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Fünf Freunde von Blitz getroffen

Vier Männer und ein 15-jähriges Mädchen waren in St. Gallenkirch im Bezirk Bludenz auf dem Weg zu einem Sonnwendfeuer von einem Gewitter überrascht worden.

Eigentlich wollten die fünf Freunde der Funkenzunft Gaschurn bloß ein Sonnwendfeuer auf der Goldiforspitze entfachen – doch es zog ein übles Gewitter auf.

“ Zurück ins Tal konnten wir nicht, wir befürchteten,der Blitz könnte in die Lawinenverbauungen aus Stahl einschlagen“ , schildert die 15-jährige Sabrina Felder. Gemeinsam mit ihrem Vater Gebhard und drei Freunden sucht sie Unterschlupf in einer kleinen Jagdhütte. “ Eigentlich war das Gewitter vorüber, wir wollten noch unser Bier austrinken und dann zurück“ , schildert Thomas Stark. Dann aber schlägt ein Blitz ein – direkt in das Dach der Hütte, in der die fünf Schutz suchten.

Heftiger Blitzeinschlag

“ Da war ein ohrenbetäubender Knall und dann hat es nur noch ,BzzzzzÑ gemacht“ , beschreibt Gebhard Felder den “ unendlichen Stromschlag“ . Ihn trifft es am Arm, durch den Körper zuckt der Blitz bis zu den Beinen. Alle werden erwischt, erleiden Verbrennungen im Gewebe und an den Ein- und Austrittsstellen. “ Die Druckwelle hat uns von den Stühlen gerissen, dann hat es uns in die Ecken geworfen“ , sagt Felder. Noch bevor sie bewusstlos werden, sieht Sabrina den Kugelblitz: “ Auf dem Tisch gab es eine Feuerspirale, die langsam zur Decke schwebte – wie eine helle Kugel.“ Es stinkt nach verbrannten Kleidern und versengten Haaren.

Die Freunde erwachen langsam, doch laufen können sie nicht. Sie haben Durst. “ Wir sind aus der Hütte in eine Mulde gerobbt“ , so die Überlebenden. Der Blitz hat sie kurzfristig an Armen und Beinen gelähmt, erst nach bis zu 45 Minuten kommt das Gefühl zurück. “ Rund um uns haben weiter Blitze eingeschlagen“ , so Reinhard Felder. Todesangst.

Ein großer Rettungseinsatz läuft an, über 20 Bergretter aus St. Gallenkirch und Gaschurn steigen bei Dunkelheit und Regen zu den Verletzten auf – denn der Notarzthubschrauber musste wetterbedingt umdrehen. “ Die Verletzten konnten uns entgegen laufen“ , schildert Bergretter Ignaz Ganahl. Die vier Männer sind aus eigener Kraft abgestiegen, Sabrina Felder wurde per Trage ins Tal gebracht.

Handy-Akku geladen

Im Krankenhaus berichten die fünf Freunde von bemerkenswerten Phänomenen: “ Mir hat der Blitz tatsächlich den Hosenladen zusammengeschweißt“ , sagt Gebhard Felder und muss lachen. Hinter dem verschmolzenen Metall aber sei alles in Ordnung, versichert der Gaschurner (43). Reinhard Felders Uhr hat ihren Geist aufgegeben. Bloß Sabrinas Handy, mit dem sie den Notruf absetzen konnte, hat der heftige Stromschlag nicht geschadet: “ Der Handy-Akku war zuvor leer, aber nach dem Blitz war das Gerät voll geladen“ , schildert die 15-Jährige. Ihr Vater Gebhard schmunzelt: “ Strom zum Laden war ja genug da.“

Gestern flogen Polizeibeamte per Hubschrauber noch einmal zur Hütte: “ Die Kraft des Blitzes war enorm, die Dachschindeln liegen im Umkreis von 40 Metern herum, auch wurden Dachbalken gespaltet.“

Bergretter Ganahl ist überzeugt: “ Da war unglaubliches Glück im Spiel. Die hätten tot sein können.“ Nun aber werden keine Dauerschäden bleiben, sagen die Ärzte.

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