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Gedenktag an Alt-Landeshauptmann Ilg

Ulrich Ilg, der erste Landeshauptmann Vorarlbergs in der Zweiten Republik, wäre am 7. April 100 Jahre alt geworden. Vorarlberg feiert am 7. April mit einem Festakt.

Als der ÖVP-Politiker im Mai 1986 einem Krebsleiden erlag, galt der Dornbirner Landwirt in der Bevölkerung längst als „Landesvater“. An seinem 100. Geburtstag gedenkt Vorarlberg mit dem Festakt „Freiheit und Einheit“ im Rahmen des Jubiläumsjahres Österreich 2005 der Wiederherstellung des Landes Vorarlberg vor 60 Jahren.

Dass Ilg einer der großen Vorarlberger Politiker des vorigen Jahrhunderts war, ist in Vorarlberg unumstritten. In seine beinahe 20 Jahre währende Amtszeit als Landeshauptmann fielen etwa die Wiederherstellung der Selbstständigkeit Vorarlbergs als eigenes Bundesland sowie die funktionierende Zusammenarbeit mit der französischen Besatzungsmacht. Auch der wirtschaftliche Aufstieg des Ländle nach dem Zweiten Weltkrieg war Teil der Ära Ilg.

Der am 7. April 1905 in Dornbirn geborene Ilg wird als verständigungsbereiter, im Grundsätzlichen aber kompromissloser Politiker beschrieben. Der ironisch-spöttische Ausspruch von Bundeskanzler Julius Raab, dass Vorarlberg keine Demokratie, sondern eine „Demokratur“ sei, zeichnet ein wohl treffendes Bild. Geprägt war der Mensch Ilg im Besonderen durch seine Religiosität. Die Errichtung der Diözese Feldkirch im Jahr 1968 – Ilg war 1964 als Landeshauptmann zurückgetreten – war auf sein beharrliches Drängen durch mehr als zwei Jahrzehnte hindurch zurückzuführen.

Ilg war ein Verfechter der Länderrechte. Gemeinsam mit dem späteren Landesamtsdirektor Elmar Grabherr machte Ilg Vorarlberg zur „Stammkundschaft“ des Verfassungsgerichtshofs. Bereits in der 1. Länderkonferenz im September 1945 in Wien erwies sich Ilg als harter Verhandler und lehnte eine zentralistische Staatsform für Österreich ab. Stattdessen verlangte er die Wiedererrichtung des Bundesstaats und setzte sich mit seinem Anliegen durch. Auch später wehrte sich Ilg immer wieder, wenn auch oft mit geringerem Erfolg, gegen den schleichenden Kompetenzverlust der Länder.

Als Ilgs wohl spektakulärste politische Niederlage ist der Streit um Radio Vorarlberg bekannt. Seit 1945 in der Obhut des Landes, weigerte sich die Vorarlberger Landesregierung, das Rundfunkstudio in Dornbirn an die öffentlichen Verwalter des Bundes zu übergeben. Daraufhin schalteten diese die Anlage für einen Tag ab, Ilg lenkte ein. Als Zeichen seines Protests schickte Ilg das „Große goldene Ehrenzeichen mit dem Stern für die Verdienste um die Republik Österreich“ an Bundeskanzler Raab zurück. Ilg nahm das Ehrenzeichen auch später nicht mehr an und übergab es dem Vorarlberger Landesarchiv zur Aufbewahrung.

Ilg war das älteste von fünf Kindern einer Dornbirner Bauernfamilie. Seine eigentliche politische Karriere begann im Alter von 22 Jahren, als er 1927 zum Obmann des Landesbauernbunds für Vorarlberg gewählt wurde. Im März 1934 wurde Ilg Mitglied der Landesregierung, aus der er im Juli 1934 nach dem Angebot von Bundeskanzler Engelbert Dollfuß, das Amt des Staatssekretärs für Land- und Forstwirtschaft zu übernehmen, wieder ausschied. Dollfuß wurde jedoch Mitte Juli 1934 ermordet. Anfang August kehrte Ilg nach Vorarlberg zurück und wurde Vizepräsident der Bauernkammer. 1936 ließ Landesbauernführer Ilg im „Berufsstand Land- und Forstwirtschaft“ freie Wahlen durchführen, er war damit der einzige namhafte Politiker Österreichs jener Zeit, der für sich eine demokratische Legitimation in Anspruch nehmen konnte. Anschließend war er Abgeordneter des Bundeswirtschaftsrats und des Bundestags. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Ilg 1938 aller öffentlicher Ämter enthoben. Er verabschiedete sich bis 1945 aus der Politik.

Am 24. Mai 1945 stellte die französische Militärregierung die Landes-Autonomie Vorarlbergs wieder her und ernannte einen „Vorarlberger Landesausschuss“ mit Ulrich Ilg als „Präsident“ an der Spitze. Ab dem 16. August 1945 durfte er sich „Landeshauptmann“ nennen. Nach der Landtagswahl im November 1945 wählte der Landtag Ilg zum Landeshauptmann. Im Oktober 1964 trat er von der Spitze der Landesregierung zurück, Ilg blieb aber noch eine Periode unter seinem Nachfolger Herbert Keßler als Finanzlandesrat tätig. Von September 1945 bis April 1964 war er auch Landesparteiobmann der ÖVP. Ilg starb am 9. Mai 1986 im Alter von 81 Jahren.>

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