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Für Auto-Nostalgie ist kein Weg zu weit

Stolz präsentiert Werner Steurer sein aktuelles Oldtimer-Projekt: den restaurierten Ford Pick-up, Baujahr 1951.
Stolz präsentiert Werner Steurer sein aktuelles Oldtimer-Projekt: den restaurierten Ford Pick-up, Baujahr 1951. ©STP
Werner Steurer aus Langen pflegt ungewöhnliche Verbindung zum langjährigen Arbeitsplatz in Amerika.

Langen. Einen Schönheitspreis wird er für seinen Ford-Oldtimer, Baujahr 1951, vielleicht nicht gewinnen, aber darum ist es Werner Steurer auch gar nicht gegangen, er wollte dieses auf europäischen Straßen ausgefallene Fahrzeug nur möglichst originalgetreu restaurieren – für einen Freund im Allgäu. „Wir sind beide im Langener Oldtimer-Club und er war an diesem Pick-up interessiert“, so Steurer, der in den vergangenen Jahren nicht nur diesen alten Ford über den großen Teich geholt hat.

Über 600 Stunden investiert

„Sieben oder acht Oldtimer dieser Modellreihe sind es inzwischen schon geworden, drei stehen renoviert in meiner Garage, die anderen habe ich an Kollegen verkauft.“ Rund ein halbes Jahr hat er an diesem jüngsten Projekt gearbeitet, dabei etwa 600 Stunden investiert, um den Oldtimer durch den TÜV zu bringen – „aber jetzt hat er sein Wangener H-Kennzeichen“, freut sich der Bastler, dass er das seltene Gefährt wieder fahrtüchtig und zulassungsfähig machen konnte – als „H-Fahrzeug“. Seit 1997 gibt es in Deutschland dieses „historische Kennzeichen“. Demnach können Oldtimer-Pkw oder -Motorräder, die vor mindestens 30 Jahren erstmals in Verkehr gebracht wurden, „in einem guten Erhaltungszustand“ für den regulären Straßenverkehr mit dem Zusatz „H“ zugelassen werden.

„Selten“ bezieht sich bei diesem „rustikalen“ Pick-up freilich nur auf Europa, wo er kaum verkauft wurde. Ganz anders ist dies auf dem amerikanischen Markt – über 40 Millionen Exemplare sind dort bei Ford in mehr als 70 Jahren vom Band gelaufen, derzeit wird die 14. Generation produziert. Nur der Toyota Corolla brachte es auf eine höhere Stückzahl (43 Millionen Fahrzeuge), der VW Golf (rund 30 Millionen) und der VW Käfer (23 Millionen) liegen weit zurück. Seit dem Start der ersten Generation (1948 bis 1952, aus dieser Baureihe stammt Steurers Fahrzeug) gab es davon unzählige Versionen. Steurers Version ist ein „leichtes F-2“-Modell mit einem V-8-Motor und 3,9 Litern Hubraum.

Trotzdem ist es mit Rücksicht auf den Klimaschutz – und die Brieftasche – kein empfehlenswertes Gefährt führ den Alltagsverkehr, schluckt es doch gut und gern bis zu 30 Liter auf 100 Kilometern.

Erinnerung an die Prärie

Bei den Freunden bestimmter amerikanischer Filme ist der viel zitierte Groschen längst gefallen: Solche Autos kommen des Öfteren in Filmen vor. In kaum einem Film, der in den Weiten Nordamerikas spielt, darf ein Ford, der effektvoll durch die Prärie fährt, fehlen.

Und irgendwie ist es für Werner Steurer auch eine Art Erinnerung an diese Landschaften in einem Land, in dem er mehr als zehn Jahre arbeitete: Als Alpla-Mitarbeiter war er von 2008 bis 2012 in Mexiko tätig und wechselte dann für weitere sieben Jahre in ein Automobilzuliefer-Unternehmen, ehe er 2019 nach Vorarlberg zurückkehrte, weil seine Kinder schulpflichtig wurden.

Während seiner Tätigkeit in Übersee waren Oldtimer seine Leidenschaft – und Amerika erwies sich als wahre Fundgrube für alte Autos. Dafür nahm er auch weite Reisen in Kauf – den aktuellen Pick-up fand er in Ohio, mehr als 2500 Kilometer von Mexiko entfernt. „Und eigentlich war diese Aktion gar nicht wirklich geplant“, verrät der Oldtimer-Fan im Gespräch mit der VN-Heimat. „Ich habe einen Container für einen Transport nach Vorarlberg vorbereitet und weil dieser nur halb voll war, habe ich ihn mit dem Pick-up aufgefüllt.“

Nächster Transport rollt

Auch nach seiner Rückkehr ins Ländle ließ er Kontakte, die er in dieser Zeit geknüpft hat, nicht abreißen. Diese Kontakte waren jetzt wieder hilfreich, um einen weiteren Oldtimer aus den USA nach Vorarlberg zu holen: „Ein Freund von mir ist dabei, einen ganz besonderen Oldtimer von Ohio nach New York zu überstellen, wo er dann verschifft wird – ein Ford, Baujahr 1931.“ Mindestens einen Monat würde der Transport über mehr als 6000 Kilometer dauern, schätzt Steurer, der mit diesem 90 Jahre alten Oldie in neue Dimensionen vorstößt. Begonnen hat der heute 41-Jährige mit dem Oldtimer-Hobby, als er selbst das „Oldtimer-Alter“ von 30 Jahren erreicht hatte. STP

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