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Gepflegte Abendunterhaltung

„Arpeggione“ musizierte mit Vater und Sohn Rudin.
„Arpeggione“ musizierte mit Vater und Sohn Rudin. ©Jurmann
Hohenems. Nach dem Palast als fixe Heimstatt und dem Markus-Sittikus-Saal war beim letzten Konzert der Saison am Samstag erstmals auch die Otten-Gravour die bereits dritte Spielstätte des Kammerorchesters „Arpeggione“.

Durchaus naheliegend, da diese Firma seit Anbeginn zu den Förderern des Projektes zählte. Und auch die getreuen Freunde des Orchesters ließen sich nicht vom Besuch abhalten. Geboten wurde auf dem gewohnten Niveau gepflegte Abendunterhaltung samt mancher Unzulänglichkeiten. Ein Lüftungsgerät brummte sich hartnäckig durch den gesamten ersten Teil, Bühne gab es keine, die Sicht auf die Musiker für das Publikum dadurch gleich Null. Der Reiz der Improvisation eben. Aber zumindest die Akustik war gut für ein interessantes Programm unter der magischen Zahl „200“: 1809 starb Joseph Haydn und kam Mendelssohn-Bartholdy zur Welt. Die beiden dominierten einen Abend, bei dem der russische Chefdirigent Alexander Rudin einmal mehr beweisen konnte, dass er den Taktstock mindestens so gut beherrscht wie den Cellobogen. Zunächst an Mendelssohns einsätziger Sinfonie Nr. 10, einem Jugendwerk des 14-Jährigen, das den Streichern eine erste Bewährungsprobe abforderte. Zu voller Klangschönheit lief das Orchester erst am Schluss auf, bei Haydns „Oxford“-Symphonie, dessen Ecksätze gemeinsam mit einer profunden Bläserpartie klassisches Ebenmaß und Ausdrucksvielfalt annahmen.

Für die Teile dazwischen war als Violinsolist Fiodor Rudin verpflichtet worden, der Sohn des Dirigenten. Der 16-Jährige kann in seiner Karriere bereits auf wichtige Stationen verweisen, in Haydns erstem Violinkonzert freilich entsprach sein geigerisches Talent etwa jenen Begabungen, wie man sie auch an unserem Landeskonservatorium vorfindet. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wenn er es, neben seinen unbestreitbaren technischen Fähigkeiten, etwa mit der Intonation noch etwas genauer nehmen würde, könnte aus ihm so etwas werden wie sein Vater, nämlich ein großer Musiker. Und für Saint-Saens‘ Havanaise fehlte ihm ganz einfach noch der für solch parfümierte Schmachtfetzen der französischen Romantik notwendige sinnliche Geigenton. Immerhin eroberte Fiodor Rudin mit den Variationen über den „Karneval von Venedig“ als Zugabe die Herzen seiner Zuhörer.

VN, Fritz Jurmann

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