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  • Führer-Wein und Hitler-Bier: Geschäft in Italien boomt
  • Führer-Wein und Hitler-Bier: Geschäft in Italien boomt

    Es klingt geschmacklos, ist aber legal: In zahlreichen Urlaubsorten in Italien floriert das Geschäft mit Bildern von Hitler, Mussolini und Co. auf den Etiketten von Wein- und Bierflaschen. Ein VOL.AT-Leser hat uns diese irritierenden Bilder aus einem Supermarkt in Jesolo geschickt.

    “Sieg Heil”, Hakenkreuze und Portraits von Adolf Hitler prangen auf den Flaschen in einem Supermarkt in Jesolo. Solche Bilder irritieren Urlauber, ist doch die Verbreitung von “Kennzeichen einer nationalsozialistischen Organisation“ in Österreich streng verboten. Aber was hier zu lande mit Geld- und Freiheitsstrafe geahndet wird, ist in Italien legal. Schon seit Jahren werden in Italien Flaschen mit Hitler-Bildern auf dem Etikett verkauft. Obwohl sie immer wieder für Protest sorgen, boomt das Geschäft mit Bildern des NS-Diktators auf der Flasche.

    Privat

    Großes Angebot im Internet erhältlich

    Die besagten Flaschen sind auch im Internet erhältlich und können unter anderem im Online-Shop der Firma “I Vini Nostalgici” (Nostalgische Weine), erworben werden. Das Unternehmen des italienischen Weinproduzenten Fabio Bogo verfolge das Ziel, “in jedem von uns Nostalgie zu wecken”. Weiters seien auf den umstrittenen Etiketten “historische Personen aus verschiedenen Zeiten und legendäre Künstler aus der Welt der Musik” abgebildet. Und das Angebot wächst: Hitler, Mussolini, Stalin und Lenin grüßen bereits von Bier-, Wein-, Prosecco- und Grappa-Flaschen.

    inostalgici.it

    “Vollkommen unparteiisch”

    Der Unternehmer weist jeglichen Vorwurf der Nostalgie und Verharmlosung von Faschismus und Nationalsozialismus zurück. “Vollkommen unparteiisch” biete er auch der politisch links orientierten Kundschaft Flaschen mit den Etiketten Marx, Stalin, Lenin oder Che Guevara an. Sogar Flaschen mit Bildern von Israels Gründervater David Ben Gurion umrahmt von einem jüdischen Stern sind zu erwerben. Nostalgikern der habsburgischen Monarchie winkt Rotwein mit Etiketten von Franz Josef und der Kaiserin Elisabeth.

    “Österreicher zählen zu meinen besten Kunden”

    Die verschiedenen Etiketten wurden zum Kultobjekt für so manche Sammler. “Ich bin kein Nostalgiker, ich denke nur, dass man die Vergangenheit nicht vergessen darf. Zwielichtige Persönlichkeiten gab es in allen politischen Lagern jeder Zeit”, sagt Bogo einst im Gespräch mit der APA. Probleme mit den Behörden fürchtet Bogo nicht. “Man kann mir nichts vorwerfen, ich verwende nur Bilder, die in jedem Geschichtsbuch zu sehen sind. Das italienische Gesetz erlaubt den Vertrieb von Bildern aus der Faschismus- und Nazizeit”, sagt Bogo.

    Privat

    Nach Österreich kann er seine Flaschen dagegen nicht exportieren. “Meine Etiketten sind aber bei österreichischen Touristen sehr gefragt. Sie lieben vor allem die Hitler-Flaschen. Österreicher zählen zu meinen besten Kunden”, erzählt der Unternehmer. Das Angebot würde schließlich auch nicht bestehen, gäbe es keine Nachfrage. Seine Flaschen sind in Weingeschäften und kleineren Supermärkten zu bekommen, im Großhandel nicht. “Große Supermarktketten fürchten Schwierigkeiten und wollen meine Flaschen nicht vertreiben”, so Bogo.

    In Österreich drohen Geld- und Freiheitsstrafen

    Die Rechtslage in Österreich ist klar: Wer solche Produkte als “Souvenir” mit nach Hause bringt, riskiert Probleme. Ob man das Bier in den Kühlschrank stellt oder öffentlich trinkt, macht einen großen Unterschied. Denn allein die öffentliche Zurschaustellung von NS-Symbolen wird mit einer Geldstrafe von bis zu 4000 Euro oder Freiheitsstrafe von bis zu einem Monat geahndet. Wer diese Produkte verbreitet, also weiterschenkt, darf mit bis zu drei Jahren Haft rechnen.

    (APA/Red.)