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Frau sein kann teuer kommen

Mittlerweile gibt es in vielen Friseursalons Unisex-Preise.
Mittlerweile gibt es in vielen Friseursalons Unisex-Preise. ©Bilderbox
Schwarzach - Frauen zahlen für Dienstleistungen trotz weniger Verdienst oft mehr als Männer. Stimmt das wirklich?


Noch immer verdienen Frauen in Österreich bedeutend weniger als ihre männlichen Kollegen. Je nach Funktion liegt die Lohnschere zwischen 5,3 Prozent bei Beamten und 37,7 Prozent bei Angestellten. Je besser die Ausbildung, desto größer auch der Unterschied.
Und dennoch: Bei Dienstleistungen müssen Frauen häufig tiefer in die Tasche greifen als Männer – so zumindest die weit verbreitete Meinung.

Männerpreise beim Friseur?

Der Friseurbesuch ist hier wohl das Paradebeispiel schlechthin. Doch das ist mittlerweile – zumindest meist – ein nicht mehr zeitgerechter Vorwurf. Spätestens seit der 2008 in Österreich umgesetzten EU-Richtlinie, wonach der Grundsatz der Gleichbehandlung von Frauen und Männern bei der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen gilt, sind die in Männer- und Damenpreise aufgeteilten Preislisten aus den Schaufenstern gewichen. Können unterschiedliche Preise sachlich gerechtfertigt werden, sind diese auch weiterhin möglich. In den meisten Friseurgeschäften kann sich Kunde deshalb auf geschlechtsunabhängige Preise verlassen. Unterschieden wird heutzutage nach Kurz,- Mittel- oder Langhaarfrisuren – bei Männlein wie Weiblein. Auch beim Intercoiffeur Schenk in Feldkirch soll es ausschließlich Unisex-Preise geben.

Bluse macht den Unterschied

Ein Blick auf die Preisliste des Vorarlberger Reinigungsunternehmens Mepur lässt vermuten, dass Frauen für Reinigungsdienste tiefer in die Tasche greifen müssen als Männer: So kostet das Waschen und Bügeln eines Männerhemdes 2,15 Euro. Für ein handgebügeltes Männerhemd werden 3,59 Euro verlangt. Frauen hingegen müssen für die selbe Dienstleistung – handgebügelt – 4,99 Euro bezahlen. Ungerecht? „Nein“, sagt Frau Patsia, langjährige Mitarbeiterin in der Filiale im Dornbirner Messepark. „Viele Männerhemden passen auf Bügelpuppen, sprich, sie werden maschinengebügelt“, erklärt sie. „Bei Frauenblusen hingegen ist oft ein Mehraufwand gefragt. Etwa, wenn der Stoff besonders fein ist oder die Blusen mit Rüschen verziert sind. Dann müssen sie von Hand gebügelt werden – und das kostet natürlich mehr.“ Ansonsten gibt es im Unternehmen keine „Geschlechtsdiskriminierung“, sondern ausschließlich Unisex-Preise.
Oft weniger bezahlen müssen Frauen für Haarentfernungen mit Wachs. Das Argument: Männer haben stärkeres Haar und die Fläche, die enthaart wird, ist größer. Klingt plausibel. Bei den Rasierer-Herstellern scheint das aber noch nicht ganz angekommen zu sein – denn für Damenrasierer wird zumeist bedeutend mehr verlangt als für das qualitativ gleichwertige Produkt für Männer.

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