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Gendarmerie: Null Toleranz gegen Raser

Nach dem illegalen Straßenrennen von Lauterach brodelt es hinter den Kulissen gewaltig. Mit schnellen Zivilmotorradstreifen will die Gendarmerie nun den Druck auf die illegale Rennszene verstärken.

Sie sind jung, 18 bis 25 Jahre, sitzen in hochgetunten Autos und scheren sich weder um die eigene Sicherheit noch um die anderer Verkehrsteilnehmer. Die Raser sind unter uns. Doch die Kategorisierung in In- oder Ausländer fällt schwer.

Türkische Abstammung

„Es handelt sich aber tatsächlich überwiegend um Leute, die noch nicht oder gerade eben Österreicher geworden sind“, sagt Sicherheitsdirektor Elmar Marent auf „VN“-Anfrage und meint damit vor allem die türkischstämmige Jugend.

Vor einem Jahr habe es in Graz ähnliche Tendenzen gegeben. „Dort waren es überwiegend Einheimische – offensichtlich hat sich das bei uns eben derzeit auf die angesprochene Gruppe fokussiert“, sagt der Sicherheitsdirektor.

Die Raser rotten sich nachts an Szenetreffpunkten zusammen, verabreden sich spontan per SMS. „Neben dem Cineplexx in Hohenems treffen sich die Raser auch bei der Agip-Tankstelle am Lustenauer Kreisverkehr“, so Chefinspektor Walter Vondrak, der stellvertretende Leiter der Vorarlberger Verkehrsgendarmerie. Von dort werden die Rennen auf den Routen zwischen Götzis, Altach, Hohenems und Lustenau gefahren – aber auch von Lustenau nach Fußach. „Sie kennen unsere Zivilstreifen genau, warnen sich gegenseiteig per Handy“, sagt Walter Vondrak.

Geheimwaffe

„Unsere zivilen Motorradstreifen kennen die Möchtegern-Rennfahrer aber noch nicht“, sagt Vondrak. Ab sofort gilt im Land nämlich „null Toleranz“ gegenüber den Duellanten – vor allem im Ortsgebiet.

Neben den eigenen Streifen ist die Gendarmerie auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen und bittet um Mithilfe. „Nach Anrufen, dass am Kreisverkehr in Lochau endlose Runden gedreht werden, konnten wir einen der Schuldigen per Videokamera vom Balkon eines Anrainers aus überführen“, sagt Vondrak.

Passiert nach einem illegalen Straßenrennen ein Verkehrsunfall, bei dem eine andere Person gefährdet wurde – und sei es nur der Beifahrer – gibt es eine Strafanzeige vor Gericht. Dabei gilt allerdings nur die konkrete Gefährdung, nicht eine abstrakte, also: „wenn etwas passieren hätte können“. „Aber auch bei der BH löhnen die Möchtegern-Rennfahrer dann Länge mal Breite“, sagt der Verkehrsgendarm. Dabei sei der dann ohnehin fällige „Idiotentest“ für solche Personen nicht einfach zu bewältigen: „Denen fehlt nämlich wirklich ein Zacken“, so Vondrak.

Krankenhaus

Übrigens, die zwei Möchtegern-Rennfahrer, die vor einer Woche im Ortsgebiet von Lauterach verunfallt sind, liegen mit Nackenwirbelbruch und zertrümmertem Becken nach wie vor im Krankenhaus.

Die Gendarmerie bittet die Bevölkerung um Hinweise auf illegale Rennen. Diese nimmt jeder Gendarmerieposten oder die Verkehrsabteilung unter 059/133-80-4444, entgegen.


KOMMENTAR

Raser, wacht auf!

VON GEROLD RIEDMANN E-MAIL: gerold.riedmann@vn.vol.at

Vorarlbergs Stammtische müssen sich bestätigt fühlen: Auffallend häufig sollen die Wahnsinnigen, denen wir auf der Straße lieber nicht begegnen wollen, türkischer Abstammung sein. Man hat es doch immer schon geahnt, nicht?

Wesentlich schwieriger als ein pauschaler Sündenbock wird allerdings die Antwort auf die Frage zu finden sein, warum denn die geltungssüchtigen jungen Männer sich in absolut sinnfreien Wettrennen auf dem Asphalt beweisen müssen – und dabei noch das ohnehin knappe Geld in die zu Unfällen verdammten Autos investieren.

Verletzter Stolz kann Hitzköpfe in manche Sackgasse treiben. Wachen deshalb die Raser erst im Krankenbett aus dem fatalen Geschwindigkeitsrausch auf?


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