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"Gasthauskultur wird zerstört"

Schwarzach - Während die Bundesregierung über die Verschärfung des Tabakgesetzes diskutiert, zeigt sich bei Vorarlberger Gastwirten ein differenziertes Stimmungsbild. VOL Live:   

„Wir haben es hier mit einer typisch österreichischen Lösung zu tun“, zeigt sich etwa Klaus Spiegel vom Café Steinhauser in Dornbirn über die geplante Gesetzesnovellierung wenig erfreut. „Ich wünsche mir eine Gesamtlösung. Die derzeit diskutierte Situation ist kaum durchführbar“, erklärt der Lokalbesitzer.

Anders Manfred Mischinger vom Gasthaus „Rotes Haus“ am Dornbirner Marktplatz. Aufgrund der archetektonischen Gegenbenheiten sieht er keine Probleme auf sich zukommen. „Da wir getrennte Räumlichkeiten haben, können wir flexibel auf das neue Gesetz reagieren“, erklärt er gegenüber den „VN“ und ist sich zugleich im Klaren, dass andere Wirte, die nur mittels baulichen Maßnahmen dem Gesetzentgegentretenkönnen, frustriert sind: „Die erste Zeit wird sicherlich hart. Das wird sich aber einspielen.“

Christian Stocker, Geschäftsführer des Grünen Pavillons sowie vom Conrad Sohm in Dornbirn blickt der Situation gelassen entgegen. „Ich nehme das Ganze bis jetzt noch nicht wirklich ernst“, erklärt der Gastronom. „In der derzeitigen Form halte ich von der geplanten Gesetzgebung nichts. Ich erhoffe mir klare Verhältnisse. Wenn, dann erwarte ich mir gleich ein komplettes Rauchverbot für die Gastronomie“, gibt er sich überzeugt. Darüber hinaus betont er, dass die jeweilige Ausrichtung der Lokalität beachtet werden müsse. Im Conrad Sohm sieht er beispielsweise keine Möglichkeit, die Raucher von den Nichtrauchern baulich zu trennen. „Man kann nicht erwarten, dass ich in einem Club sechs Meter hohe Wände aufziehe.“

Walter Greber vom Gasthof Schwanen baut vor allem auf Stammkunden. Die Zigarette zum Bier gehört da einfach dazu. „Die Gasthauskultur wird komplett zerstört“, ist der Gastwirt frustriert. „Die Umbauarbeiten würden mich viel Geld kosten. Ich erwarte mir – wie in Italien – Umsatzeinbußen in der Höhe von 30 bis 40 Prozent.“

Keine Einigung zu neuem Tabakgesetz

Der Streit um das geplante Rauchverbot in der Gastronomie wird sich weiter hinauszögern. In der gestern statt gefundenen Ministerratssitzung wurde erneut keine Einigung erzielt. Während Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (ÖVP) mit der SPÖ weiterverhandeln will, fordert SP-Regierungskoordinator Werner Faymann Gespräche mit Vertretern der Gastronomie.

SP-Verhandlerin und Gesundheitssprecherin Sabine Oberhauser sah in der geplanten Regelung einen Verstoß des Gleichheitsgrundsatzes: Größere Betriebe müssten Maßnahmen zum Schutz von Nichtrauchern ergreifen, kleinere Gaststätten jedoch nicht, denn laut Kdolskys Entwurf können Lokale unter 75 Quadratmetern entscheiden, ob sie einen Raucher- oder einen Nichtraucherbetrieb führen wollen.

Sollten sich die Koalitionspartner nächste Woche nicht einig werden, kann das Gesetz aus zeitlichen Gründen nicht im Jänner 2008 in Kraft treten.

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