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Für Ritsch wird es "nicht einfach" gegen die ÖVP

Vorarlbergs SPÖ-Landesvorsitzender Michael Ritsch sieht bei der Landtagswahl SPÖ, FPÖ und Grüne in einem knappen Rennen um den zweiten Platz. Von minus fünf bis plus fünf Prozentpunkten sei alles möglich, so Ritsch zu den Aussichten seiner Partei, die bei der vergangenen Landtagswahl 16,9 Prozent Wählerstimmenanteil und sechs Mandate erreichte.

Erklärtes Wahlziel ist das Halten des zweiten Platzes. “Es wird aber nicht einfach gegen die übermächtige ÖVP und Sausgruber”, erklärte der SPÖ-Chef im APA-Interview.

“Wer Sausgruber wählt, wählt im Prinzip ein Stück Vergangenheit”, sagte Ritsch. Er rechne damit, dass der Landeshauptmann in der Mitte der kommenden Periode an einen Nachfolger übergeben werde. Solange Sausgruber im Amt sei, sehe er keine Chance auf eine Regierungsbeteiligung für die SPÖ. Mit den beiden potenziellen “Kronprinzen” der ÖVP, Landesstatthalter Markus Wallner und Wirtschafts-Landesrat Karlheinz Rüdisser, stehe er aber in gutem Kontakt. Er sei darüber hinaus überzeugt, dass “viele in der VP mit uns können”.

Eine Regierungsbeteiligung sei wesentlich, um gestalten zu können. Interessieren würden Ritsch dabei die SPÖ-klassischen Bereiche Wohnbau, Soziales oder Gesundheit. Dass Vorarlberg für die SPÖ traditionell kein so guter Boden ist, erklärt sich für ihn aus der Geschichte. Ähnlich wie die SPÖ in Wien verfüge die Volkspartei in Vorarlberg über ein dichtes Netz, das sich bis in die untersten Ebenen erstrecke. Als SPÖ tue man sich da schwer, weil man vergleichsweise nicht so viel bieten könne.

Auch wenn es zu den in Umfragen prognostizierten SPÖ-Verlusten kommen sollte, denkt Ritsch nicht an Rücktritt. Er habe die Partei erst vor zwei Jahren auf Wunsch von Elke Sader übernommen, “und ich glaube, es sind alle froh, dass ich es mache”, meinte er. Für den Wahlkampf gibt es einen “strengen Einsatzplan”. Die Kandidaten werben an 80.000 Haustüren klingelnd um Vorzugsstimmen. Da die Zweitgereihten der Bezirkslisten so stark seien, müssten sich auch die Erstgereihten “auf die Hinterbeine stellen”, so Ritschs Konzept. Das sei vor fünf Jahren noch anders gewesen, als seine Vorgängerin Sader versucht habe, alles allein abzudecken. Er praktiziere “einen anderen politischen Stil”, wolle Themen gemeinsam ausarbeiten und andere so viel wie möglich einbinden.

Ritsch fiel in seiner Anfangszeit im Landtag mit ungewohnt scharfen Angriffen auf die ÖVP auf, inzwischen schlägt er einen gemäßigteren Ton an. Als er als “junger Hoffnungsträger” 2004 ins Landesparlament einzog, sei er der Einzige gewesen, der sich getraut habe, etwas gegen die “abgehobene Freunderl-ÖVP-Politik” und “Obermonarch Sausgruber” zu sagen. Denn als Bregenzer Wohnungsstadtrat habe er gesehen, dass Vorarlberg entgegen des ÖVP-Bildes keine Insel der Seligen sei. Als Parteichef treffe er zwar noch immer pointierte Aussagen, aber von seiner jetzigen Funktion erwarte man “einen etwas anderen Schliff”, begründete Ritsch.

Auf den Ruf der SPÖ angesprochen, jene Partei mit den teuren Ideen zu sein, erklärte Ritsch, bei ÖVP-Prestige-Projekten stelle nie jemand die Finanzierungsfrage. “Ich lasse diese Frage darum nicht mehr gelten”, betonte er. Zuerst müssten Nachhilfe, Ausbildung, gemeinsame Schule, Arbeitslosengeld, Zuschüsse für Wohnen und Heizen sowie Pensionen und Pflege gesichert sein. Wenn dann noch Geld da sei, könne man Projekte wie den 138 Mio. Euro teuren Achraintunnel bauen. Im Vordergrund stünden für ihn “Ideen, die den Menschen etwas bringen, und zwar direkt”. Dafür würde Ritsch auch eine Verschuldung in Kauf nehmen: “Daran darf es nicht scheitern – bevor es einem Menschen schlecht geht”.

Seine Partei sieht Ritsch auf gutem Weg. So habe man mit SJ-Vorsitzendem Lukas Riepler etwa einen Jugendvertreter, der selbst Themen vorgebe. Riepler könne sich “vor Zulauf nicht erwehren”, sogar im Bregenzerwald, “das gab’s vor drei, vier Jahren nicht”. An die jungen Wähler will die SPÖ mit der Idee leistbarer Jugendwohnungen herantreten. Im ÖVP-dominierten Bregenzerwald stehe mit Martin Meusburger ein Kandidat aus der Region auf der Liste, denn “ein Wälder wählt einen Wälder”, so Ritsch, der auf positive Effekte für die Gemeindewahl 2010 hofft.

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