markt ist laut dem Ökonomen Radermacher eine doppelte Lüge. Laut Radermacher ist der Markt ist nicht frei, sondern unterliegt Machtverhältnissen, den “Terms of Trade”. Der Mächtigere diktiere seine Bedingungen und sein Gegenüber habe oft gar keine große Wahl. Entweder er akzeptiere die Bedingungen oder scheide aus dem freien Markt aus. Zum anderen meint Radermacher, dass uns der Markt nicht frei macht, sondern im Sinn von einigen Eliten funktioniert. Radermacher erklärte das “Wrapping”, wobei Finanzvermögen neu verpackt wird, um Steuern zu sparen.

Beim weltweiten Handel werde zwar insgesamt mehr Wohlstand geschaffen, dieser komme jedoch nur bei wenigen an. “Die einen bekommen den zusätzlich geschaffenen Reichtum, und noch ein Stück des Reichtums der anderen, weil es denen schlechter geht als zuvor”, sagte Radermacher.

Erfolg sei möglich

Eine zukunftsfähige menschliche Gesellschaft brauche weltweite Regeln, einen regulierten Finanzsektor, soziale Ausgeglichenheit und Umweltschutz. Für Radermacher ist diese gerechte Gesellschaft eine Sache des Möglichen. Besonders gefreut hat sich der Professor über die anwesenden Studenten der Energietechnik und -wirtschaft der Fachhochschule Vorarlberg.

Diese Studenten treten ab Donnerstag beim Shell Eco-Marathon in Rotterdam mit einem selbst konstruierten, elektrisch angetriebenen Fahrzeug an. Dieses Fahrzeug muss eine festgelegte Strecke mit möglich wenig Energieverbrauch und unter Einhaltung einer Mindestgeschwindigkeit befahren. Das Ziel des Marathons ist Energie-Effizienz-Rekorde zu brechen. In diesem Sinne schloss auch Professor Radermacher seinen Vortrag. In welche Richtung sich unsere globalisierte Gesellschaft bewegt, das müssten wir selbst entscheiden.

 

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