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Gemeinsame Erklärung Management-Betriebsrat

Opel-Mitarbeiter zwischen Hoffen und Bangen: Während der Bochumer Opel-Streik am Dienstag erstmals Werke in Europa lahm legte, schlugen Unternehmen und Gesamtbetriebsrat einen gemeinsamen Kurs ein. 

„Beide Seiten verfolgen das Ziel, die Standorte Rüsselsheim und Bochum soweit wettbewerbsfähig zu machen, dass sie über 2010 hinaus als Automobilwerke erhalten werden können. Dies gilt analog für das Werk Kaiserslautern“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Zugleich protestierten laut Gesamtbetriebsrat 50.000 Beschäftigte gegen die Sparpläne des Mutterkonzerns General Motors.

Der inzwischen sechstägige Streik in Bochum brachte die Produktion im belgischen Antwerpen, aber auch im Stammwerk Rüsselsheim zum Erliegen. Diese Werke sind auf Zulieferung aus Bochum angewiesen. Allein in Rüsselsheim protestierten laut Betriebsrat 20.000 Menschen gegen die Sparpläne. Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz griff den Mutterkonzern General Motors heftig an: „Wenn sie meinen mit der GM-Bulldozermentalität durch Europa fahren zu können, werden sie sich täuschen. Wir werden uns nicht das Fell über die Ohren ziehen lassen.“

In Bochum zogen Demonstranten mit Plakaten wie „Wir kämpfen mit dem Kettenhemd gegen schlechtes Management“ vom Werk zum Platz vor dem Bochumer Schauspielhaus. Neben den Opel-Beschäftigten beteiligten sich auch Mitarbeiter anderer Autokonzerne an der Aktion. Im Werk Kaiserslautern fanden Informationsveranstaltungen für die rund 4.500 Beschäftigten statt.

Auch die Beschäftigten der Saab-Werke in Schweden kündigten Protestaktionen an. Man plane eine zweistündige Produktionspause, erklärte Gewerkschaftsführer Chresten Nielsen. In Antwerpen stoppte die Produktion wegen der fehlenden Teile aus Bochum.

Unterdessen begrüßte IG-Metall-Chef Jürgen Peters die Erklärung von Opel-Management und -Betriebsrat. Es sei zu erkennen, dass die Opel-Führung Werksschließungen vermeiden und eine längerfristige Perspektive der Standorte über 2010 hinaus aufzeigen wolle. Vorstand und Gesamtbetriebsrat wollen danach, nach Lösungen suchen, um die Personalanpassungen im Rahmen der geplanten Restrukturierung sozialverträglich zu gestalten.

Peters nahm die Bochumer Arbeiter in Schutz. Der Ausdruck „wilder Streik“ sei fehl am Platz, die Arbeitnehmer setzten sich nur für ihre Sache ein. Auf die Frage, ob er die Fortsetzung empfehle, sagte Peters mit Bezug auf die Erklärung der Unternehmensleitung: „Was wir in der Hand haben, ist eine gute Sache.“ Darüber müsse schnell verhandelt werden.

Der deutsche Wirtschaftsminister Wolfgang Clement zeigte sich zuversichtlich, dass die Verhandlungen mit dem Opel-Management eine einvernehmliche Lösung für die Beschäftigten bringen werden. Auch gehe er davon aus, dass betriebsbedingte Kündigungen nicht notwendig seien.

Die Opel-Führung appellierte unterdessen an die IG-Metall, wegen der Streiks in Bochum zu intervenieren. Diese „gefährden massiv die Ziele der anstehenden Verhandlungen und die Zukunft des Standorts Bochum“, hieß es in einem Schreiben des stellvertretenden Chefs von GM Europe Carl-Peter Forster und Opel-Chef Hans Demant an IG Metall-Chef Peters, aus dem „Financial Times Deutschland“ und „Tagesspiegel“ (Mittwochausgaben) zitierten.

Der Ausstand im Bochumer Opel-Werk dürfte freilich vor morgen, Mittwoch, nicht beendet werden. Laut dem stellvertretenden Betriebsratschef Rainer Einenkel müssten zuerst die Arbeiter über die ersten Ergebnisse der Verhandlungen zwischen Vorstand und Betriebsrat informiert werden, ehe die Arbeit wieder aufgenommen werden kann.


Schwedens Regierungschef erklärt GM-Krise zur Chefsache

Der schwedische Regierungschef Göran Persson hat die Krise bei dem Autobauer General Motors (GM) zur Chefsache erklärt. Bei einem für Ende Oktober geplanten Treffen mit dem GM-Management will er für den Standort Schweden und die heimische Saab-Produktion werben, wie der Ministerpräsident am Dienstag der Nachrichtenagentur TT sagte. General Motors will bei der schwedischen Tochter Saab 540 Stellen und damit knapp ein Zehntel aller Arbeitsplätze streichen. Insgesamt sollen in Europa 12.000 Jobs wegfallen, die meisten in Deutschland.

Persson sagte der Agentur weiter, er wolle in dem Gespräch die „günstigen Bedingungen der Autoproduktion in Schweden“ hervorheben und Saab als „wettbewerbsstarke Marke“ hervorheben, der eine Entwicklungschance eingeräumt werden müsse. Es gehe aber nicht darum, die schwedische Produktion auf Kosten der deutschen Marke Opel zu stärken, betonte der sozialdemokratische Ministerpräsident. Das Treffen mit der GM-Führungsetage ist für den 29. Oktober in der Schweiz geplant. Ein genauer Ort steht noch nicht fest.

Im Rahmen des europaweiten Aktionstags gegen den Stellenabbau beim amerikanischen Autobauer General Motors haben am Dienstag in Schweden die Beschäftigten der Saab-Werke für zwei Stunden die Arbeit niedergelegt. Nach Gewerkschaftsangaben handelte es sich nicht um einen Streik, sondern um eine Informationsveranstaltung während der Arbeitszeit. Daran hätten sich mehr als 4.000 Arbeiter beteiligt, 68 Fahrzeuge seien deswegen nicht gebaut worden. Es sei das erste Mal, dass eine derartige Veranstaltung in dem Werk zu einem Produktionsstopp geführt habe, sagte Gewerkschaftsführer Chresten Nielsen.

Die Saab-Automobilwerke in Trollhättan nördlich von Göteborg wurden im Jahr 2000 von General Motors aufgekauft. Beschäftigt sind dort gut 6.000 Mitarbeiter, doch sollen bis Ende 2005 mehr als 500 Stellen gestrichen werden.

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