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Gelingen

Ulrich Gabriel
Ulrich Gabriel ©VOL.AT

Ach wär ich doch ein heiterer Philosoph! Bin aber keiner, nur ein zorniger Schreiber im Dienst, im besten Fall ein kleiner Soph, der phil mag. Black Label zum Beispiel. Habe gerade richtig Lust auf eine Vollkanone, bevor die Achse der schwarzen Willigen mir nach dem Singen auch noch das Trinken verbietet: Sperrstunden wie seinerzeit in der DDR! Staatliche Lebensrettung durch Lebensverbote. „Habt ihr außer Verbieten auch noch eine Idee?“ Nein, keine. Was zur Zeit alles an Widersprüchen geschluckt werden muss, geht auf keine Elefantenhaut. Das hinterlässt Spuren. Ich werde täglich dicker. Kaputte Gedanken machen Bauchfalten. Die staatlichen Schützer haben mir nicht nur das halbe Gesicht genommen, auch „mein G‘müth ist mir verwirret“, aber nicht „von ein‘ Jungfrau zart“ wie ein anonymer Dichter im 16. Jhdt. schrieb, sondern von den Gesundheitskriegern. Der Nährwert für meine Seele geht gegen Null. Vieles ist halblustig, salzlos und oft traurig geworden vor allem ärgerlich. Die Medien liefern dazu tagtäglich denselben Brei. Gegenmittel: TV-Nachrichten streichen macht Lebensfreude. Ich kann diese TV-Gesichter nicht mehr sehen. Löffelt euer Pandemiesmus bitte selber aus. Ich hab schon Griesmus nicht gemocht. Halb depressiv humpelt das Leben daher. Abgestanden ist der Abstand. „Ja, merkt ihr denn das nicht, ihr selbsternannten Lebensretter?“ Laut schimpfen würde ja helfen, aber es traut sich keiner mehr: „He Volk, nicht das Virus, die Angst ist die Krankheit. Nicht Corona ist es, die Maßnahmen dagegen sind die Ursache unseres Unwohlseins. Mit solchen Leuten ist kein Staat zu machen!“

Mein Albtraum: Einer der vielen freudlosen Psiater ortet mich auf der defekten Rotkreuz-Äpp. Blaulicht. Ampelzucken. Röhrchenstecher steigen aus. Ich werde wegen negativem Übergewicht abgeführt und auf die Lebenshindernisstrecke (Vitaparcours) zur Heilung gebracht. Psychosport. Schwarze Laufknechte jagen mich über türkise Wiesen zur Hirn-Gesundheit. Muss ich denn Sport betreiben? Wandern hat schon nicht funktioniert. Jetzt stopfen sie mir Lustigtabletten hinein. Desorientierte Oberlehrer ampeln mich auf ihrem selbstausgedachten Holzweg ins Labyrinth der „So schützen wir uns“-Moral. Mir reichen die Fronleichnamsschützen. Die kunstlose Masken-Viererkette hat den Faden verloren. Sie sollten Shakespeares Königsdramen lesen. Inzwischen dämmert Huxleys „Schöne neue Welt“ herauf. GRÜN erlischt. GELB zeigt Orwells „1984“, ORANGE Bradburys „Fahrenheit 451“. ROT bringt Lems „Fiasko“. Dessen ungeachtet lautet das Sprechautomatenmotto weiterhin: „WARTEN AUF DEN IMPFSTOFF“. Da verkündet „Das Orakel vom Berge“ (Dick) DAS GELINGEN: Gesund ist krank. Es heilt der Volk. Die Lösung: Vorbildlich lassen sich Regierungsmitglieder und Abgeordnete als erste impfen. Hü hot, hi hi!

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