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Gemeindegeld für Studenten

Schwarzach - Zahlreiche Vorarlberger Gemeinden unterstützen Studenten. Allerdings nicht ganz uneigennützig.
Studentenförderungen im Überblick

Bis zu einem Euro pro Tag in Mäder, 100 Euro im Jahr in der Regionalwährung „Talente“ in Langenegg, oder die Befreiung von Wasser- und Kanalgebühren in Nüziders: Vorarlbergs Gemeinden halten für Studenten Förderungen aller Art bereit – auch, wenn diese die meiste Zeit gar nicht mehr in der Gemeinde wohnen. Manche Studenten könnte die geplante Kürzung der Familienbeihilfe nun gleich doppelt treffen: einige Gemeinden – etwa Frastanz, Bürs oder Kennelbach – koppeln die Förderung an den Bezug der Familienbeihilfe. Der 27-jährige Christian Loitz studiert Politik und Wirtschaftspädagogik in Innsbruck. Seinen Hauptwohnsitz hat er jedoch in seiner Heimatgemeinde Hörbranz gelassen und wird dafür mit einem 100-Euro-Schein pro Jahr unterstützt. Christian Loitz bezieht die Förderung der Gemeinde „seit es sie gibt“, also seit drei Jahren. An das Einkommen der Eltern ist diese nicht gekoppelt.

Gemeindegeld pro Kopf

Dass Bürgermeister von Eichenberg bis Dalaas zukünftigen Akademikern unter die Arme greifen, ist nicht ganz uneigennützig. Denn je mehr Einwohner eine Gemeinde hat, umso mehr Geld steht ihr zur Verfügung: Der Finanzausgleich zwischen Bund, Ländern und Gemeinden wird über den Bevölkerungsschlüssel geregelt. Die Geldmittel hängen wesentlich von der Zahl der mit Hauptwohnsitz in einer Gemeinde gemeldeten Bürger ab. Und nicht nur das: Größere Orte bekommen in Österreich pro Kopf mehr Geld als kleinere Orte. Gemeinden unter 2500 Einwohnern erhalten laut Gemeindebund durchschnittlich 700 Euro pro Kopf im Jahr. Große Gemeinden – mit mehr als 50.000 Bürgern – rund 1130 Euro. Logisch also, dass den Bürgermeistern – auch jenen der Studentenstädte – daran liegt, auf möglichst viele Hauptwohnsitze verweisen zu können. „Wenn ich meinen Hauptwohnsitz nach Innsbruck verlegen würde, würde ich ohne weiteres etwa 90 Euro pro Monat an Mietzinsbeihilfe bekommen“, wäre für Loitz eine Ummeldung nach Innsbruck lukrativ. Das will er aber gar nicht. Denn nach dem Studium ziehe es ihn nach Vorarlberg zurück. „Ich könnte in Hörbranz dann auch gar nicht mehr wählen“, meint der Student.

Naheverhältnis zählt

Kann man sich überhaupt aussuchen, wo man den Hauptwohnsitz anmeldet? Prinzipiell ja. Laut Gesetz muss er an dem Ort sein, zu dem man „das überwiegende Naheverhältnis hat“. Und das hängt auch vom subjektiven Empfinden ab. In erster Linie spielt nicht die Dauer eine Rolle, die man an Heimatgemeinde und Studienort verbringt, sondern inwiefern man sich mit den Plätzen verbunden fühlt. Wer also in seiner Gemeinde weiterhin aktiv ist, kann während des Studiums den Nebenwohnsitz in Innsbruck, Wien oder Graz belassen. Finanzspritzen gibt es in Vorarlberg auch nach Studienabschluss: Studenten mit Hauptwohnsitz in Feldkirch, die ihre Diplom- oder Masterarbeit in der Stadtbibliothek abgeben, erhalten – unabhängig vom Thema – 180 Euro ausbezahlt.

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