Gender Pay Gap im Öffentlichen Dienst auf Tiefststand

Der Gender Pay Gap hat im Öffentlichen Dienst einen historischen Tiefststand erreicht. Im Vorjahr betrug der Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern 8,6 Prozent - um 0,4 Prozentpunkte weniger als 2019. Das geht aus dem der APA vorliegenden Personaljahrbuch des Bundes hervor. Im Gegensatz zur Privatwirtschaft ist im Bundesdienst auch das Pensionsantrittsalter um 0,5 Jahre gestiegen. Die seit einigen Jahren anrollende Pensionierungswelle ist weiter in Bewegung.

Im Jahr 2012 hatte der mit dem erstmals erschienenen Einkommensbericht dokumentierte Unterschied zwischen Männern und Frauen noch 13,3 Prozent betragen. Seither ist er kontinuierlich gesunken, im Vorjahr lag der Einkommensunterschied auf dem historisch niedrigsten Wert von 8,6 Prozent. Dieser Wert ist um das Beschäftigungsausmaß und die nicht ganzjährige Beschäftigung bereinigt. Im Vergleich dazu verdienen Frauen in der Privatwirtschaft bei Betrachtung der Stundenverdienste von Voll- und Teilzeitbeschäftigten um 19,9 Prozent weniger, ganzjährig vollbeschäftigten Frauen um 14,3 Prozent weniger als Männer.

Den für den Öffentlichen Dienst zuständigen Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) stimmen diese Daten für den Bundesdienst "zuversichtlich". Gegenüber der APA sagte Kogler: "Wir sind dank der Einkommenstransparenz im öffentlichen Dienst auf einem guten Weg in Richtung Einkommensgerechtigkeit. Umso wichtiger ist es jetzt, sich dafür einzusetzen und diese Vorreiterrolle weiter auszubauen."

Im Gegensatz zur Privatwirtschaft steigt im Öffentlichen Dienst auch das Pensionsantrittsalter. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs das Pensionsantrittsalter der Bundesbeamtinnen und -beamten 2020 um 0,5 Jahre auf 62,9 Jahre an. Der Trend der vergangenen Jahre konnte damit fortgesetzt werden, in den letzten sechs Jahren ist es um genau zwei Jahre gestiegen. Das Pensionsantrittsalter im Bundesdienst liegt somit um 2,6 Jahre über jenem der ASVG-Versicherten. Dabei ist allerdings auch zu berücksichtigen, dass für Beamtinnen ebenso wie für Beamte ein einheitliches gesetzliches Antrittsalter von 65 gilt, während in der Privatwirtschaft Frauen derzeit noch 60 als gesetzliches Antrittsalter haben. Die Zahl der in Ruhestand befindlichen Beamten ist 2020 um 2,4 Prozent auf 74.962 angestiegen.

Und in den nächsten Jahren werden es noch mehr werden, weil die Pensionierungswelle weiter rollen wird. Bis 2033 wird fast die Hälfte des bestehenden Personals (47 Prozent) aufgrund von Pensionierungen aus dem Bundesdienst ausscheiden. Das Durchschnittsalter im Bundesdienst liegt aktuell (2020) bei 45,6 Jahren, jenes in der Privatwirtschaft mit 39,1 Jahren deutlich darunter. Der Anteil der 50-jährigen und älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bundesdienst ist auf der anderen Seite mit 44,8 Prozent deutlich höher als in der Privatwirtschaft mit 29,5 Prozent.

Im öffentlichen Dienst arbeiten 361.400 Mitarbeiter (auf Vollbeschäftigtenbasis) - davon 135.840 beim Bund, 146.695 bei den Ländern und 78.865 in den Gemeinden. Der größte Sektor ist der Bildungsbereich, wo 34 Prozent der Bundesbediensteten beschäftigt sind, gefolgt von den Bereichen Inneres mit 27 und Landesverteidigung mit 15 Prozent. Dabei sind 90 Prozent der Beschäftigten in nachgeordneten Dienststellen wie Schulen oder Gerichten tätig und damit in direktem Kontakt zu Bürgern. Seit 1999 hat der Personalstand des Bundes um mehr als 30.000 Vollzeitbeschäftigte abgenommen, wobei seit 2013 wieder ein leichter Anstieg zu registrieren ist, weil vor allem in den Bereichen Sicherheit und Bildung Aufnahmen erfolgten.

Bemerkenswert ist, dass die klassischen Beamten immer weniger werden. Aufgrund der restriktiven Pragmatisierungspolitik ist die Zahl der Beamtinnen und Beamten von knapp 100.000 im Jahr 2003 auf nunmehr 69.015 zurückgegangen. Im gleichen Zeitraum ist hingegen die Zahl der Vertragsbediensteten von gut 50.000 auf 66.826 angestiegen.

Der Frauenanteil im Bundesdienst ist in den letzten 15 Jahren um 6,7 Prozentpunkte auf 42,6 Prozent gestiegen. Bemerkenswert ist dabei, dass unter den Beamten der Frauenanteil nur bei 26 Prozent (plus 4 Prozentpunkte seit 1995) liegt, bei den Vertragsbediensteten hingegen bei 58,6 Prozent (minus 3,6 Prozentpunkte). Deutlich gestiegen ist der Anteil der Frauen in Führungspositionen. Im Dezember 2020 betrug der Frauenanteil bei Spitzenfunktionen (Sektionsleitungen) 32,0 Prozent. 24 von insgesamt 75 Sektionen werden derzeit von Frauen geleitet. Im Jahr 1995 wurden von insgesamt 79 Sektionen nur zwei von Frauen geleitet.

Der Akademikeranteil liegt im Bundesdienst mit 34,1 Prozent fast doppelt so hoch wie im privaten Sektor mit 18,1 Prozent.

(APA)

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