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Freudenhaus, Moral und Zeitgeist

Käufliche Liebe in einem genehmigten Bordell. Das gibt es in Vorarlberg noch nicht.
Käufliche Liebe in einem genehmigten Bordell. Das gibt es in Vorarlberg noch nicht. ©VOL.at/ Hartinger
Hohenems (VN-hk) - Bordell ja oder nein? Nicht nur in Hohenems wird angeregt über das Thema diskutiert.
Das sagen die Hohenemser
Interview: Bernhard Amann
Bordellpläne: Stadtrat gespalten
"Weißes Haus" am Prüfstand

Der VN-Exklusivbericht über Pläne zur Errichtung eines Bordells in Hohenems hat eine lebhafte Diskussion bei Politkern, Sicherheitsexperten und Bürgern ausgelöst. Während der Vorarlberger Polizeikommandant Siegbert Denz dem Projekt sehr kritisch gegenüber steht, hat im Hohenemser Stadtrat ein Meinungsbildungsprozess eingesetzt. Bürgermeister Richard Amann sieht sich als Nicht-Stadtrat in der Moderatorenrolle und möchte vor allem eines nicht: „Dass sich die Stadt in zwei Lager teilt.“

Bernhard Amann dafür

Als ganz klarer Befürworter eines Bordells in der Grafenstadt hat sich Stadtrat Bernhard Amann (57) von den Emsigen/Grünen geoutet. „Aus gesundheits- und sicherheitspolitischen Erwägungen heraus ist ein Bordell überfällig. Der vorgesehene Standort scheint dafür geeignet zu sein. Auch die Nähe zur Schweiz bietet Vorteile.“ Amann fordert völlige Transparenz eines allfälligen Bordellbetriebes sowie eine umfassende Betreuung der Prostituierten durch Gynäkologen, Amtsarzt und Psychologen. Nicht grundsätzlich negativ steht auch FPÖ-Chef und Baustadtrat Horst Obwegeser einem Freudenhaus in Hohenems gegenüber. „Was soll’s. Wenn alle, aber wirklich alle, sicherheits- und gesundheitsmäßigen Dinge im positiven Sinne geklärt sind, dann kann man nicht einfach dagegen sein. Wir leben schießlich im 21. Jahrhundert. Selbstverständlich wird die FPÖ-Fraktion das Thema breit diskutieren und nicht einfach nur die Meinung der beiden Stadträte geltend machen.“

Kontrovers

Eine kontroverse Diskussion gibt es bei der Hohenemser Bürgerbewegung um Kurt Raos (54). „Ich habe da eine eher liberalere Haltung dazu“, räumt Raos ein. „Es ist doch höchste Zeit, dass sich beim Thema Bordell etwas tut.“ Freilich gibt es in seiner Fraktion auch andere Meinungen dazu. „Es wird die moralische Frage ins Treffen geführt. Das ist legitim. Wir werden jedenfalls weiter ausführlich diskutieren.“ In einem spannenden Diskussionsprozess mit offenem Ausgang befindet sich auch die ÖVP-Fraktion. Stadträtin Edith Mathis (54): „Meiner Meinung nach braucht es ein Bordell in Vorarlberg. Aber doch nicht unbedingt in Hohenems. Das passt eher in eine größere Stadt. Ich bin mit meinem Meinungsbildungsprozess aber noch nicht am Ende. So wie die anderen Kollegen auch.“

Sehr skeptisch sieht Landespolizeikommandant Siegbert Denz die Pläne für ein Bordell in Hohenems. „Es sind bei einem Bordellbetrieb ganz einfach negative Begleiterscheinungen zu befürchten, ein Konkurrenzkampf scheint vorprogrammiert. Außerdem löst ein Bordell das Problem der illegalen Prostitution nicht.“ Nach Meinung von Denz sollte man erst dann über legale Bordelle nachdenken, „wenn Prostitution ein anerkannter Beruf mit allen dazu notwendigen Voraussetzungen ist“.

In Hohenems wird der Meinungsbildungsprozess zum Thema Bordell noch mindestens bis in den Jänner gehen. Dann steht eine Entscheidung des Stadtrates an. Nicht abgeneigt ist Bürgermeister Richard Amann einer telefonischen Umfrage in der Bevölkerung. „Aber ganz sicher wird es keine Volksabstimmung geben.“

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