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Frauen verdienen ein Drittel weniger

Bregenz - Für Aufsehen sorgte kürzlich eine Studie des DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung), derzufolge Frauen in ländlichen deutschen Regionen im Schnitt um 33 Prozent weniger verdienen als männliche Kollegen.

In Ballungsräumen/Städten haben sie hingegen „nur“ im Ausmaß von 12 Prozent das Nachsehen. Wer glaubt, damit sei der „Gipfel an Einkommensungerechtigkeit“ abgebildet, wird von den entsprechenden Vorarlberger Werten überrascht sein, welche die „VN“ bei der Landesstelle für Statistik recherchierten.

So viel vorweg: „Die nackten Zahlen, die aktuellst von der Lohnsteuerstatistik 2006 verfügbar sind, vermitteln zwar ein – aus Frauensicht – noch diskriminierenderes Bild als der deutsche Befund. Umso entscheidender ist, dass unsere Werte nur mit den nötigen Erläuterungen und Vorbehalten in Bezug zur DIW-Studie gebracht werden dürfen“, gab auf unsere Anfrage der Chef der Landesstatistik, DI Egon Rücker, zu bedenken.

In der Tabelle links, laut der Frauen im Schnitt gar nur halb so viel verdienen wie Männer, sind alle Bezugsempfänger 2006 erfasst. „Also auch Teilzeitbeschäftigte, bei denen ebenfalls Frauen in eher mäßig bezahlten Berufen überwiegen, sowie nicht ganzjährig Beschäftigte, die z. B. nur während der Wintersaison im Tourismus gejobbt haben. Dass hier das Jahresbrutto weit unter jenem der Männer liegt, die überwiegend durchgehend und meist in Vollzeitjobs beschäftigt sind, liegt auf der Hand“, erklärte Rücker den im ländlichen Gebiet (Fünftälerstern Bludenz, Bregenzerwald) noch krasseren geschlechtsspezifischen Einkommensunterschied als in den industrialisierten Ballungsgebieten von Rheintal und Bodenseeregion.

Aber selbst, wenn man – siehe Tabelle rechts – nur die Einkommen ganzjährig durchgehend Vollzeitbeschäftigter vergleicht, kommen Frauen bei uns im Schnitt nur auf ca. 65 Prozent des Männer-Einkommens. Rücker: „Das hat damit zu tun, dass auch diese Durchschnittsgehälter massiv davon abhängen, in welcher Branche jemand tätig ist, in welchem Beruf, mit welcher Ausbildung, mit welcher Betriebszugehörigkeit und in welchem Lebensalter. Diese Faktoren sind in unseren Zahlen nicht berücksichtigt. Man darf aber anhand andernorts angestellter Berechnungen unterstellen, dass sich der hier abgebildete Einkommensrückstand der Frauen von ca. 35 Prozent durch Einrechnung erwähnter Faktoren auf 15 bis 19 Prozent verringern würde.“ Eine weitere statistische Unschärfe, so Rücker, sei insofern gegeben, als unsere Lohnsteuerstatistik auf den Wohnort abstellt, nicht auf den Arbeitsort. Ein Bregenzer, der z. B. als Steuerungsspezialist zu Dorner Electronic Egg pendelt, wertet mit seinem schönen Einkommen also das statistische Einkommensniveau von Bregenz auf statt jenes im Wald.

Eine Erklärung noch: Dass Vorarlberg hier außer nach Bezirken nur in eine ländliche Region und ein Ballungsgebiet gegliedert ist, hat mit der EU zu tun. In deren Statistiken bestehen wir aus diesen zwei Einheiten.

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