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Folgt dem Schnee das Hochwasser?

Pfingsten 1999: Soldaten des Bundesheeres bauten in Windeseile Stege über der grünen Flut.
Pfingsten 1999: Soldaten des Bundesheeres bauten in Windeseile Stege über der grünen Flut. ©VN/Zellhofer
Bregenz - Spezialisten treiben angesichts der Schneemassen Schutzmaßnahmen voran.
Baufelder 2012

Sieht Dipl.-Ing. Andreas Reiterer (54) die schneebedeckten Berggipfel, erinnert er sich ans Jahr 1999. Ganz automatisch. „Da oben liegt jetzt der halbe Jahresniederschlag“, bilanziert der Chef der Wildbach- und Lawinenverbauung und fügt hinzu: „Es wäre ein Wunder, wenn die Schneeschmelze heuer ohne Komplikationen abgeht.“ Auch im Winter 1999 hatte es kräftig geschneit. Und dann hatten entsprechende Zutaten den teuflischen Cocktail gemixt: Einer langen Schlechtwetterphase folgten zu Pfingsten hochsommerliche Temperaturen und Starkregen. Tage später spazierten verdutzte Touristen auf Holzstegen durchs überflutete Bregenz, auch Hard stand unter Wasser. Im ganzen Land waren Hänge ins Rutschen geraten. Steht heuer Ähnliches bevor? Das weiß zur Zeit niemand. Andreas Reiterer nennt es „die erste Stufe einer prekären Situation“. Thomas Blank, Leiter der Wasserwirtschaft, nimmt den Vorfrühling dieser Tage zum Zeugen und bleibt optimistisch: Klar, von Dezember bis Februar fiel teils doppelt so viel Schnee vom Himmel wie in anderen Jahren. „Aber kritisch wird‘s erst, wenn in großen Höhen warmer Regen fällt.“ Im Übrigen „haben wir unsere Hausaufgaben gemacht“.

Arbeiten unter Hochdruck

Das heißt zweierlei: „Einerseits ist entlang der Bregenzer­ach das Wichtigste passiert.“ Die Baustellen in Bezau und Au dauern freilich noch bis Ende 2012 bzw. 2014 an. Da wird die Flusssohle vertieft und das Profil vergrößert. Im Unterlauf der Bregenzerach reihen sich von der Harder Achbrücke in Richtung Seeufer zahllose Betonelemente, um „diesen kritischen Bereich mit sehr hohem Schadensfall abzusichern“. Im Übrigen gilt: „Wir arbeiten, so schnell es geht.“ Und das im ganzen Land: In Bludesch-Gais wird gerade ein Rückhaltebecken gegraben. Die Hochwasserschutzmaßnahme für Schlins/Satteins muss heuer in die Umweltverträglichkeitsprüfung. Auch die Wildbach- und Lawinenverbauung ist unter Zeitdruck. „Durch den strengen Frost sind wir im Februar ein bisschen in Verzug geraten.“ Aber Andreas Reiterer ist sicher: „Das holen wir wieder auf.“ Die Geschieberückhaltesperre am Alvierbach und das Querwerk am Suggadinbach nahe St. Gallenkirch sollen heuer fertig werden. Sobald es das Wetter zulässt, werden bis zu 200 Männer auf allen Gebirgsbaustellen arbeiten. Immerhin: Meteorologe Georg Erlacher (44) von der Zentralanstalt in Innsbruck sagt für die nächsten Tage trockenes Wetter und Temperaturen bis zu 17 Grad voraus: Jeder Tag dieser Art ist ein Geschenk.

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