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Gegen geplante Ausdehnung

Ein Erlass des Landwirtschaftsministeriums sorgt derzeit in den alpinen Regionen für Verunsicherung. Der Grund: Die “roten Zonen" könnten weiter ausgedehnt werden. [13.12.99]

Ein Erlass des Landwirtschaftsministeriums sorgt
derzeit in den alpinen Regionen Vorarlbergs für Verunsicherung. Der Grund:
sollte der Erlass umgesetzt werden, dann werden die “roten Zonen” weiter
ausgedehnt.

Betroffen sind vor allem die Arlbergregion und das Klostertal,
das Hochmontafon und das Tannberggebiet.
In der Zentrale der Wildbach- und Lawinenverbauung in Bregenz eingetroffen
ist der Erlass bereits im Juni dieses Jahres als Folge der tragischen
Ereignisse des vergangenen Winters. Das Stichwort dazu lautet Galtür.
“Das Landwirtschaftsministerium hat eine Neubewertung der roten Zonen
vorgenommen. Die Druckkraft einer Lawine auf ein Gebäude darf ab sofort nur
mehr eine Tonne pro Quadratmeter betragen, bis jetzt waren es 2,5 bis drei
Tonnen”, erklärt dazu der Leiter der Wildbach- und Lawinenverbauung,
Andreas Reiterer.

In der Praxis bedeutet dies, dass viele Gebäude und
Grundstücke, die bis dato in der gelben Zone lagen und mit entsprechenden
Baumaßnahmen gesichert waren, jetzt plötzlich zur roten Zone werden. Die
Folge: in diesem Bereich darf nicht mehr gebaut werden. Davon betroffen
sind natürlich auch Gebäude, die bereits stehen. “Zubauten sind dann nicht
mehr möglich”, so Reiterer.

Als vehementer Gegner dieses Erlasses tritt beispielsweise der Lecher
Bürgermeister Ludwig Muxel auf. “Lech war eine der ersten Gemeinden, die
gemeinsam mit Experten bereits vor Jahren einen Gefahrenzonenplan erstellt
hat. Das dieser gut funktioniert, hat der vergangene Winter unter Beweis
gestellt.” Umso mehr wehrt sich der Tourismusbürgermeister gegen jene, “die
vom grünen Tisch aus entscheiden, was für uns richtig und gut ist”.

Andreas Reiterer, der nach eigenen Angaben seit Pfingsten im Dauerstress
steht und mit seinen 30 Mitarbeitern im heurigen Jahr bereits Verbauungs-
und Sicherungsprojekte im Wert von 270 Millionen Schilling umgesetzt hat,
gibt sich (noch) gelassen. “Bis jetzt haben wir kein konkretes Projekt, das
von dem Erlass negativ betroffen ist.”
Das dies allerdings nicht lange auf sich warten lassen wird, liegt auf der
Hand. “In diesem Fall müssten wird die neuen Richtlinien anwenden. Bis
jetzt sind wir aber noch nicht einmal soweit gekommen, die bestehenden
Tonnenpläne zu revidieren”, so Reiterer.

Wenn es nach Landesstatthalter Hubert Gorbach geht, der für die Wildbach-
und Lawinenverbauung zuständig ist, dann kann Reiterer den Rechenstift aber
in der Schublade lassen. Bei einem Gespräch mit dem zuständigen
Sektionschef im Landwirtschaftsministerium versuchte Gorbach am Montag eine
“Entkrampfung” der Situation zu erreichen.
“Die Richtigkeit unserer Gefahrenzonenpläne wurde im vergangenen Winter
unter Beweis gestellt. Das den zuständigen Ministern zu vermitteln dürfte
nicht allzu schwer sein. Ich glaube, man kann Entwarnung geben. Alles
andere käme einer kalten Enteignung gleich.”

Von Gerda Zimmermann

(Bild: VN)

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