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Frankreich: Jüdischer Friedhof geschändet

Zum dritten Mal seit Jahresbeginn ist in Frankreich ein jüd. Fried-hof geschändet worden. 60 Gräber wurden in Lyon mit Haken-kreuzen, keltischen Symbolen und Nazi-Inschriften beschmiert.

Premierminister Jean-Pierre Raffarin verurteilte die Schändung als „abscheuliche Tat“. Innenminister Dominique de Villepin erklärte, man werde darauf mit „der allergrößten Schärfe“ reagieren. In einem von der Regierung in Paris veröffentlichten Kommuniqué wurde die Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft ausgedrückt, die durch einen neuerlichen Vandalenakt in ihren Gefühlen so schwer verletzt worden sei.

Die Republik werde in ihrem Kampf gegen den Antisemitismus nicht nachlassen, unterstrich der Innenminister. Die Polizeiorgane wurden angewiesen, sich ganz auf die Identifizierung der Urheber dieser „verachtenswerten Tat“ zu konzentrieren. Zwei junge Männer sind in unmittelbarer Nähe des Friedhofs aufgegriffen worden und werden gegenwärtig verhört. Der Oberrabbiner von Lyon, Richard Wertenschlag, sprach von einer Provokation, „wobei man nicht weiß, von welcher Seite sie kommt.“ Auch anti-muslimische Parolen seien auf Grabsteine des Friedhofs geschmiert worden. Betroffen ist auch eine Gedenkstätte des Friedhofs für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten. Die Justiz nahm Ermittlungen auf, zwei Jugendliche wurden in Polizeigewahrsam genommen. Im April und im Juli waren jüdische Friedhöfe im Elsaß geschändet worden.

Die jüdische Gemeinde in Lyon ist mit 35.000 Mitgliedern nach Paris und Marseille die drittgrößte Frankreichs. Der jetzt geschändete rein jüdische Friedhof war bereits 1992 von Skinheads verwüstet worden.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon hatte im Juli vor amerikanischen Juden seine Besorgnis über einen „entfesselten Antisemitismus“ in Frankreich zum Ausdruck gebracht und die dortigen Juden zur Auswanderung nach Israel aufgerufen. Dies führte zu einer schweren diplomatischen Verstimmung zwischen Frankreich und Israel. Die Regierung in Paris erklärte, Sharon sei in Frankreich „nicht willkommen“, solange er seine Kritik nicht erläutert habe. Sharon lobte daraufhin den Einsatz von Staatspräsident Jacques Chirac und der Regierung gegen den Antisemitismus. Der französische Außenminister Michel Barnier wird voraussichtlich im Oktober nach Israel reisen.

Die neue “antisemitische Welle” in Frankreich

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