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Genialer Feldkircher Kauz wäre hundert Jahre alt

Ulrike Längle und Mario Plaz erinnerten an den 100. Geburtstag des Feldkircher Literaten Max Riccabona.
Ulrike Längle und Mario Plaz erinnerten an den 100. Geburtstag des Feldkircher Literaten Max Riccabona. ©Emir T. Uysal
Erinnerung an Max Riccabona im TAS durch das Felder-Archiv.


Feldkirch. (sch) Der Feldkircher Rechtsanwalt, Maler und Autor Max Riccabona (31. März 1915 in Feldkirch – 4. Oktober 1997 in Lochau) wäre heuer hundert Jahre alt geworden. Er zählt über seinen Tod hinaus, vor allem bei der älteren Generation, immer noch zu den originellsten und eigenartigsten Persönlichkeiten der Montfortstadt. Ja nicht selten wurde er auch von seriöser Seite als hohe Begabung zwischen Genie und Wahnsinn gesehen. Nun, jedenfalls verdient er es, zum 100. Geburtstag wieder einmal in Erinnerung gerufen zu werden. Dies taten kürzlich im TAS die Vorarlberger Literaturexpertin Ulrike Längle und der prominente Schauspieler Mario Plaz, der aus interessanten Briefen Riccabonas las. Ein kurzer biografischer Abriss möge den stets witzig-kauzigen alten Herrn vor allem jüngeren Vorarlbergern nahebringen. 1934 maturierte Riccabona am BG Feldkirch, studierte dann Jus in Graz, später in Paris, Cambridge, Perugia und Salamanca. Es folgte von 1936-38 die Ausbildung an der Wiener Konsularakademie. In Wien soll er am Widerstand gegen das Nazi-Regime beteiligt gewesen sein, auch für den englischen Geheimdienst.1940 wurde er zum Militär eingezogen, bald erfolgte für den „Halbjuden“ aber die Entlassung, 1941 die Verhaftung und von1942-45 die Internierung im KZ Dachau. 1949 Promotion, Eintritt in die RA-Kanzlei seines Vaters Gottfried (+ 1964). Im Mai 1967 wurde er teilentmündigt, schrieb über Begegnungen mit Größen wie James Joyce, Joseph Roth oder Ezra Pound, korrespondierte mit prominenten österreichischen Autoren und widmete sich vor allem seinem Riesenroman. Viele Fakten in seiner Biografie wurden von Kurt Bracharz, Petra Nachbaur oder Werner Dreier angezweifelt.

Der Briefeschreiber Riccabona

Am Saumarkt brachte Mario Plaz teils verschmitzt einige Kostproben des begeisterten Briefeschreibers Riccabona zu Gehör, stets profund kommentiert von Ulrike Längle vom Felder-Archiv. Sie beurteilt Riccabona u. a. so: „Ein Original, Eulenspiegel, Scharlatan, Hofnarr (nach eigenen Worten von MR), ein kluger Mensch, politischer Kopf, ein Autor, der Dichtung und Wahrheit geistreich mischt – der Reiz vieler seiner Briefe“. So vernahm man in einem Brief an Frank Arnau etliches ironisch über die Judenproblematik jener Zeit. Mit Marcel Prawy korrespondierte er über Konzerte der Wiener Philharrmoniker in Feldkirch (!), dem umstrittenen Wolfi Bauer erklärte Riccabona seine Arbeit am Hauptwerk „Die Tragikomödie des Dr. v. Halbgreyffer oder Protokolle über eine progressierende Halbbildungsinfektion“. MRs Vorlesung im Forum Sadtpark Graz habe großen Anklang bei Presse und Publikum gefunden. Max Riccabona ist jedenfalls zu Recht in die Vorarlberger bzw. österreichische Literaturgeschichte eingegangen.

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