Frau zerstört Bild von Roy Lichtenstein

Im Kunsthaus Bregenz ist am Samstagnachmittag ein Bild der US-Pop-Art-Ikone Roy Lichtenstein im Wert von mehreren Millionen Dollar mutwillig schwer beschädigt worden.

Eine 35-jährige Münchnerin zerschnitt das Gemälde „Nudes in Mirror“ mit einem Klappmesser. Besucher konnten die Frau überwältigen und bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Das beschädigte Werk ist mit rund vier Millionen Euro versichert.

Die elegant gekleidete Frau hatte die Ausstellung „Roy Lichtenstein – Classic of the New“ im Bregenzer Kunsthaus besucht. Vor dem Gemälde „Nudes in Mirror„zog die 35-Jährige ein Klappmesser aus der Handtasche und fügte dem Bild vier jeweils 30 cm lange, längs verlaufende Schnitte zu. Besucher und Aufsichtspersonal überwältigten die Frau und alarmierten die Polizei. Bei der Festnahme attackierte die Frau zwei Polizeibeamte. In ihrer Tasche wurden eine Spraydose mit roter Farbe und ein Schraubenzieher gefunden. Als Grund für ihre Tat gab die nach Angaben der Polizei verwirrt wirkende Münchnerin an, das Bild sei kein echter Roy Lichtenstein.

„Natürlich ist das Bild ein echter Lichtenstein,“ erklärte der Kurator der Ausstellung, Rudolf Sagmeister, auf Anfrage der APA. Die Versicherungssumme des Werkes liege bei rund vier Millionen Euro. „Das Gemälde ist nicht zerstört, es ist beschädigt, kann aber restauriert werden,“ betonte Sagmeister. Der Direktor des Kunsthauses, Eckhard Schneider, war am Sonntag für Medienvertreter nicht zu sprechen. Er sei schockiert und müsse erst einmal in sich gehen, ließ er durch das Personal ausrichten. Das beschädigte Bild wurde noch am Samstagabend aus der Ausstellung entfernt.

Die seit 13. Juni im Kunsthaus Bregenz laufende Ausstellung „Roy Lichtenstein – Classic of the New“ ging am Sonntagabend wie geplant zu Ende und dürfte eine der erfolgreichsten Ausstellungen des Kunsthauses sein. Knapp 48.000 Besucher haben die 41 ausgestellten Werke gesehen. Ob und wie die Sicherheitsvorkehrungen des Hauses verschärft werden, stand am Sonntag noch nicht fest.

INTERVIEW

Wir warten auf das Gutachten

NEUE: Herr Dr. Sagmeister, was geschieht nun?
Rudolf Sagmeister: Ein Restaurator wird sich den Schaden ansehen, dann wird ein Gutachten gemacht. Das Ganze ist dann eine Versicherungssache.

NEUE: Wie ist das Bild beschädigt?
Rudolf Sagmeister: Es sind vier vertikale, glatte Schnitte.

NEUE: Hätte man das Bild nicht hinter Glas hängen sollen?
Rudolf Sagmeister: Das Bild ist sehr groß, außerdem kann man das nicht allgemein machen. Das macht man bei besonders gefährdeten Bildern, wie etwa der Mona Lisa. Kunstattentäter sind unberechenbar.

NEUE: Wissen die Eigentümer schon Bescheid?
Rudolf Sagmeister: Das werde ich noch machen.

Ausstellung geöffnet

Seit dem 13. Juni haben mehr als 47.600 Menschen die Ausstellung „Classic of the New“ mit 41 Werken von Roy Lichtenstein im Kunsthaus Bregenz gesehen. Die mit 600.000 Euro budgetierte Ausstellung ist ein voller Erfolg. Bis zum vorletzten Tag. Da geschieht das Unfassbare. Eine Frau macht vier Schnitte in Roy Lichtensteins „Nudes in Mirror“.

1994 gemalt, zählt das Bild zum Spätwerk des 1997 verstorbenen Roy Lichtenstein. Es ist eine Leihgabe aus New York. Von der Ferne kaum sichtbar, fallen die etwa 30 Zentimeter langen Schnitte erst ins Auge, wenn man sich dem Bild nähert.

Etwa zwei Stunden nach dem Attentat hängt das beschädigte Kunstwerk noch an seinem Platz in der Ausstellung. Bald darauf beschließt Kurator Rudolf Sagemeister aber, das Bild abhängen zu lassen. KUB-Direktor Eckhard Schneider ist am Samstagnachmittag nicht erreichbar.

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