Gasbranche setzt künftig auf Biomethan und Wasserstoff

Künftig soll Wasserstoff durch die Gasleitungen strömen
Künftig soll Wasserstoff durch die Gasleitungen strömen ©APA/zb
Bis 2040 will Österreich klimaneutral werden und sich von der Verbrennung von Erdöl und Erdgas verabschieden. Das bestehende Gasnetz mit 2.000 km Fernleitungen und 44.500 km Verteilerleitungen ist damit aber nicht schrottreif - künftig sollen Biomethan aus Abfällen und Biomasse, synthetisches Methan aus Wasserstoff sowie Wasserstoff durch die Rohre fließen. Die Gasbranche hat heute einen Zeitplan für den notwendigen Umbau der Gasinfrastruktur bis 2040 präsentiert.

Gas einfach durch Strom zu ersetzen wird nicht funktionieren, meint Markus Mitteregger, Chef der EVN-Speichertochter RAG Austria. Es gehe vielmehr darum, Gas grün zu machen. "Wir haben in Europa einen Wintergasbedarf von rund 850 Gigawatt. Im Vergleich dazu liegt der Strombedarf bei rund 400 Gigawatt." Der gesamte Gas-Importbedarf der EU betrage 385 GW. Die RAG betreibt zehn Gasspeicheranlagen mit einem Speichervolumen von 6,3 Mrd. Kubikmetern, das entspricht einer Energiemenge von 70,4 Terawattstunden (TWh) und knapp 7 Prozent der europäischen Speichermenge von 1.100 TWh. Dazu kämen noch die Erdgasspeicher der OMV. Österreich habe eine Schlüsselrolle als Drehscheibe für die Gasflüsse in Europa.

Über den Gasknoten Baumgarten, den der Gasfernleitungs- und Verteilernetzbetreiber Gas Connect Austria (GCA) gemeinsam mit der Trans Austria Gasleitung betreibt, werden jährlich rund 475 TWh Energie transportiert. Aktuell habe man in Österreich einen Gasverbrauch von 89 TWh und einen Stromverbrauch von 70 TWh, sagte Mitteregger. Auch im Jahr 2040 werde man noch einen Bedarf an gasförmigen Energieträgern haben, nämlich zwischen 89 und 138 TWh. "Da stellt sich natürlich die Frage: Woher soll denn das kommen?" 20 TWh könnten mit grünem Gas abgedeckt werden, aber "Österreich wird nicht in der Lage sein, so viel Photovoltaik und Wind aufzubauen, um diese Unmengen an Gas zu produzieren."

Deshalb habe auch die EU vor eineinhalb Jahren das Projekt "H2EU+Store" gestartet, mit dem Ziel, ab 2030 große Mengen an grünem Wasserstoff in der Ukraine zu produzieren und nach Deutschland zu importieren.

"Unsere zentrale Botschaft ist: Das komplette Energiesystem umzustellen geht nicht ohne internationale Verflechtung", sagte der Obmann des Fachverbands Gas Wärme und stellvertretender Generaldirektor der Wiener Stadtwerke, Peter Weinelt. "Wenn man Erdgas runterfährt, muss man ein anderes System hochfahren." Das sei grundsätzlich machbar, man könne dafür das bestehende Gasnetz nutzen und fit machen für Wasserstoff und grünes Gas.

Methan durch biogenes Methan zu ersetzen, wäre ein erster Schritt, erklärte Michael Haselauer, Obman der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW). Abfälle energetisch zu nutzen, sei doppelt sinnvoll, weil man nicht nur eine Energieressource erschließe, sondern weil Methangas, das ungenutzt entweicht, auch klimaschädlich sei. Dass man bis zu 10 Prozent Wasserstoff in die bestehenden Anlagen beimischen könne, wisse man bereits, und nun sei man dabei zu prüfen, ob es technisch möglich sei, auch 20 Prozent beizumischen. "Stadtgas hatte auch schon bis zu 50 Prozent Wasserstoff, auch das ist nicht vollkommenes Neuland."

Auf europäischer Ebene sei die Verbund-Tochter Gas Connect Austria als Mitglied der Initiative European Hydrogen Backbone (EHB) engagiert, berichtete GCA-Geschäftsführer Harald Stindl. Die Initiative schlägt den Aufbau eines rund 40.000 km langen Wasserstoffnetzes bis 2040 vor, das zu zwei Dritteln auf bestehenden Gasleitungen basiert. Für die Energiewende brauche man jedoch dringend den rechtlichen und regulatorischen Rahmen, zunächst auf EU-Ebene. Für die Umrüstung der vorhandenen Gas-Infrastruktur und für Sandbox-Projekte (z.B. Power-2-Gas) brauchten die Netzbetreiber Förderungen.

(APA)

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